Business-Intelligence-Lösungen von Open-Source-Projekten

Entscheidungshilfen auch für Linux

Michael Matzer
1. Anbieter von Datenbanken und ERP-Systemen

Viele Firmenkunden beziehen ihre geschäftlichen Anwendungen aus einer Hand und wollen auch Business-Intelligence-Lösungen von ihrem ERP-Anbieter. Daher haben Oracle, SAP, Microsoft, Infor und Lawson ihre Suiten entsprechend ausgebaut.

Oracle BI

Im Januar 2007 veröffentlichte Oracle seine Business Intelligence Suite Enterprise Edition 10g Release 3 (Oracle Business Intelligence Suite EE). Sie umfasst interaktive Dashboards, Ad-hoc-Analyse, Data Mining und Warnmeldungen, Berichts- und Veröffentlichungsfunktionen, Echtzeit-Vorhersageanalytik, mobile Analytik und vieles mehr. Sie basiert auf den Analysefunktionen, die seinerzeit mit Siebel eingekauft wurden. Das eigene Reporting-Werkzeug Business Intelligence Publisher (vormals Oracle XML Publisher) ist jedoch auch enthalten. Hinzu kommen die neuen Funktionen der am 12. Juli 2007 veröffentlichten Version 11g der Oracle-Datenbank (die nicht Gegenstand dieses Beitrags sind). Da die Suite Teil von Oracle Fusion ist, verfügt sie über alle Vorteile einer serviceorientierten Architektur (SOA): Flexibilität, Standardbasiertheit, leichte Integrierbarkeit, Webfähigkeit sowie eine Steuerung mit Oracle BPEL Process Manager. Neu ist der native Zugriff auf SAP Business Information Warehouse (SAP BW). Dieses Feature ist aber im Licht der SAP-Umgehungsstrategie Larry Ellisons zu erklären: Oracle bietet SAP-Kunden gleichen Service wie SAP, aber zu – vermutlich – besseren Konditionen.

Oracle Hyperion

Im Zuge seiner SAP-Umgehungsstrategie kaufte Oracle in einer Paukenschlagaktion den Spezialisten Hyperion [3] ein, dessen CPM-Lösung bei zahlreichen Kunden seines Erzrivalen SAP eingesetzt wird. Hyperion ergänzt nach Ansicht von Experten Oracles Angebotspalette optimal, wenn es auch eine Reihe von Überschneidungen gäbe.
Das Hyperion System 9 umfasst mehrere Komponenten:

  1. BI+: Hierbei handelt es sich um eine komplette Business-Intelligence-Plattform, die Management-, Finanz- und Produktions-Reporting innerhalb einer einzigen Architektur integriert. Der Zugriff erfolgt über eine Thin-Client-Oberfläche, die BI-Funktionalität bereitstellt. BI+ umfasst auch Analysefunktionen, interaktive Dashboard-Erstellung und nahtloses Reporting aus relationalen sowie multidimensionalen Datenquellen.
  2. Applications+: Die Suite beinhaltet Finanzapplikationen, die den gesamten Management-zirkel (s.o.) abdecken, indem sie Strategien und Planvorgaben miteinander verknüpfen, die Umsetzung überwachen und optimieren sowie die Ergebnisse in Reports zusammenfassen. Applications+ kombiniert Lösungen für Planung, Modellierung, Konsolidierung und Entwicklung von maßgeschneiderten Applikationen. Dazu zählen auch Anwendungen für Scorecards und Dashboards.
  3. Foundation Services: Sowohl auf BI+ als auch auf Applications+ kann über den personalisierten Arbeitsbereich (Desktop) zugegriffen werden. Die Basis dafür stellen die Foundation Services dar. Sie bilden eine skalierbare Systemarchitektur, die geteilte Services nutzt und somit das Systemmanagement, die Integration und die Administration im gesamten Unternehmen vereinfacht. Die Architektur bietet zudem ein Stammdatenmanagement (Master Data Management), mit dem Businessanwender komplexe, sich schnell ändernde Stammdaten direkt verwalten können. Diese Technologie ist laut Hyperion ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb des CPM-Marktes.

Oracle hat nun die Aufgabe, Hyperion mit seiner eigenen BI-Suite zusammenzuführen und auf allen Linux-Plattformen bereitzustellen, die es unterstützt, nämlich Red Hat und Unbreakable Linux.

SAP

Die Walldorfer haben mittlerweile ein umfangreiches Business-Intelligence-Portfolio zusammengekauft, das direkt auf der Ablaufumgebung ihres Applikationsservers NetWeaver aufsetzt. SAP NetWeaver BI bringt BI-Infrastruktur, zahlreiche Werkzeuge und Funktionen für Planung und Simulationen sowie für Data-Warehousing zusammen. Der Endbenutzer arbeitet mit einer Portaloberfläche, analytische Abfragen führt er mit dem BI Accelerator aus. Dieses zusammen mit Intel entwickelte Tool läuft auf CPUs wie dem 64-Bit-Chip Intel Xeon und kann in kostengünstiger Blade-Server-Technologie eingesetzt werden. Somit lassen sich auch die Linux-Plattformen nutzen, die 64-Bit CPUs unterstützen, vor allem Red Hat und Novell SuSE. Der SAP-Nutzer kann im Grunde jede beliebige relationale Datenbank nutzen, doch SAP liefert von Haus aus die quelloffene Datenbank MySQL in einer „MaxDB“ genannten Version aus. Mit der aktuellen Version 5.0 von MySQL können große Unternehmenskunden auch Cluster für Hochverfügbarkeit und Lastverteilung einsetzen.

IBM

IBM ist als Verfechter offener Standards bekannt und bietet seine Datenbank DB2 sowie seine BI-Lösung DB2 Data Warehouse Enterprise Edition [4] auf Linux-Distributionen an, die für DB2 zertifiziert sind. Je nach Anspruch kann der Kunde unter sechs Editionen wählen: eine für Einsteiger, je eine für den unteren und den oberen Mittelstand, für hohe Ansprüche die Enterprise Base Edition (aus Base Edition umbenannt), die Enterprise Edition und schließlich die Developer Edition. Alle sind für SuSE Linux Enterprise Server 10 auf x86 (32 Bit), AMD64 (64 Bit) und EM64T (64 Bit) zertifiziert. Die DB2 Data Warehouse Enterprise Edition umfasst Tools für Analyse, Voraussageanalysen (Data Mining) und multidimensionales Online Analytical Processing (OLAP), aber kein Frontend- und Reporting-Tool. Hier springen Tools von Geschäftspartnern ein. Die Funktionen Datenbereitstellung, Datentransformation und Analytics-Design hat IBM ins Designstudio gepackt, das aus ehemaligen Ascential Tools besteht und eine Installationsroutine für Linux enthält.

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Michael Matzer
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