"Entwickler, die keine Multicore-Systeme nutzen, werden zurückbleiben"

JAXenter: Handelt es sich hierbei um Javas größte Herausforderung?

Martijn Verburg: Was Java auf dem Server angeht, ist es wohl eine der größten. Um Java als Sprache und Plattform auf den vorderen Rängen zu halten, auch in Hinsicht auf das Kunden-Bewusstsein, muss sich Java stärker im Bereich Mobile engagieren.

Momentan gibt es schon das Java-basierte Android, aber wir alle kennen die Konflikte, die sich darum ranken. Dabei ist die Mobilität doch das einzige fehlende Teil im Puzzle. Modularität und Jigsaw hätten hierbei helfen können. Obwohl es um die Aufschiebung des Features sehr schade ist, war es doch die richtige Entscheidung, da Jigsaw einfach noch nicht soweit war. Es ist sicherlich eine der größten Herausforderungen für Java, doch im Vergleich zu anderen läuft der ganze Prozess doch recht vernünftig ab.

Kirk Pepperdine: In diesem Bereich sind wir weit voraus, aber ein störendes Element könnte schnell kommen und das Gesamtbild verändern. Was dieses Element sein könnte, ist allerdings unklar, und momentan ist unser größtes Problem die fehlende Präsenz auf mobilen Geräten.

JAXenter: Ist das Eurer Meinung nach das größte Hindernis?

Kirk Pepperdine: Ich würde es nicht als Hindernis bezeichnen. Wenn ich in die Zukunft der IT blicke, sehe ich keine Laptops oder Desktops, sondern Server-Räume und Menschen, die mit ihren mobilen Geräten durch die Gegend laufen – oder vielleicht sogar mit etwas noch mehr Mobilem als einem mobilen Endgerät. Und dann, wenn es ans Eingemachte geht, sollte Java die offensichtlichste Wahl sein.

Ich wäre aber sogar so kühn zu sagen, dass die VM-Technologie, so wie sie heute implementiert wird und wie sie gegen die Hardware funktioniert, nicht unbedingt die beste Lösung für mobile Geräte sein muss. Ich denke, das wird noch ein Kampf – wie ändern wir die Technologie, damit sie passt? Jigsaw hätte sicherlich geholfen, aber auch das ist nur ein kleiner Teil des Puzzles. Man muss sich anschauen, wie die VM funktioniert – das hat auch Google getan, als sie Dalvik konzipiert haben und erkannten, wie man eine VM für eine mobile Plattform verbessern kann. Sie haben eine Lösung gefunden. Ob sie die beste ist, weiß ich nicht, aber sie ist sicherlich besser als die Alternativen, die es momentan gibt.

JAXenter: Denkt Ihr, dass in der Java Kern-Entwicklung genug getan wird, um auf die Cloud hinzuarbeiten? Ich weiß, das ist eine schwierige Frage.

Martijn Verburg: Es ist ein weites Feld – man denkt sicherlich darüber nach, aber ich glaube, sogar die klugen Entwickler bei Oracle und OpenJDK tappen momentan noch ein wenig im Dunklen. Ob die richtigen Entscheidungen getroffen wurden, können wir nicht sagen. Aber wer kann das wirklich? Schließlich ist bisher noch niemand in diese Bereiche vorgedrungen.

Google redet ständig über ihre Programmiersprache Go, die zumindest theoretisch für genau diese Probleme entworfen wurde, aber auch das wurde bisher noch nicht bewiesen. Man muss noch etwas Forschung betreiben, und wir hoffen, dass das OpenJDK und Oracle flexibel genug sind, um die Ideen auszuprobieren und die Community so weit wie möglich einzubinden, um diese schnell zu testen und Fehlentwicklungen schnell zu erkennen. Dann sollte man in eine Richtung gehen, die hilft, Java und die JVM besser als zuvor in die Cloud zu skalieren.

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