Europäische Raumfahrt setzt auf Eclipse: Astrium tritt PolarSys-Initiative bei

Hartmut Schlosser

Eclipse als Tooling-Plattform hat Geschichte geschrieben. Eclipse als Open-Source-Hoster ist heute beliebter denn je. Eclipse als Institution, die konkurrierende Unternehmen für die Entwicklung gemeinsamer Plattformen an einen Tisch bringt, weist in die Zukunft.

Das Working-Group-Konzept der Eclipse Foundation macht es möglich: Das, was die Eclipse Foundation einst für die eigene Plattform geschafft hat, nämlich eine Schar wichtiger Industrie-Größen um Eclipse zu versammeln, gibt die Foundation nun in vermittelnder Funktion weiter. Ein Beispiel für diese Aktivitäten ist die PolarSys-Working-Group, eine Gruppe, die seit 2011 Unternehmen mit dem Ziel verbindet, Tools für die Entwicklung sicherheitskritischer eingebetteter Systeme bereit zu stellen. Vertreten sind Organisationen aus den Bereichen Luftfahrt, Verteidigung, Transport, Telekommunikation und Healthcare, darunter Airbus, Ericsson, Obeo und Thales.

Jetzt hat die Eclipse Foundation den Beitritt eines weiteren illustren Players bekannt gegeben: Die europäische Raumfahrtgesellschaft Astrium nimmt im Vorstand von Polarsys Platz. Astrium ist ein Schwergewicht der Branche, als Tochtergesellschaft der EADS Group (European Aeronautic Defence and Space Company – Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern) auf zivile und militärische Raumfahrtsysteme spezialisiert. Mit über 18.000 Mitarbeitern, an diversen Standorten auch in Deutschland (Bremen, Jena, Potsdam, Rostock, etc.), hat Astrium wichtige Beiträge zu den Projekten Ariane, ISS, Mars Express und Skynet 5 geleistet.

Astrium wird sich an den Entwicklungen der gemeinsamen Embedded-Plattform beteiligen, die in Form der PolarSys IDE 1.0 rund um das Eclipse Kepler Release Ende Juni veröffentlicht werden soll. Im Fokus der PolarSys-Gruppe liegt auch die Ausweitung des Supports für Eclipse auf lange Zeiträume (Longterm Support), wie sie typischerweise für Embedded-Systeme nötig werden. Wie aktiv die Industry Working Group ist, zeigen auch drei der jüngsten Projektvorschläge bei Eclipse: 

  • Im Projekt „ArCon“ soll ein Werkzeug entwickelt werden, mit dem sich Systeme auf Konformität zum UML/SysML-Standard überprüfen lassen. Es lassen sich Regeln zur Architekturgestaltung festlegen, anhand derer eine automatische Validierung des Systems vorgenommen wird.
  • Beim Projekt „Polychrony“ geht es darum, ein sogenanntes „Signal Integrated Development Environment“ auf Basis der Eclipse-Plattfom bereit zustellen. Bei Signal handelt es sich um eine Spezifikation und Programmiersprache für kritische Echtzeit-Embedded-Anwendungen.
  • Das „PolarSys Packaging Project“ soll Packages, Plattformen und Installer für Technologie-Stacks bereit zu stellen, die vom Polarsys Architecture Committee für wichtig bei der Entwicklung von Embedded-Systemen befunden wurden.

Weitere Informationen zur PolarSys-Gruppe finden Sie unter http://polarsys.org/. Hintergrundinformationen liefert Pierre Gaufillet von Airbus im JAXenter-Interview: Eclipse bei Airbus: Die Polarsys Industry Working Group.

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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