Entwickler vs. Programmierer – Wer kommt hoch hinaus?

Judith Lungstraß

Vor einigen Tagen berichteten wir über Anthony Ferrara und seinem Blogartikel, in dem er von den Unterschieden zwischen Entwicklern und Programmierern und den mit diesen Berufsbezeichnungen verbundenen Konnotationen erzählt. Ferrara zufolge hat der Begriff „Programmierer“ immer den Beigeschmack der reinen „Kodieräffchen“, die den ganzen Tag über nichts tun, als Quellcode in ihre Tastatur zu hacken. Entwickler hingegen kümmern sich um Lösungen, bringen eigene Ideen ein und sind kreativ.

Dieser Beitrag entfachte in der JAXenter-Community eine rege Diskussion über die passenden Berufsbezeichnungen. Kommentator Martin beispielsweise erzählt, dass er sich in manchen Fallen lieber als Programmierer, in anderen eher als Entwickler bezeichnet. JP und MK hingegen sehen keinen Unterschied zwischen den beiden Berufsfeldern, denn einen Programmierer, der auch tatsächlich nur programmiert, gebe es schon seit Jahren nicht mehr. Ein Leser namens Bertram Simon unterstützt dieses Argument und erweitert es um eine neue Nuance: Entwickeln und Programmieren seien nicht die Aufgaben verschiedener Berufe, sondern verschiedene Labels ein und derselben Tätigkeit:

Für mich beschreibt Programmierer eher den Prozess und Entwickler eher die Tätigkeit.

Doch seien wir mal ehrlich: Geht es Ferrara wirklich darum, eine klare Grenzlinie zwischen den Berufen der Programmierer und Entwickler zu ziehen? Was sind denn schon Definitionen? In Wahrheit plädiert der Blogger für ein erweitertes Selbstbild des IT-Angestellten. Dieser sollte aufhören, lediglich auszuführen, was ihm vorgesetzt wird, und anfangen, eigene Ideen zu entwickeln. Es geht nicht um die Definition des eigenen Berufes, sondern um die Qualität, mit der man diesen ausübt. Und diese werde von Anfang an auf einem höheren Level angesetzt, wenn man sich anstatt als Programmierer als Entwickler bezeichnet.

Dieses Argument unterstützt auch der IT-Blogger Patrick McKenzie. In seinem Blog stellt er das kleine Einmaleins der Branchenrealität auf, und ein Punkt darunter lautet: „Bezeichnen Sie sich niemals selbst als Programmierer“. Selbst wenn es zu Ihrem Berufsfeld gehören sollte, hin und wieder etwas zu programmieren – darum geht es nicht. Dem Unternehmen, für das Sie arbeiten (oder vielleicht auch erst arbeiten möchten) geht es vielmehr darum, welche Geschäftswerte Sie für das Unternehmen schaffen können.

Und in vielen Fällen lässt sich „Wert“ mit „Geld“ übersetzen. Bewerben Sie sich für eine Stelle, so sollten Sie aufführen, auf welche Art Sie für Ihr potentielles neues Unternehmen Einnahmen steigern oder Kosten reduzieren könnten. Berufen Sie sich auf Erfolge aus Ihrer Vergangenheit oder, wenn noch nicht vorhanden, auf in Ihrem Kopf umher schwirrende Geschäftsideen.

Und damit wären wir auch schon wieder bei dem Gegensatz zwischen Entwicklern und Programmiern angekommen. Wenn Entwickler, wie oben erarbeitet, diejenigen mit den Ideen sind, ist es für Ihre Bewerbung mehr als nur schädlich, ja sogar tödlich, wenn Sie sich als Programmierer bezeichnen. Wer braucht schon einen weiteren Code Monkey?

Übrigens: Wenn Sie die Chancen auf Ihren Traumjob noch weiter verringern möchten, bezeichnen Sie sich doch gleich als Java-Programmierer. Das bringt noch besser zum Ausdruck, wie stark eingeschränkt Ihre Qualifikationen sind.

Und bevor Sie jetzt beleidigt aufschreien: Gemeint ist damit nicht, dass Java einen besonders schlechten Ruf hätte. Vielmehr sollte man sich nicht von vorneherein zu sehr auf einen Technologie-Stack festlegen. Sie sollten signalisieren, den Überblick mitzubringen, der es erlaubt, gemäß der gegebenen Aufgabe das geeignete Mittel zu wählen. Und hier klingt die Selbstbeschreibung des Entwicklers doch irgendwie besser als das einschränkende: „Ich bin Java-Programmierer!“, oder?

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Judith Lungstraß
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