Eklat im Core-Team: Node.js bald bei Apache oder Eclipse?

Hartmut Schlosser

In der node.js Community brodelt es. Nachdem Core-Entwickler Ben Noordhuis einen Pull Request in der libuv-Komponente zurückgewiesen hatte, in dem es um die Eliminierung eines geschlechtsspezifischen Pronomens ging (das männliche ‚him‘ sollte durch ‚them‘ ersetzt werden), kochten die Wogen der Kommentatoren so hoch, dass Noordhuis schließlich das Projekt verlassen hat.

Isaac Schlueter, Projektleiter beim Node-Unternehmen Joyent, hatte den Pull Request trotz Noordhuis’ Ablehnung akzeptiert, woraufhin dieser wiederum verärgert reagierte:

@isaacs may have his commit bit but that does not mean he is at liberty to land patches at will.  All patches have to be signed off by either me or Bert.  Isaac, consider yourself chided.

Von Joyent-Mitarbeiter Bryan Cantrill war Noordhuis daraufhin ziemlich unverblümt als „Asshole“ bezeichnet worden: Wäre er ein Joyent-Angestellter, würde er sofort gefeuert werden.

Unklar ist, inwiefern politische Machtspielchen zwischen dem Node.js-Stammhaus Joyent und Noordhuis’ Unternehmen StrongLoop hier eine Rolle spielen. Zu vermuten sind diese schon, da jetzt in der Community ein Vorschlag heiß diskutiert wird, Node.js vom Sponsoring durch Joyent loszueisen und in eine anbieterneutrale Institution zu überführen. Die Optionen sind hier Apache, Eclipse oder ein eigenständiges Format (Node.js Foundation).

Haben Sie auch ein Déjà Vu?

Dass sich ein ursprünglich Unternehmens-getriebenes Projekt eine Community erarbeitet, die sich irgendwann emanzipiert und von seinem Stammunternehmen lösen möchte, scheint ein immer gängigeres Muster zu werden: OpenOffice/LibreOffice, Hudson/Jenkins und, Anfang dieses Jahres, Tim Fox mit seinem Vert.x Projekt.

Für die Java Community ist die Causa Vert.x natürlich besonders brisant, da das Framework vielen als Node.js für die JVM gilt. Tim Fox ist bekanntlich mit Vert.x nach Eclipse abgezogen – die Option „Eclipse Foundation“ als neue Heimat für Node.js kommentiert er folgendermaßen:

Having node at Eclipse would lead to interesting dynamics, as Eclipse already has Vert.x

 Allgemein erzeugt die Option Eclipse allerdings wenig Begeisterung in der Node-Community. „Was hat Eclipse schon für Node.js getan?“, fragt Isaac Schlueter. Die Node.js Community davon zu überzeugen, dass die Eclipse Foundation ein besserer Ort sei als Joyent, sei nicht trivial.

Kommentator „Ravi“:

If Node went anywhere near something like Eclipse (and the implied IDE-driven/centric development philosophy), I’d be a lot more alarmed.

Der Eclipse Foundation scheint also noch immer der Java-IDE-Stallgeruch anzuhängen, den man durch die „sprachagnostische“ Ausrichtung seit einigen Jahren zwar mindern möchte, aber natürlich angesichts der eigenen Historie nicht schnell mal ablegen kann.

Option 2: Apache Foundation. Auch damit tun sich die meisten schwer. Um markenrechtliche Fragen kümmere sich die Apache Foundation zu wenig. Außerdem gilt sie vielen als „uncool“ und in ihren Prozessen zu einengend.

Darren DeRidder:

I agree that they seem dated and uncool and that Apache might not be the right choice. To be fair, PhoneGap / Cordova went with Apache, so it’s not *all* gathering dust.

Bleibt Option 3 der Node.js Foundation: Diese würde wahrscheinlich den größten Aufwand bedeuten, sowohl organisatorisch als auch finanziell. Wenn hier Joyent nicht mitziehen und seine Ressourcen zurückhalten würde, wäre wohl auch dieses Projekt gestorben. Und angesichts des zerschlagenen Porzellans kann man sich nur schwer vorstellen, dass es gelingen könnte, alle interessierten Unternehmen und Committer für eine anbieterneutrale Node.js Foundation zu begeistern.

Doch dieser letzte Punkt gilt freilich für alle drei diskutierten Optionen. Und so steht wie immer bei diesen Fragen auch das böse F-Wort im Raum: Nein – dieses Mal ist „Fork“ gemeint. Hudson und Jenkins lassen grüßen. Werden wir also bald ein Joyent-node.js und ein StrongLoop-node.js sehen? Nun, der unwahrscheinlichste Ausgang scheint uns das nicht zu sein!

Die Kollegen vom PHP Magazin haben die Hintergründe des Streits um Node.js übrigens nochmals detailliert aufbereitet. Wir halten Sie auf dem Laufenden!

 

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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