Interview mit Adam Giemza und Marek Wester

Eine Zukunft mit Wearables: „…und vielleicht verschwinden dann Smartphones zugunsten von Smartwatches mit holografischer Telefonie“

Kypriani Sinaris

Adam Giemza und Marek Wester

Heterogene Entwicklungsumgebungen und Plattformen, runde und eckige Displays, Smartwatches und Fitnessarmbänder: Wearables sind eines der spannendsten und vielseitigsten Segmente in der Welt des IoT. Adam Giemza und Marek Wester werden auf der diesjährigen W-JAX über aktuelle Herausforderungen für Entwickler sprechen. Wir haben sie schon mal vorab gefragt, welche das sind und wie ihre Prognose für die smarten Accesssoires der Zukunft aussehen.

JAXenter: In eurer Session werdet ihr von hybriden Applikationen für Wearables sprechen. Im Mobile-Bereich kennen wir ja bereits das Problem, dass sich Entwickler mit heterogenen Umgebungen, Plattformen und Entwicklungsumgebungen herumschlagen müssen. Ist die Situation bei Wearables da anders?

Adam Giemza, Marek Wester: Das Problem besteht ebenfalls bei Wearables. Die im Moment am weitesten verbreiteten Plattformen sind Android Wear und die Apple Watch. Hier findet man genauso wie bei den entsprechenden Smartphone-Plattformen unterschiedliche Entwicklungsumgebungen, Betriebssysteme und natürlich auch Programmiersprachen. Die Entwicklung für Android-Wear-Anwendungen ähnelt dabei sehr der Entwicklung für Smartphones und nutzt Java als Programmiersprache und XML zur Beschreibung der UI. Entsprechend orientiert sich die Entwicklung von Apps für die Apple Watch an bestehenden Konzepten der iOS-Welt. Zusätzlich besteht noch eine Abhängigkeit zwischen der App auf der Watch und einer entsprechenden App auf dem Smartphone, die für die Kommunikation und den Datenaustausch zuständig ist. Damit sind auch unterschiedliche Life Cycle der Apps am Handgelenk verbunden, die noch zusätzlich die Komplexität erhöhen. Die beiden genannten Plattformen sind natürlich nicht die einzigen auf dem Markt. Neben vielen weiten Watches und Fitnessarmbändern ist die Pebble Watch eine weitere verbreitete Smartwatch, die es mittlerweile auch in verschiedenen Varianten gibt. Man kann also sagen – die Geschichte wiederholt sich.

JAXenter: Wearables bringen neue, je nach Gerät sehr unterschiedlichen Hardware-Gegebenheiten und damit verbunden auch neue Formfaktoren mit sich – runde Displays, eckige Displays, etc. Wie kommen hybride Anwendungen damit zurecht?

Adam Giemza, Marek Wester: Die Möglichkeiten auf den verschiedenen Plattformen sind sehr vielfältig. Daher bleibt im Grunde nur die Erstellung speziell angepasster Versionen für die zu unterstützenden Plattformen oder sich auf die Gemeinsamkeiten zu beschränken. Aktuell ist die einzige Gemeinsamkeit, dass zumindest alle von uns unterstützen Uhren Push-Nachrichten anzeigen können. Für tiefere Interaktion mit den Uhren führt momentan noch kein Weg an der nativen Erstellung von Apps vorbei.

JAXenter: In diesem Jahr bekamen Smartwatches durch den Launch der Apple Watch große Aufmerksamkeit. Was glaubt ihr, welche Rolle könnte die Smartwatch in Zukunft einnehmen, wodurch sie sich von anderen Geräten unterscheidet?

Adam Giemza, Marek Wester: Smartwatches haben den großen Vorteil, dass Uhren bereits kulturell etabliert sind. Daher liegt es nicht so fern, sich eine Smartwatch zu kaufen, was bei Fitnessarmbändern sicher schwieriger ist. Solange es allerdings keine Killer-Apps für Smartwatches gibt, werden sie sich nicht in so einer breiten Masse durchsetzen wie Smartphones. Dafür ist der Mehrwert bei gegebenem Preis noch zu niedrig – insbesondere bei der Apple Watch. Die aktuellen (inoffiziellen) Verkaufszahlen deuten darauf hin, dass der anfänglich starke Absatz rasch abgeflaut ist und somit der erhoffte Boom der Smartwatches weiter auf sich warten lässt.

JAXenter: Bei der Samsung Gear Smartwatch kann man ja eine SIM-Karte einlegen, sodass man die Watch theoretisch auch ohne Smartphone zum Telefonieren nutzen könnte. Werden die Smartwatches also die Telefone der Zukunft?

Adam Giemza, Marek Wester: Es ist schwer vorstellbar, dass wir in Zukunft große Massen von Menschen sehen werden, die mit ihrer Uhr sprechen – ganz nach dem Vorbild von Michael Knight 🙂 Durch das Hinzufügen eines Headsets wird diese Vision schon eher vorstellbar, insbesondere für Szenarien, in denen ein Telefon zu unhandlich ist. So kann man derzeit schon vom einer Android Watch Musik via Bluetooth zum Headset streamen – wieso dann nicht beim Joggen über die Uhr telefonieren? Allerdings ist die Nützlichkeit und Praktikabilität dann durch die kurze Akkulaufzeit fraglich. Dieses kann und wird sich sicherlich in naher Zukunft ändern und vielleicht verschwinden dann Smartphones zugunsten von Smartwatches mit holografischer Telefonie.

JAXenter: Die ersten Generationen von Smartwatches werden schon an einigen Handgelenken getragen. Konntet ihr schon erste „Kinderkrankheiten“ diagnostizieren?

Adam Giemza, Marek Wester: Der größte Nachteil der Smartwatches ist die kurze Akkulaufzeit. Mehr als zwei Tage sind nur selten drin. Viele der Features wie Google Search lassen sich natürlich auch nur dann testen, wenn das Smartphone Empfang hat. Im Funkloch ist die Uhr damit ähnlich nutzlos wie ein Smartphone.

JAXenter: Besitzt ihr selbst Wearables – womöglich auch andere als Smartwatches? Und wenn ja, welche Rolle nehmen sie in eurem Alltag ein?

Adam Giemza: Ich bin Besitzer der LG G Watch, der ersten Android Watch und damit Wear-Nutzer der ersten Stunde. Die Watch begleitet mich nahezu täglich und erspart den ständigen Blick auf das Smartphone. Beim Joggen zeigt die Uhr auf einen Blick die aktuelle Performance und erleichtert zusätzlich auch den Zugriff auf die aktuelle Playlist. Man kann natürlich auch ohne Smartwatch, aber man könnte ja schließlich auch ohne Smartphone – alles eine Frage der Gewöhnung.

Marek Wester: Ein Fitbit, welches momentan im Schrank liegt…

Dipl.-Inform. Adam Giemza arbeitet bei der DB Schenker AG und entwickelt dort Java-basierte Web-Anwendungen und mobile Anwendungen auf Basis des Android-Plattform und mit hybriden Frameworks wie Ionic. Zusätzlich ist er als Dozent tätig und unterstützt bei Vorlesungen und Übungen an der Hochschule Ruhr-West.

Marek Wester arbeitet bei der DB Schenker AG und beschäftigt sich mit der Entwicklung von Web-Portalen auf Basis von AngularJS und Java-basierten Backend Technologien.

 

Geschrieben von
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
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