Interview mit Kennedy Idialu, Co-Founder von Ellcrys

Ellcrys: Eine Alternative zu GitHub auf Blockchain-Basis

Gabriela Motroc
Ellcrys

Kennedy Idialu

Auf GitHub Respositorys zu hosten, macht Communities anfällig für Störungen. Außerdem ist die Verwaltung von Rechten alles andere als einfach. Wie lassen sich also unzerstörbare Respositories kreieren? Und was hat Ellcrys mit Blockchains zu tun? Wir haben mit einem der Gründer des Protokolls, Kennedy Idialu, über diese Fragen gesprochen. Im Interview erklärt er, was Ellcrys ist und welche Vorteile es gegenüber GitHub hat.

JAXenter: Was ist Ellcrys und wofür ist es gut?

Kennedy Idialu: Ellrcys ist ein Blockchain-Protokoll, dass Menschen weltweit erlaubt, gemeinsam Software zu programmieren und sich zu organisieren. Unser Ziel ist es, eine Welt zu schaffen, in der Entwickler, Designer, Projektmanager und so weiter ein Projekt starten oder ihm beitreten können, dazu beitragen und ihren Anteil an den Einnahmen erhalten können.

Das können sie zusammen, ohne jemandem bezüglich Ressourcen wie Source Codes, Schlüsseln, Passwörtern, Verdienst oder Zugängen vertrauen zu müssen. Einigungen werden durch ein System aus Vorschlägen und Votings erreicht. Dabei kann jeder einen Vorschlag einreichen, der von Ellcrys umgesetzt wird, wenn eine Mehrheit zustimmt.

Unser Ziel ist es, Open-Source-Entwicklern den Aufbau von Firmen zu ermöglichen. Damit sind Firmen gemeint, die Probleme im echten Leben lösen und Einkünfte generieren.

JAXenter: Was ist der Vorteil eines dezentralisierten Versionskontrollsystems? Was wird durch das Voting-System erreicht?

Kennedy Idialu: Die Möglichkeit, Repositories zu erstellen, welche nicht durch eine zentrale Instanz allein verändert werden können und eine hohe Verfügbarkeit garantieren. Das sind die interessanten Vorteile. Allerdings sind das nicht direkt die populärsten Anforderungen: Unser Ziel war es zum Beispiel gar nicht, ein dezentralisiertes Versionskontrollsystem zu entwickeln. Aber ein solches dezentralisiertes Versionskontrollsystem ist die Voraussetzung für ein Protokoll, dass es Leuten erlaubt, Code beizutragen und dezentralisiertee Unternehmen um diesen herum aufzubauen.

Obwohl Ellcrys fast alle Features von GitHub haben wird, werden vor allem Communitys mit einem Interesse an Dezentralisierung und offener Leitung ein Interesse an uns haben

Früher haben wir auf GitHub APIs gesetzt, mussten damit aber aufhören, da das Hosting von Respositorys auf GitHub Communitys der Gefahr von Störungen aussetzte. Auch wenn das bei GitHub gewöhnlich nicht vorkommt, ist allein die Möglichkeit schon ein Problem. Außerdem werden die Respositorys von Ellcrys mit dem GitHub-Account von Ellcrys erstellt. Folglich könnten Communitys, die auf Ellcrys setzen, Opfer von Störungen sowohl bei GitHub als auch bei Ellcrys selbst werden. Das wollen wir nicht.

Votings sind wichtig, um festzulegen, welche Aktionen an einem Repository durchgeführt werden können. Ein Pull Request für einen bestimmten Branch könnte einen Votingprozess voraussetzen, bevor er bestätigt und auf alle Knoten des Netzwerks angewandt wird. Bevor ein ausgewählter Cloud-Housting-Provider das Deployment direkt von der Blockchain aus initiieren kann, könnte für Webentwickler beispielsweise ein Deployment Proposal anstehen, über das abgestimmt wird. Außerdem werden Votings wichtig, wenn Mitglieder sich über die Anschaffung von Services von Drittanbietern einigen wollen.

JAXenter: Wie hilft euch die Blockchain dabei, eure Ziele zu erreichen? Warum wird genau diese Technologie eingesetzt?

Kennedy Idialu: Wir könnten dasselbe Ziel ganz einfach mit einer zentralisierten Version erreichen. Aber diese Version wäre anfällig für Hacks und Zensur. Niemand will für ein Unternehmen arbeiten, welches der Community gehört und bei dem die Gefahr besteht, dass der gesamte Sourcecode verändert oder unzugänglich wird.

Eine Blockchain ermöglicht es uns, eine dezentralisierte Identität mit mehreren Eignern zu erstellen, die allseits als Interaktionspartner anerkannt wird. Bei Ellcrys ist das ein Quellcode-Repository, das tausende Contributor haben kann. Das ist der Unterschied zu GitHub, wo Tausende zu einem Repository beitragen, das nur einer Person oder Organisation gehört.

JAXenter: Was habt ihr, was GitHub nicht hat?

Kennedy Idialu: Hier sind ein paar der Features, die wir zur Verfügung stellen werden:

  • Multi-Owner-Architektur
  • Resistent gegen Zensur
  • Vorschlags- und Voting-System
  • Bezahlte Branches
  • Bezahlte Issues
  • Accounts für Einnahmen und Spenden

JAXenter: Würdest Du sagen, Ellcrys ist ein GitHub-Killer?

Kennedy Idialu: Definitiv nicht. GitHub ist eines der wichtigsten Angebote für Entwickler. Obwohl Ellcrys fast alle Features von GitHub haben wird, werden vor allem Communitys mit einem Interesse an Dezentralisierung und offener Leitung ein Interesse an uns haben. Wir sind uns besonders sicher, dass zukünftige dezentralisierte Projekte zu Ellcrys wechseln werden, um ihre Dezentralisierung hundertprozentig sicherzustellen. Neben dem Hosting von Softwareprojekten werden wir wegweisend für eine neue Generation Start-ups sein, die komplett über die Blockchain geführt werden.

JAXenter: Was springt für Open-Source-Entwickler dabei heraus?

Eine Blockchain ermöglicht es uns, eine dezentralisierte Identität mit mehreren Eignern zu erstellen

Kennedy Idialu: Wer zu einem Projekt beiträgt, wird Tokens erhalten, wenn ein Pull Request von der Community angenommen wird. Die Menge der Tokens wird dabei vom Protokoll festgelegt, das unter anderem einen „Community Approval Score“, die Reputation des Projekts und die des Contributors berücksichtigt.

Außer der Möglichkeit, unzerstörbare Respositorys zu erstellen, können Entwickler Geld verdienen, indem sie an bezahlten Branches oder bezahlten Aufgaben mitarbeiten, die von der Community oder von Outsourcing-Unternehmen ausgeschrieben werden. Außerdem werden sie gegen Gebühr Softwareprobleme lösen oder Anteile an Werten verdienen können, sobald diese generiert werden.

JAXenter: Vielen Dank!

EllcrysKennedy Idialu ist Softwareentwickler mit acht Jahren Erfahrung in der Entwicklung von Software für Privatkunden und Unternehmen in den Bereichen Reise, Finanzen, Werbung und E-Commerce. Außerdem leitete er die Entwicklung bei Save & Buy, einem Finanzunternehmen, und hat bei DerliveryScience gearbeitet, wo seine Aufgabe die Programmierung von Data-Insight-Software und -Tools war. Daneben war Kennedy einer der Gründer der Softwareberatung Crowd Effect. Sein Steckenpferd ist die Entwicklung von Finanzanwendungen und er hat ein Diplom in Advanced Software Engeneering vom Aptech Computer Education Institute.

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.