Entwickler in den Fängen des Marketings

Die sieben Ps

Neben den klassischen vier Ps des Marketing (Product, Price, Place und Promotion) enthält das Dienstleitungsmarketing weitere drei Ps (Personnel, Physical Evidence und Process Management). Das Personal ist eines der Bestandteile des modernen Dienstleistungsmarketings. Dies gilt vor allem für IT-Unternehmen mit dem Geschäftsmodell Projektgeschäft (Entwicklung von Individualsoftware) und IT-Systemservicegeschäft. Man arbeitet unter anderem beim Kunden vor Ort oder nimmt an Besprechung mit dem Kunden teil. Auch hier betreibt der Softwareentwickler Marketing, er repräsentiert das Unternehmen und hinterlässt beim Kunden durch seinen Auftritt, Kommunikation, Know-how und sein Äußeres einen Eindruck. Hier kann und sollte man dem Kunden die Kompetenz deutlich vermitteln. Fehler passieren immer, das weiß auch der Kunde. Aber er will sicher sein, dass er bzw. das Projekt sich in „guten Händen“ befindet. Und ohne erfahrene, motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter wäre ein solches Geschäftsmodell nicht tragend. Denn nur über solche Mitarbeiter lassen sich die Projekte erfolgreich beenden, Referenzkunden werden gewonnen, das Image steigt, Folgeaufträge werden akquiriert etc.

Gerade in der IT trägt der Mitarbeiter als Teil der Marketingmaßnahmen des Unternehmens zu dessen Erfolg bei. Selbst wenn sich der Softwareentwickler nicht mit Marketing identifizieren kann oder will, so ist er dennoch ein Teil des Marketings. Er ist ein Teil der Maßnahmen des Unternehmens, um am Markt erfolgreich zu sein: Ein IT-Haus, dessen Berater die Bedürfnisse der Kunden ignorieren bzw. nicht lösen können, wird langfristig am Markt nicht erfolgreich sein. Aus diesem Grund sind die Mitarbeiter das höchste Gut in der IT (Kasten: „Personalmanagement“).

Personalmanagement

Die Ansprüche an die Entwickler sind sehr hoch: Sie müssen sich ständig in neue Themen einarbeiten, sich ständig weiterentwickeln, die neuesten Tools, Frameworks und Methoden anwenden, soziale Kompetenz im Rahmen agiler Softwareentwicklung beweisen, engagiert und kompetent den Kunden gegenübertreten, räumlich flexibel sein und vieles Weitere mehr. Damit die Mitarbeiter dazu bereit sind, müssen vom Unternehmen, oder genauer gesagt, vom Personalmanagement, die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Es gilt, die Mitarbeiter weiterzuentwickeln, sie an das Unternehmen zu binden und neues Potenzial für das Unternehmen zu rekrutieren [10]. Denn im Dienstleistungsbereich und somit auch in der Softwareentwicklung wird der Mensch, die Human Ressource, zu einem immer wichtigeren Erfolgsfaktor, um im Wettbewerb zu bestehen: Die Qualität der Dienstleistung hängt nicht nur von den Fähigkeiten der Mitarbeiter, sondern auch von deren Motivation ab.

Fazit
  • Anders als der Titel des Artikels suggeriert, ist Marketing nichts Negatives, sondern für ein erfolgreiches wirtschaftliches Handeln unabdingbar.
  • Marketing bedeutet nicht, dass es eine zentrale Abteilung innerhalb des Unternehmens gibt, die die marketingrelevanten Aufgaben übernimmt. Marketing ist auch eine Denkhaltung in den Köpfen der Mitarbeiter. Und diese Denkhaltung muss sensibilisiert werden: Was will bzw. braucht der Kunde im Moment und in der Zukunft?
  • Marketing ist mittlerweile ein Teil der Tätigkeiten eines Softwareentwicklers geworden.
  • Marketing bedeutet, sich an den Bedürfnissen der Kunden zu orientieren und ihnen mit dem Produkt einen Nutzen zu stiften. Denn nur dann ist er bereit, dafür zu zahlen: „Kunden kaufen Produkte nicht wegen technischer Features, sondern wegen ihres Nutzens [7]“.
  • Marketing bedeutet, dass die Angebote immer wieder neu auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten werden müssen [11]. Gerade bei agilen Softwareentwicklungsmethoden wird darauf besonders eingegangen.
Sascha Schneider (E-Mail: s.schneider[at]gis-systemhaus.de) arbeitet seit 2001 an IT-Projekten für
namhafte nationale sowie internationale Großunternehmen aus der
Telekommunikations- und Energiebranche. Er ist in der Anwendungsentwicklung tätig (http://www.gis-systemhaus.de) und beschäftigt seit dem Erwerb eines MBA zusätzlich mit Marketing und speziell dem Produktmanagement.
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.