Evolution der Integrationsarchitektur

IT-Servicearchitektur

Die IT-Servicearchitektur definiert die IT-Service-Sicht der Unternehmensarchitektur. Hier werden die IT-Services verwaltet und beschrieben, die für die Ausführung der Geschäftsprozesse erforderlich sind (z. B. der Auftragsabwicklung bei Produktbestellungen).

Informationsarchitektur

In der Informationsarchitektur werden die Geschäftsdaten mit ihren Beziehungen identifiziert und beschrieben. Durch die Modellierung von Informationsflüssen verbindet diese Architektur die konkreten Bebauungsartfakte der IT-Anwendungslandschaft horizontal sowie die jeweiligen Teilarchitekturen vertikal.

Technische Architektur

Die technische Architektur umfasst Architekturelemente wie Plattformen, unternehmensspezifische technische Standards und Betriebsinfrastruktur-Bestandteile, die für den Aufbau und den Betrieb erforderlich sind. Sie definiert die Basis, auf der IT-Services beschafft, integriert und betrieben werden können.

Referenz-Unternehmensarchitektur

Abbildung 3 veranschaulicht die gesammelten und branchenübergreifenden Projekterfahrungen der Autoren im Kontext von qualitativ hochwertigen serviceorientierten Integrationsarchitekturen mit einer sehr engen Geschäftsausrichtung auf der Flughöhe der Unternehmensarchitektur. Ein fundamentaler Schritt zur Modellierung des Geschäfts ist die Definition von Geschäftsdomänen und die Segmentierung in diese. Die Geschäftsdomänen bilden praktisch die Schnittfläche zwischen den Harmonisierungsbestrebungen von Fachbereich und IT. Mit ihrer Hilfe können zum einen die Verantwortungsbereiche im Unternehmen geschäftsorientiert gestaltet werden, zum anderen können aber auch verschiedene Geschäftsmodelle, Strategien und Ziele pro Geschäftsdomäne gelten.

Der Hauptfokus gilt der Geschäftsarchitektur. Während sie zunächst einmal unabhängig von der konkreten IT-Anwendungslandschaft existiert, bildet die Geschäftsarchitektur den Ausgangspunkt für die geschäftsorientierte Ausrichtung einer Ziel-Anwendungslandschaft. Auf technischer Ebene übernimmt ein Service Bus pro Geschäftsdomäne die Segmentierung. So lassen sich domänenübergreifende Harmonisierungsbestrebungen durch Unternehmensstandards und Richtlinien gestalten, basierend auf einer Auswahl von De-facto- und Industriestandards. Diese sind wichtig, um die Synergieeffekte bei Betrieb, Wartung und Entwicklung von Services verstärkt zu nutzen und letztendlich die IT-Kosten zu reduzieren. Gleichzeitig wird innerhalb der Geschäftsdomäne ein wichtiger Spielraum für eine kontrollierte Heterogenität geschaffen, die ein notwendiges Maß an Innovationen und Flexibilität ermöglicht. In vielen Teams lässt sich ein domänenspezifischer Best-of-breed-Ansatz nur so umsetzen.

Abb. 3: Referenzarchitektur für ein serviceorientiertes Integrationsszenario mit Geschäftsausrichtung. (Vergrößern)

Tatsächlich ist die flexible Kombinierbarkeit in Form einer hochgradigen Wiederverwendbarkeit von Geschäftslogik zur Laufzeit ein fundamentales Merkmal, um die strategischen Ziele der Serviceorientierung zu erreichen. Einerseits sind Unternehmensstandards zum Entwurf von wiederverwendbaren IT-Services erforderlich, andererseits müssen Richtlinien den offiziellen und singulären Zugriffspunkt auf die Geschäftslogik, die von Ihnen gekapselt ist, über ein zentral verfügbares, fachlich normalisiertes IT-Serviceinventar absichern. Ausgehend von den zugehörigen Geschäftsdomänen repräsentiert ein IT-Service eine eigene Funktionsdomäne in dem beschriebenen Inventar, die über die Geschäftslogikbausteine noch weiter verfeinert wird. Analog dazu implementieren die Geschäftsobjektbausteine eine stringent vertikalisierte Zugriffskontrolle auf die inkludierten Geschäftsobjekte, die einen disjunkten Ausschnitt an Geschäftsdaten der gesamten Organisation kapseln und damit die dargestellte Datenhoheit charakterisieren.

Das Streben nach Interoperabilität ist die Basis für die unternehmensweite Wiederverwendung über die Grenzen der Geschäftsdomänen hinweg und stellt einen inhärenten Bestandteil der hier vorgestellten Referenzarchitektur dar. Für die effektive Wiederverwendbarkeit der IT-Services ist es zwingend erforderlich, dass eine zuverlässige Performance zu jedem Zeitpunkt gewährleistet werden kann. Die Performance kann nur durch die absolute Kontrolle über alle beteiligten Software- und Hardwarebausteine und durch eine so genannte Laufzeitautonomie zur Ausführung der Geschäftslogik gesichert werden. Das bedeutet, dass dem IT-Service eine eigene Umgebung, idealerweise inklusive Applikationsserver und Datenbank, hochverfügbar zur Verfügung steht und auf eine hochgradig nebenläufige Verarbeitung optimiert werden kann. Autonome IT-Services existieren weitgehend unabhängig von ihrer Peripherie als eigenständige Konstrukte. Exklusiv und redundanzfrei kapseln sie ein Segment an Geschäftslogik und adressieren damit fachliche Dekomposition eines Inventars, die zuvor erläutert wurde. Ein hoher Autonomiegrad ist vermutlich der wichtigste Wegbereiter für die erstrebenswerten Eigenschaften von IT-Services, über die in der Literatur häufig diskutiert wird, wie beispielsweise die Kontextfreiheit, Wiederverwendbarkeit, Interoperabilität und die lose Kopplung.

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