Eine Sprache für SOA – BPEL kennenlernen

Torsten Winterberg

Geschäftsprozessmodelle für beide Seiten lesbar: Wie die Fachseite und die IT in Zukunft gemeinsam den Geschäftsprozess flexibel und bedarfgerecht mit BPEL anpassen können.

Software soll die Geschäftsprozesse eines Unternehmens unterstützen. Hatten wir es früher mit riesigen, monolithischen Applikationen zu tun, sehen wir aktuell eine Architektursituation, die uns im Wesentlichen zu einer logischen wie physikalischen Schichtentrennung innerhalb einer – immer noch monolithischen – Applikation gebracht hat. Das Hauptproblem an dieser Ist-Situation sind nicht Wartungsaspekte oder Übersichtlichkeit, sondern die erreichbare Geschwindigkeit bei der Anpassung der bestehenden Anwendungen an neue Anforderungen. In der heutigen Zeit ist es einfach nicht tragbar, dass die Umsetzung von neuen Geschäftsideen in eine Software Zeiträume von mehreren Monaten beansprucht. Ziel muss eine möglichst direkte Reaktionsfähigkeit auf Änderungswünsche jeglicher Art sein: egal ob es um neue Marktanforderungen, geänderte Gesetze, Angebotsaktionen, spezielle Werbeaktionen oder einfach um technische Änderungen geht.

Hier setzt die Vision des „Adaptive Enterprise Computing“ (Abbildung 1) an: In einer idealen Welt existieren innerhalb des Unternehmens nicht nur modellierte Geschäftsprozesse, sondern die Geschäftsprozesse sind direkt ausführbar und ablauffähig. Zudem gibt es zahlreiche Regelkreise, die ein permanentes Controlling und damit eine Optimierung der laufenden Geschäftsprozesse erlauben.

Abb. 1: Adaptive Enterprise Computing

Abb. 1: Adaptive Enterprise Computing

Von der vollständigen Umsetzung dieser Vision sind wir selbstverständlich noch weit entfernt. Allerdings bietet uns das neue Paradigma der serviceorientierten Architektur (SOA) zusammen mit den aktuellen, technologischen Fortschritten aus dem Umfeld der (Web) Services mittlerweile eine sehr gute Unterstützung auf dem Weg zum flexiblen Echtzeitunternehmen. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, nicht mehr in kompletten Applikationen zu denken, sondern die Philosophie des Serviceeinsatzes an sich heran zu lassen, ist es auch bis zur Umsetzung von ablauffähigen Prozessen nicht mehr weit.

Ein wichtiger Bestandteil in diesem Szenario ist die sich zusehends schneller durchsetzende Business Process Execution Language (BPEL). Im Folgenden wird beleuchten, was sich hinter BPEL verbirgt, für welche Einsatzszenarien die Sprache optimal geeignet ist, welche Auswirkungen sie auf die Softwarearchitektur und auf die Arbeitsweise der Entwickler hat und warum der Einsatz dieser Technologie im Rahmen einer SOA vielversprechend erscheint.

Einsatzszenarien für BPEL

Wo ist der Einsatz von BPEL sinnvoll? Generell ist BPEL immer dann einen Blick wert, wenn es um die Umsetzung von lang laufenden Prozessen geht, die auch Workflow-Charakter haben können oder wenn schnelle Anpassungen vorteilhaft sind. Zunächst ist das Umfeld der Banken und Versicherungen zu nennen, die jeweils sehr ähnliche Prozesse schnell in IT umsetzen müssen. In diesen Branchen lebt man von gut und schnell funktionierenden IT-Lösungen, sie stellen quasi die Produkte dar (zum Beispiel EasyCredit oder Baufinanzierungslösungen). Damit ergibt sich für BPEL das Bild der Produktionsstraße, in dem der BPEL-Prozess das Fließband darstellt und die orchestrierten Services die Roboter abbilden. Hier können die Vorteile der flexibel änderbaren Prozessstrukturen voll ausgespielt werden. Ähnliches gilt sicherlich auch für den Bereich der Telekommunikationsunternehmen, die Energiewirtschaft, die Logistikbranche oder die Automobilindustrie.

Typische, sehr einfache Einstiegsprozesse finden sich im Bereich der Urlaubsanträge, der Mitarbeitereinstellung und -entlassung. Aber auch die Umfelder von Materialbereitstellung und Bestellabwicklung werden häufig zuerst angegangen. Optimal geeignet sind immer solche Prozesse, die für das erste Projekt nicht übermäßig viel Komplexität mitbringen, sondern im Gegenteil einen schnellen Erfolg versprechen.

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Torsten Winterberg
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