Träume Realität werden lassen

Die Essenz der modernen Softwareentwicklung

Michael Thomas

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Was macht den Kern der modernen Softwareentwicklung aus? Der Programmierer und Unternehmer Erik Dietrich (DaedTech LLC) glaubt, die Antwort zu kennen.

Als Hinführung auf seine Argumentation Dietrich auf ein anschauliches Bild zurück: Man stelle sich ein normalerweise gähnend leeres Fitnessstudio vor, das von Menschen überrannt wird, die ihre guten Vorsätze für das neue Jahr umsetzen wollen – und dabei so gut wie alles falsch machen: Anstatt sachte ihren Rhythmus zu finden, schalten sie das Laufband direkt auf die höchste Stufe, bis sie nach kurzer Zeit völlig überfordert aufgeben müssen.

Die Idee, die Laufgeschwindigkeit des Geräts zu reduzieren, kommt ihnen nicht bzw. sie wissen nicht, wie sie dies bewerkstelligen könnten. Dietrich würde es nach eigener Aussage in einer solchen Situation in den Fingern jucken, diesen Menschen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Noch besser fände er es sogar, wenn sich das Laufband selbst darum kümmern würde.

Bedürfnisse vorausahnen …

Was hat diese Bild mit der modernen Softwareentwicklung zu tun? Glaubt man Dietrich, so einiges. Seiner Ansicht nach hat sich in der Software-Welt den vergangenen Jahren ein genereller kultureller Wandel vollzogen: „Lies das verdammte Handbuch“ (aka RTFM) hat als Geisteshaltung praktisch ausgedient, statt dessen besteht der gängigste Ansatz in einer größtmöglichen Vereinfachung von Software. In den meisten Fällen soll sie den Endnutzer dabei unterstützen, nicht-technische Probleme zu lösen und seine Lebensqualität zu erhöhen.

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Dietrich geht noch einen Schritt weiter und bezeichnet diesen Habitus als eine besondere Form des Unternehmertums. Eines Unternehmertums, das sich mit Haut und Haaren dem Ziel verschrieben hat, den Kunden dazu zu bringen, ekstatisch „shut up and take my money“ zu rufen.

Im Rückgriff auf das Bild des abkämpfenden Lauf-Anfängers geht Dietrich jede Wette ein, dass dieser mit Freuden etwas Geld für ein „Laufband-Plug-in“, das ihm einige Grundlagen vermittelt, locker gemacht hätte. Zu dem Zeitpunkt, an dem er die Fahnen streckt und sich vom Laufband wuchtet, wäre er vermutlich sogar bereit, ein vielfaches der ursprünglichen Summe auszugeben.

… und entsprechende Lösungen entwickeln

Um mit einem Produkt Geld zu verdienen, muss man Dietrich zufolge ein Gespür für derartige Situationen und Ideen entwickeln; die Wünsche und Bedürfnisse des Kunden vorwegnehmen, lange bevor dieser sich traut, sie auszusprechen. Softwareentwickler befinden sich für ihn dabei in einer einzigartigen und beneidenswerten Position.

Denn sie müssen sich – z. B. bei der Gründung eines Startups – nicht auf einen technisch versierten Mitgründer oder entsprechende externe Dienstleister verlassen. Vielmehr, und das ist für Dietrich der Kern der modernen Softwareentwicklung, können sie ihre Ideen nicht nur ausarbeiten, sondern auch direkt umsetzen. Oders anders gesagt: Gänzlich ohne Hilfe Träume Realität werden lassen.

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Aufmacherbild: Reality vs simulation von Shutterstock / Urheberrecht: Mopic

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Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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