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Es jaxt wieder! [W-JAX Blog]

Neue Impulse sowie zentrale Fragen zu Architektur und Technologie sind Themen, mit denen sich Fachkonferenzen wie die JAX-Konferenzen beschäftigen. Die W-JAX im Winter, genauso wie die etwas größere Ausgabe im Frühjahr, adressiert in diesem Zusammenhang ein sehr breites Spektrum an Themen rund um die Java-Plattform. Sebastian Meyen hat während der Eröffnung auch sehr schön darauf hingewiesen, dass Java weit mehr als nur eine Sprache ist. Java ist eine Plattform, ein Ökosystem, ja man könnte sogar soweit gehen und Java als „Betriebssystem“ bezeichnen. Und weil die Java-Plattform so breit und gut aufgestellt ist, spiegelt sich dies eben auch im umfangreichen Programm der diesjährigen W-JAX wider.

Wirft man einen Blick auf das reichhaltige Themenspektrum, mit dem sich die Konferenz beschäftigt, findet man mittlerweile mehr als 20 Einträge vor. Damit wird eine beachtliche Menge interessanter Stoffe angeboten. Natürlich sind wieder die klassischen Themen wie Java Core, Plattform, Java EE, Spring und Web dabei. Interessant sind vor allem aber die eher neueren Bereiche, in die die JAX nun immer mehr vorstößt, damit meine ich Gebiete wie HTML 5, NoSQL, Big Data oder User Experience beziehungsweise UI Development. Die vielen Sessions sind durchgängig in sogenannten Special Days organisiert, gruppiert nach Thema. So kann sich jeder Teilnehmer das für ihn interessante Gebiet aus dem reichhaltigen Programm herauspicken und sich gezielt mit diesem Bereich beschäftigen, hat aber jederzeit auch die Möglichkeit, zwischen den einzelnen „Slots“ (wie man auf der Konferenz so schön sagt) hin- und herzuwechseln.

Ich habe mir für den Dienstag vorgenommen, am User Experience Day teilzunehmen, welcher auf dieser JAX zum ersten (und hoffentlich nicht letzten) Mal angeboten wurde. In diesem Special Day ging es darum klarzumachen, dass gut gemachte UIs eben nicht nur Spielerei sind, sondern ganz maßgeblich zur Akzeptanz und damit letztendlich auch zum Erfolg einer Software beitragen können. Dabei stellt sich natürlich die Frage, welche Regeln es zu beachten gibt, damit ein UI vom Benutzer akzeptiert wird. Hier habe ich in den verschiedenen Sessions gelernt, dass es eigentlich ganz einfache Regeln sind, die man befolgen sollte: Nicht zu viele Farben verwenden, am besten nur einen Font, Animationen – wenn überhaupt – nur dezent einsetzen und wenn, dann auch nur wenn man auf etwas hinweisen oder andersherum den Benutzer gezielt von etwas ablenken will. Ein anderer sinnvoller Tipp ist, sich beim Design einer Oberfläche auch von den immer populärer werdenden Apps, wie wir sie von Android, iPhone und Co kennen, inspirieren zu lassen. Begründet wurde dies dabei mit dem Argument, dass sich heute ganz einfach die Nutzergewohnheiten unserer Anwender geändert haben und weiter verändern. So besitzt mittlerweile fast jeder „normale Bürger“ da draußen ein Smartphone und verwendet damit ganz selbstverständlich Apps.

Wir Entwickler werden uns in Zukunft daher die Frage gefallen lassen müssen, warum eine bestimmte Art von Bedienung (oder anders ausgedrückt: eine bestimmte „User Experience“), welche auf diesem kleinem Smartphone ohne Probleme läuft, nicht in unseren Anwendungen verfügbar ist? Und damit sind wird auch schon bei der für mich wichtigsten Message des User Experience Day angekommen: Was spricht denn dagegen, einfach mit dem Benutzer sprechen? Den Benutzer frühzeitig in die Entwicklung einbinden und am besten gleich „Page Prototyping“ mit ihm betreiben.

Was ist Page Prototyping? Dabei handelt es sich im Kern um eine einfache, aber geniale Idee: Man lässt den Endbenutzer das zukünftige UI ganz unspektakulär aus Einzelteilen, ähnlich einem Puzzle, auf einem leeren Blatt Papier zusammensetzen. Aus dieser Aktion heraus entsteht in der Folge eine Diskussion und einzelne Oberflächenelemente, weil Puzzlebausteine, können hin- und hergeschoben werden bis alles passt und alle zufrieden sind – und alles noch bevor eine einzige Zeile Code für dieses UI geschrieben wurde. Wie ich finde, ein genial einfacher, aber sicher effektiver und kostensparender Ansatz, der nebenbei den Benutzer miteinbezieht und damit implizit Akzeptanz fördert. Es kann manchmal so einfach sein.

Mit dem User Experience Day ist die W-JAX um ein weiteres interessantes neues Themengebiet reicher geworden, gerne mehr davon.

Marc Teufel arbeitet als Software-Architekt bei der hama GmbH & Co und ist dort für die Entwicklung großer Java-Anwendungen im Logistikzentrum zuständig. Er ist Autor zahlreicher Fachartikel zu Java und .NET, hat drei Bücher zu Web Services publiziert und spricht regelmäßig auf Fachkonferenzen.

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