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Kolumne: Enterprise Tales

Jakarta EE: Aus Raider wird Twix! Sonst ändert sich nix?

Lars Röwekamp
Funktionale Programmierung

© SuS_Media

Am 26. Februar war es soweit. Das Kind, Java EE, bekommt einen neuen Namen und heißt seitdem Jakarta EE. Notwendig wurde dieser Schritt aufgrund Oracles Veto, die als Trademark geschützte Bezeichnung Java auch nach der Übergabe an die Eclipse Foundation des Java Enterprise Standards weiter im Namen führen zu dürfen. Aber ist Jakarta EE einfach nur ein neuer Name? Oder geht es nicht doch um deutlich mehr?

„Neuer Name, neues Glück“, wenn auch etwas plakativ, beschreibt dieser Satz doch bestens die aktuelle Situation rund um Java EE, sorry, ich meine natürlich Jakarta EE.  Nachdem es Oracle in den letzten Jahren nicht wirklich gelungen ist, den Enterprise Java Standard entschieden und vor allem im Sinne der Community voranzutreiben, wurde dieser – für viele überraschend – Ende letzten Jahres durch Oracle an die Eclipse Foundation und somit der Open Source Community übergeben. Das Projekt EE4J war geboren. Nach etlichen Diskussionen und Abstimmungen zwischen den verschiedenen Stakeholdern bzgl. des möglichen weiteren Vorgehens, wurde Ende Februar nun endlich auch ein neuer Name gefunden. Dieser Schritt war notwendig geworden, da Oracle die weitere Verwendung des Namens Java EE aus markentechnischen Gründen untersagt hatte.

Aber welche Relevanz hat eigentlich der neue Name für die Zukunft der ehemaligen Java Enterprise Edition. Eine enorme, wie ich meine. Aber gleichzeitig eigentlich auch irgendwie nicht. Um dieses Paradoxon zu verstehen, müssen wir zunächst einen kurzen Blick zurückwerfen.

Wie alles begann

Bereits kurz nach der Bekanntgabe der Öffnung von Java EE („Opening Up Java EE“, The Aquarium Blog) wurde klar, dass Oracle zwar bereit ist, neben der Spezifikation und den Sourcen, auch so wichtige Bestandteile, wie das TCK freizugeben, spätestens bei den Namensrechten aber die Großzügigkeit ein Ende finden wird. Kein Problem, mag jetzt der eine oder andere denken. Ein neuer Name ist schließlich schnell gefunden. Was aber, wenn der Name das Wörtchen Java nicht enthalten darf und ebenfalls zur Disposition steht, ob die Sourcen zukünftig überhaupt weiterhin unter javax fungieren dürfen. Ist das dann noch der Java Enterprise Standard auf den viele, viele Unternehmen und individuelle Entwickler in den vergangenen Jahren gesetzt haben? Oder wird es zukünftig einfach nur noch eines von vielen Enterprise Java Frameworks sein?

Genau diese Bedenken haben die Java EE Guardians zum Anlass genommen, um nach Rücksprache mit der Community, einen offenen Brief („Joint Community Open Letter on Java EE Naming and Packaging“) an Oracle zu senden. Extrem verkürzt drückt der offene Brief folgende Bitte aus:  Java EE ist eine starke und vertrauenswürdige Marke, daher sollte …

  • Java EE als Name unbedingt erhalten bleiben
  • javax als Packaging-Schema für bestehende und neue APIs weiter genutzt werden können

Die Antwort von Oracle fiel recht ernüchternd aus. Man ist gerne bereit, mit der EE4J Community gemeinsam an einer Branding-Strategie für einen passenden Namen zu arbeiten. Dieser Name wird aber definitiv nicht Java EE sein und auch das Markenzeichen Java nicht beinhalten dürfen (autsch!). Bestehende javax-Packages dürfen zwar weiter verwendet und auch erweitert werden (z.B. javax.servlet.*), um so die Kompatibilität zwischen zukünftigen EE4J und bestehenden Java EE Releases sicherzustellen. Neue APIs und Technologien dagegen müssen auf einem neuen Namespace aufsetzen. Soweit so gut. Oder auch eben nicht.

Das Kind braucht einen Namen

Fast 7.000 Antworten und ein klares Ergebnis | Quelle: Lars Röwekamp

Ein neuer Name muss her. Und zwar ein Name, mit dem sich die bisherige Java EE Community zu 100% identifizieren kann. Was liegt da also näher, als genau diese Community den neuen Namen bestimmen zu lassen. Gesagt getan. Mitte November wurde ein erster „Brand Name Selection“ Poll #1 eröffnet und um fleißige Mithilfe beim (Er)Finden eines neuen Namens gebeten. Die Resonanz war mit mehr als 400 Vorschlägen und Kommentaren enorm.

Während sich die meisten Vorschläge dicht an der bisherigen Namensgebung orientierten, so zum Beispiel Open EE (OEE) in Anlehnung an Open JDK, Open Enterprise Extensions (OEE), Eclipse Java Enterprise (EJE) oder EEJ (Anagramm zu JEE), gab es auch Vorschläge, wie Cappuccino oder HeroJ, die bewusst auf eine nächste, bessere Evolutionsstufe hinweisen wollten.

Leider fielen bereits nach einer ersten Durchsicht ein Großteil der Namen den Rotstift zum Opfer. Entweder entsprachen sie nicht den Oracle bzw. den Eclipse Foundation Namensregeln oder verletzten anderswertig Namensrechte. Übrig blieben am Ende zwei Kandidaten, für die es eine weitere Abstimmung, den „Brand Name Selection“ Poll #2 geben sollte. Der erste Name – Enterprise Profile – ist eher konservativ gewählt und stark an die bisherige Spezifikation inkl. des darin enthaltenen Profile-Konzeptes angelehnt. Der zweite Name dagegen – Jakarta EE – steht als klares Signal für einen Aufbruch in neue, bessere(?) Zeiten. Kein Wunder also, dass er schnell den einen oder anderen prominenten Fürsprecher gefunden hat. So u.a. auch David Blevins, der in einem Beitrag im dem Tomitribe-Blog etliche Vorteile des potentiellen Namenskandidaten aufgeführt hat.

Der Begriff Jakarta ist in der Open Source Community dank des gleichnamigen, im Dezember 2011 eingestellten Apache Projektes extrem positiv belegt. Gleichzeitig lässt sich Jakarta EE als JEE abkürzen. Ein Kürzel, das bereits heute für Java EE genutzt wird. Etwas tiefgründiger argumentiert spricht für Jakarta, dass es die größte Stadt auf der Insel Java ist und mit seinem aktuellen Wachstum und seiner Innovationskraft viele Parallelen zu der gewünschten, zukünftigen Ausrichtung des Java Enterprise Standards vorweist.

Lesen Sie auch: Enterprise Tales: MicroProfile – der alternative Standard

And the Winner is …

Jakarta EE. Und das mit einer deutlichen Mehrheit von fast 65%! So symbolträchtig dieser Name aber auch sein mag, so unwichtig ist er am Ende aus meiner Sicht für den zukünftigen Erfolg oder Misserfolg des Java Enterprise Standards. Viel wichtiger ist die Tatsache, dass Oracle Java EE geöffnet an die Eclipse Foundation übergeben hat. Und natürlich das, was wir als Java Enterprise Community in der Zukunft daraus machen. Das Projekt Jakarta EE wird sicherlich nicht an einem neuen Namen scheitern, sondern wenn, dann an mangelndem Engagement der Community. Oder wie es Mark Little im Blog von JBoss  so treffend ausdrückt:

… collectively we should expend that energy in moving the code and community forward collaboratively. EE4J will not fail because it’s not branded Java EE. EE4J will not fail because new specifications cannot be done under the javax package. EE4J will fail if we spend too much time away from driving these specifications forward and adding new specifications to adapt to changes in the developer space.

Sollte sich übrigens jemand fragen „Wer hat’s erfunden“, dem sei an dieser Stelle geholfen. Der Vorschlag für den Namen Jakarta EE kam von Kenneth J. Jaeger (@kjjaeger).

Fazit

Endlich ist der Name raus | Quelle: Lars Röwekamp

So schön es ist, dass die Java Enterprise Community mit Jakarta EE einen neuen, symbolträchtigen Namen gefunden hat, so irrelevant wird dieser Name für die Zukunft des Java Enterprise Standard am Ende sein.

Wie sagte schon Goethe so schön in Faust, der Tragödie erster Teil? „Name ist Schall und Rauch“. Oder anders formuliert: Namen sind vergänglich, viel wichtiger ist das, was dahintersteckt bzw. das, was wir daraus machen. Oracle hat uns als Java Enterprise Community die Chance gegeben, den zukünftigen Erfolg selbst in die Hand zu nehmen. Was wir am Ende daraus machen, entscheiden alleine wir – und zwar wir alle! Natürlich können wir uns das Ganze von außen anschauen und hoffen, dass die großen Player das Ruder in die Hand nehmen. Alternativ können wir aber auch die Chance nutzen und aktiv an der Zukunft des Java Enterprise Standards mitwirken. In diesem Sinne: Stay tuned and engage!

Geschrieben von
Lars Röwekamp
Lars Röwekamp
Lars Röwekamp ist Gründer des IT-Beratungs- und Entwicklungsunternehmens open knowledge GmbH, beschäftigt sich im Rahmen seiner Tätigkeit als „CIO New Technologies“ mit der eingehenden Analyse und Bewertung neuer Software- und Technologietrends. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt derzeit in den Bereichen Enterprise und Mobile Computing, wobei neben Design- und Architekturfragen insbesondere die Real-Life-Aspekte im Fokus seiner Betrachtung stehen. Lars Röwekamp, Autor mehrerer Fachartikel und -bücher, beschäftigt sich seit der Geburtsstunde von Java mit dieser Programmiersprache, wobei er einen Großteil seiner praktischen Erfahrungen im Rahmen großer internationaler Projekte sammeln konnte.
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