"Kennt Ihr den schon?"

Entwicklerwitze – und was sie über das dunkle Seelenleben von Programmierern verraten

Kypriani Sinaris

©Shutterstock/Kues

Entwickler sind schon ein sehr eigener Schlag Mensch. Und wie bei jeder abgrenzbaren Menschengruppe, so hat sich auch bei Entwicklern ein ganz besonderer Humor eingestellt: der Entwicklerwitz. Dieser wird typischerweise nur von Leidensgenossen in seiner vollen Tragweite verstanden – und scheint damit eine Bestätigung so manchen Klischees über die Programmiererzunft zu sein. Denn verbirgt sich nicht hinter jedem Witz ein wahrer Kern?

Die Bloggerin Anna Sopova hat sich dem Thema Programmierwitze angenommen und untersucht, welche wiederkehrenden Muster diese haben können. Dabei kommt sie auf vier Hauptthemen, die bei den über 200 Witzen, die sie untersucht hat, zutreffen: Witze über die Denkweise, über die Social Skills und Ängste von Programmierern sowie Witze über Entwickler vs. Nicht-Entwickler.

Sopova betont, dass viele der Witze dadurch entstehen, dass Entwickler anders mit Menschen interagieren, als sie das mit Maschinen tun würden. Dadurch, dass sie vom Coden so eingenommen sind, hätten sie ja auch kaum Zeit für soziale Kontakte und Interaktion. Sopova geht sogar so weit zu vermuten, dass in manchen Fällen Computer gar den Platz eines Sexualpartners einnehmen würden – so, so.

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Lockern Sie schon mal die Kiefermuskeln, ein Entwicklerwitz kann zum Beispiel so aussehen:

Her diary:
Tonight I thought my husband was acting weird. We had made plans to meet at a nice restaurant for dinner. I was shopping with my friends all day long, so I thought he was upset at a fact that I was a bit late, but he made no comment on it.

Conversation wasn’t flowing, so I suggested that we go somewhere quiet so we could talk. He agreed, but he didn’t say much. I asked him what was wrong. He said, «Nothing».

I asked him if it was my fault that he was upset. He said he wasn’t upset, that it had nothing to do with me, and not to worry about it. On the way home, I told him that i loved him. He smiled slightly, and kept driving.

I can’t explain his behavior, I can’t explain why he didn’t say, «I love you too». When we got home, I felt as if I had lost him completely, as if he wanted nothing to do with me anymore. He just sat there quietly, and watched TV. He continued to seem distant and absent.

Finally, with silence around us, I decided to go to bed. About 15 minutes later, he came to bed. But I still felt that he was distracted, and his thoughts were somewhere else. He fell asleep – I cried. I don’t know what to do. I’m almost sure that his thoughts are with someone else. My life is a disaster.

His diary:
My code is broken, can’t figure out why.

Sopovas Analysen von Entwicklerwitzen haben gezeigt, dass Programmierer neben Frauen üblicherweise zwei Arten von Gegenspielern haben: die User oder die Manager/Kollegen aus der Sales- und Marketing-Abteilung. Und hier wird es spannend  und plötzlich auch ein bisschen ernst:

Anna Sopova hat beobachtet, dass die User in Witzen oft eine passive Rolle einnehmen, indem sie nichts tun oder nicht das tun, was sich der Programmierer gewünscht hätte. Daraus schließt sie, dass – wenn in den Witzen ein wahrer Kern liegt – Entwickler die User in ihrer Arbeit an einem Softwareprodukt nicht als aktiven, eigenständigen „Player“ wahrnehmen.

I wonder how software would change if the user was a more prominent figure in the programming landscape.

Witze über die Ängste und die Frustration eines Programmierers gehören zu der häufigsten Sorte. Ein Beispiel:

99 little bugs in the code
99 bugs in the code
patch one down, compile it around
117 bugs in the code

Anna Sopova kommt bei ihrer Studie auf ein interessantes Ergebnis: Allen Witzen gemein ist, dass es dabei um Unsicherheiten von Programmierern geht, um Situationen, die geprägt sind von unvorhersehbaren Ereignissen und Kontrollverlust. Dabei sind Entwickler doch darauf trainiert, rationale, logische Entscheidungen zu treffen. Die Irrationalität greift durch all die Irritationen mit sich ständig ändernden Anforderungen, Error-Meldungen hier und da oder verpassten Deadlines, auf das rationalste Ding über, das sie kennen: den Computer und die Arbeit damit.

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Das war jetzt für den einen oder anderen vielleicht eine Portion zu viel Klischee – oder? Was meinen Sie? Ist das nur Hobbypsychologie oder ist etwas Wahres dran an dieser Interpretation?

Aufmacherbild: crazy clown man crying von Shutterstock / Urheberrecht: Kues

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Geschrieben von
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
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