Erlang/OTP 18.0 mit erweiterter Zeit-Funktionalität

Michael Thomas

© Shutterstock.com/Leszek Glasner

Die Programmiersprache Erlang sowie die mitgelieferte Bibliothekensammlung OTP (Open Telecom Platform) sind ab sofort in der Hauptversion 18.0 verfügbar. Wie sich bereits im ersten Release Candidate zeigte, betreffen ein Großteil der Neuerungen Erlangs Run-Time System Application (ERTS). Eine weitere bedeutsame – jedoch nicht die Funktionalität betreffende – Änderung stellt die Umstellung des Projekts von der eigenen Erlang Public License auf die Apache Public License 2.0 dar.

Im Rahmen der neuen Features sticht im besonderen die Erweiterung der Zeit-Funktionalität von erts aus, wozu sowohl ein neues Zeit-API, als auch neue “time warp”-Modi, die das Verhalten bei Änderung der Systemzeit verändern, gehören. Die Erlang-Entwickler sprechen eine starke Empfehlung für die Verwendung des neuen API aus, da sich das alte zu einem immer gravierenderen Flaschenhals bei der Skalierung entwickelte. Neben der neuen API und den “time warp”-Modi wurden noch einige weitere Neuerungen eingeführt, die Performance und Skalierbarkeit im Hinblick auf das Zeit-Management verbessern sollen. Dazu gehören etwa Scheduler-spezifische Timer Wheels und ein ebenfalls Scheduler-spezfifisches BIF-Timer-Management.

Weitere Highlights im Zusammenhang mit erts betreffen zudem eine verbesserte Unterstützung von Maps: Große Maps sollen durch die interne Verwendung eines HAMT (Hash Array Mapped Trie) effizienter gemacht werden. Außerdem wird das bereits in einer früheren Version enthaltene “eager check I/O”-Feature nun standardmäßig aktiviert.

Alle weitere Neuerungen können der umfangreichen Dokumentation entnommen werden.

Über Erlang

Erlang wurde 1987 beim Telekommunikationsanbieter Ericsson speziell für Telefonie-Anwendungen entworfen. Nach der Open-Source-Stellung der Sprache 1998 erreichte Erlang Anwender auch außerhalb von Ericsson. Heute wird Erlang von Projekten wie die NoSQL-Datenbanken Riak, Mnesia und CouchDB, dem Messaging-Server RabbitMQ und dem Konfigurationsmanagement-Tool Chef eingesetzt.

Erlang ist eine funktionale Sprache, die auf die Anforderungen des nebenläufigen Programmierens zugeschnitten ist. Die Syntax von Erlang erinnert an Prolog, was auf den Ursprung der Sprache als in Prolog geschriebener Interpreter zurückgeht. Heute kommt Erlang mit dem Laufzeitsystem und der Bibliothek OTP daher, einer Art Middleware für den Bau verteilter, hochverfügbarer Systeme.

Für einen Einstieg bietet sich auch das kostenlose E-Book “Stuff goes bad: Erlang in Anger” an: Der Titel versteht sich als Sammlung von Tipps und Tricks, um mithilfe von Erlang typischen IT-Problemen den Garaus zu machen. Enthalten sind verschiedene Code Snippets und Best Practices, um in Erlang gebaute Systeme zu analysieren und zu debuggen. Ebenfalls empfehlenswert ist der Vortrag “Was Sie aus Prolog, Clojure, Erlang & Node.js für den Mainstream lernen können“, den Stefan Tilkov (innoQ Deutschland GmbH) und Dr. Gernot Starke (innoQ Fellow & Architekt) auf der W-JAX 2012 hielten. Wer sich für Veranstaltungen rund um die Programmiersprache interessiert, sollte regelmäßig einen Blick auf die Erlang-Event-Seite werfen.

Aufmacherbild: Binary code in form of futuristic city skyline, vector illustration von Shutterstock.com / Urheberrecht: Leszek Glasner

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
4000
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: