Pragmatismus statt Shangri-La

Erstellung von Services mit SOA Express

Rolf Becking

Trotz allgemeiner Wertschätzung kommt die Umsetzung der SOA nicht so recht voran. Insbesondere große Enterprise-Applikationen lassen sich nicht so einfach für Services erschließen. In einem pragmatischen Ansatz können Services nun direkt aus bestehenden Host-Programmen generiert werden.

SOA ist ein richtiger Dauerhype. Die IT beschäftigt sich mit dem Thema schon seit rund zehn Jahren, und trotzdem ist die Stimmung nach wie vor gut: SOA mögen einfach alle, das Konzept ist allgemein akzeptiert, alle unterstützen SOA, alle sind von den Vorteilen überzeugt, alle planen mit SOA und irgendwann werden sie SOA auch implementieren. Tatsächlich kommt die praktische Umsetzung der serviceorientierten Architektur nicht so recht voran. Die wenigsten Vorhaben sind über das Projektstadium hinausgekommen, größere Projekte muss man ohnehin mit der Lupe suchen, und wo SOA realisiert wurde, handelt es sich häufig nur um eine Hand voll Web Services. Die großen Erwartungen, die die IT mit SOA verbindet – Kosteneinsparung, Flexibilität, Alignment, Transparenz, Business-Agilität – lassen im IT-Alltag jedenfalls noch auf sich warten: Von einer Software-Architektur im eigentlichen Sinne des Begriffs kann bislang jedenfalls noch keine Rede sein.

Ernüchternde Zahlen

Dieser ernüchternde Alltag lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: So ermittelte kürzlich die amerikanische Nucleus Research, dass nur 27 Prozent aller IT-Projekte einen SOA-Hintergrund haben und dass nur 40 Prozent der Softwareentwickler auf SOA-Techniken zurückgreifen. Was insofern nicht verwundert, als nur 37 Prozent aller SOA-Projekte einen positiven ROI erzielen. SOA scheint heute für all das zu stehen, was man in der IT gerne hätte, wenn man könnte, wie man eigentlich möchte – das Shangri-La der IT. Tatsächlich aber ist der große Wurf, die Lösung aus einem Guss, die rare Ausnahme. Normalerweise haben Unternehmen genug damit zu tun, das Vorhandene am Laufen zu halten und an die dringlichsten Anforderungen anzupassen. Für Neues ist dann meist weder Zeit noch Geld übrig. Rund 75 Prozent der IT-Budgets sind dafür verplant, weniger optimistische Beobachter rechnen mit bis zu 95 Prozent. Vor allem die Betreiber großer Enterprise-Applikationen, deren Geschäftsbetrieb vom Funktionieren dieser Systeme abhängt, haben hier wenig Handlungsspielraum.

Eine Neuentwicklung auf der „Grünen Wiese“ kommt aus Kostengründen nicht in Betracht, ein Wechsel zu einer Standard-Lösung würde den Wettbewerbsvorteil, der mit auf die eigenen Prozesse angepassten Applikationen erzielbar ist, zunichte machen und die entsprechenden Investitionen auf einen Schlag entwerten. Andererseits passen herkömmliche Enterprise-Applikationen, meist in COBOL geschrieben und auf dem Mainframe betrieben, nicht mehr so recht in die moderne IT-Landschaft: Sie sind unflexibel, kompliziert, schwer zu erweitern und vor allem teuer. Oft handelt es sich um abgeschlossene Systeme, auf die man nicht einfach mit einem Web-Interface oder mit einem Linux-Server zugreifen kann. Anforderungen wie die Synchronisation mit PDAs oder die Datenintegration mit Windows-Applikationen lassen sich hier nur schwer realisieren. Wer von solchen Umgebungen auf eine Mainframe-Anwendung zugreifen will, müsste dafür eigens ein CICS Interface bauen – was in der Praxis so kompliziert ist wie es klingt.

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Rolf Becking
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