Protest gegen Whiteboard-Interviews

Ein Entwickler ohne Google ist wie ein Cowboy ohne Pferd

Melanie Feldmann

© Shutterstock / ImageFlow

Entwicklern abstruse Softwareprobleme als Bewerbertest an einem Whiteboard lösen zu lassen ist als realitätsfern verschrien. Trotzdem hält sich diese Praxis vor allem bei amerikanischen Konzernen. Der Ruby-on-Rails-Erfinder David Heinemeier Hansson trat auf Twitter eine kleine Protestwelle los. Er und viele andere bekannten sich zum Nachschlagen bei Google oder Stackoverflow. Vielleicht inspiriert das den ein oder anderen Personaler zum Umdenken.

Der Horror fast jedes Entwicklers ist Softwareprobleme auf einem Stück Papier oder an einem Whiteboard lösen zu müssen. Es ist eine fast grausame Art und Weise Softwareentwickler zu testen, ohne ihnen Zugang zu ihren gängigen Werkzeugen zu geben. Ohne IDE, ohne Libraries und eben auch ohne Google und Stackoverflow. Vergleichen lässt sich solch ein Test auch damit einen Architekten einen Rechenschieber zu geben und dann zu verlangen, dass er die Statik eines Gebäudes berechnet. Dass solche Tests für die Praxis eines Softwareentwicklers vollkommen irrelevant sind, kümmert Personaler anscheinend oft nicht. Als Protest sendete David Heinemeier Hansson, der Erfinder von Ruby on Rails, einen Tweet in die Weiten des Internets, der seinen Unmut darüber ausdruck verlieh.

Damit trat er Protestwelle los. Viele Entwickler bekannten sich dazu, triviale, seltene oder eben komplizierte Softwareprobleme bei Google und Stackoverflow nachzuschlagen. Es ist kein Beweis dafür, dass man ein schlechter Entwickler ist, sondern dafür, dass man sich nun einmal nicht alles merken kann. Auch in der Java-Welt bekannten sich Entwickler zum Code-Googlen.

Auch JAXenter-Autoren und langjährige Konferenzsprecher zeigten ihre Wissenslücken:

Das Google-Suchmaschinen-Team weiß im Gegenteil zu seinen uneinsichtigen Personalern – der Konzern ist für seine abstrusen Technikfragen bei Jobinterviews bekannt –, was ihre Kollegen brauchen. Die Google-Suche ist jetzt besser darin technische Fragen zu beantworten. Zu Suchanfragen mit zwei bis drei Sonderzeichen wie == vs. === oder += erhalten Hilfesuchende jetzt die Bedeutung in den verschiedenen Programmiersprachen. Vor allem Einsteigern soll so geholfen werden. Aber auch der eine oder andere Rockstar kann – wie man sieht – auch mal einen Schubs zur richtigen Antwort gebrauchen. Die Google-Entwickler wollen weiter daran arbeiten, ihren Kollegen die Arbeit zu erleichtern:

We’ll continue to improve the experience over time for our fellow programmers and tech lovers out there because after all, we’re techies, too!

Vielleicht lernen auch irgendwann die HR-Abteilungen dazu.

Geschrieben von
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann ist seit 2015 Redakteurin beim Java Magazin und JAXenter. Sie hat Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg studiert. Ihre Themenschwerpunkte sind IoT und Industrie 4.0.
Kommentare
  1. mood2017-03-23 17:55:53

    Sie meinen wohl, ohne Suchmachine.
    Nichts gegen Google, aber Suchen tue ich weniger und weniger mit Google.

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