Pflanzen statt Technik?

Entwickler sind Software-Gärtner

Mirijam Lorenz

(c) Shutterstock/Matthew Cole

Entwickler arbeiten nicht wie Ingenieure. Sie bauen keine Brücken und auch keine Hochhäuser. Auch sonst haben sie nichts mit Ingenieuren gemeinsam. Viel mehr sind sie Software-Gärtner – das meint zumindest Entwickler Chris Aitchison, der in seinem Blogeintrag „You are NOT a Software Engineer!“ die Bezeichnung „Software-Engineer“ richtig stellen will.

Pflanzen statt Technik?

Warum also Software-Gärtner und nicht -Ingenieur? Pflanzen statt Technik? Für Aitchison liegen die Hauptunterschiede in der Planbarkeit und in der Vorstellung der Resultate.

Ein Entwickler, genau wie ein Gärtner, habe keinen genauen Plan im Kopf, keine Skizze oder keinen Bauplan, in dem bereits alle Details verortet sind.
Alles, was ein Software-Gärtner vor dem Start eines Projektes vorzuweisen habe, ist eine grobe Vorstellung davon, wie sich ein Projekt entwickeln sollte.

You probably have a good idea of what your garden should look like a week into the future. You might even have a rough idea of the shape you expect it to be in a year from now. But you have no idea of where each branch, leaf, stem and flower will be a year from now, and if you say you do then you’re really only guessing.

Anders als bei dem Bau eines Hochhauses oder einer Brücke können weder die Gärtner noch die Entwickler schon vorher genau sagen, wie das Ergebnis aussehen wird. Auch würden Gärten nicht schneller wachsen, nur weil man mehr Gärtner einstellt.

Entwickler & Ökosysteme

Besonders abhängig sei ein Gärtner außerdem von seiner Umwelt, der Umgebung, in der er pflanzen will. Ein Hochhaus könne man mit ähnlichen Mitteln fast überall auf der Welt bauen, bei einem Garten sieht es schon ganz anders aus.

Every garden is different because the environment it is in is different. […] That is why the lowest bidder can probably build the same bridge as the highest bidder, but your company can’t grow the calibre of gardens that Google can grow.

Man könne eben nicht die gleichen Pflanzen wie Facebook oder Flickr in jeder Umgebung pflanzen und erwarten, dass sie die gleichen Wurzeln schlagen.

Remember that time when someone in your company unsuccessfully used an Agile gardening methodology, and then went around saying that it was horse shit that doesn’t work? Well horse shit does grow gardens, it just wasn’t enough to save your garden. Your garden was probably dead before it started – a victim of the climate of your organisation. Were you trying to grow a rainforest in the desert?

Genau wie ein Software Entwickler ist auch ein Gärtner niemals mit seiner Arbeit fertig. Ein Garten will gepflegt werden, Datenbanken auch. Bugs hingegen können sowohl hier, als auch dort ein Problem darstellen.

Unlike a skyscraper, your garden will grow weeds. It will never be ‚finished‘. Just because you stop spending money on it doesn’t mean it is finished. If you stop weeding your garden the weeds will eventually smother it, and soon a re-plant will look easier than a pruning. The environment around your garden will also always be changing, and a neglected garden will become harder and harder to keep alive.

Gärtner statt Engineer

Für Chris Aitchison ist klar, der Begriff „Software-Engineer“ hat ausgedient.

The engineering metaphor has had its time in the sun, and maybe it even used to be accurate, but now it really only serves to help non-technical people have unrealistic expectations about how software gets built.

Aitchison schließt mit den Worten: „Ich bin ein Software-Gärtner“

Sind Sie auch einer?

Aufmacherbild: Illustration of an enchanting garden with a rainbow von Shutterstock / Urheberrecht: Matthew Cole

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Mirijam Lorenz
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Dieser Blog Eintrag ist 4 Jahre alt, und es ist der einzige auf seiner Seite. Auch wenn ich noch nie was davon gehört habe, den Vergleich finde ich gut. Aber ob das Ausgraben dieses Artikels dazu führen wird, das mehr darüber nachdenken???

Mario Gleichmann
Gast

Die beschriebene Metapher wurde u.a. bereits 1993 im Buch ‚Code Complete‘ (Steve McConnel) referenziert, zurückgehend auf Dave Thomas and Andrew Hunt. Eine ähnliche Metapher – Farming – wird direkt im o.g. Buch beschrieben.