Der "New School Web Development Day" auf der JAX 2013

Eine neue Schule der Webentwicklung

Hartmut Schlosser

Wie baut man heute moderne Webanwendungen? Nun, einiges ist hier in der letzten Zeit in Bewegung geraten: Der Browser fungiert nicht mehr als reines Schaufenster der Server-Logik sondern übernimmt zunehmend selbst das Ruder. JavaScript wird immer mehr zur Lingua Franca der Webentwicklung. Auch reines Http erreicht seine Grenzen; neue Protokolle wie WebSocket, AMQP und SPDY fordern ein Umdenken, das auch die traditionellen Java-Architekturen in Frage stellt. Die zunehmende Verbreitung von mobilen Clients verändert zudem die Wahrnehmung und Relevanz von Webanwendungen. Ob es uns gefällt oder nicht – Java-Entwickler sind gefragt, angesichts dieser Trends ihre Komfort-Zone zu verlassen und sich die neuen Konzepte anzueignen. Auf der JAX 2013 bot der „New School Web Development Day“ Gelegenheit, sich in einige der neuen Technologien zu vertiefen.

Beispielsweise gab uns Moderator Matthias Weßendorf (Red Hat) ein Update zum WebSocket-Standard. Das TCP basierte Protokoll stammt aus dem HTML5-Kontext und erlaubt die bidirektionale Kommunikation zwischen Server und Client. Ein Vorteil von WebSockets liegt in der Möglichkeit, neue TCP-Verbindungen für Http Messages ohne große Latenzzeiten aufzubauen. „Hätten wir beim Fernsehen zwischen Ton und Bild 300 Millisekunden Verzögerung, würden wir nicht mehr fernsehen wollen. Weshalb sollten wir das bei Webanwendungen mit Echtzeitkommunikationen akzeptieren?“, war eines der Argumente Weßendorfs für WebSockets. WebSockets sind nicht für jede Art von Webanwendung interessant, sagt Weßendorf. Doch überall dort, wo Informationen in Realtime übertragen werden, kann der WebSocket-Standard seine Stärken ausspielen – etwa bei einem Chat oder einem Börsenticker, der die aktuellen Kurse übermittelt.

Dass die Java-Welt an dieser Stelle nicht außen vor ist, zeigt die Integration eines WebSocket API in das kommende Java EE 7. Hier werden auch programmatische Endpunkte enthalten sein, über die man alternative Technologien wie (J)Ruby einbinden kann. Jetzt schon bietet beispielsweise der Glassfish-Server ein WebSocket SDK. Aber auch ohne den EE-Standard ist WebSocket-Support gegeben. Auf Sprachebene stehen quasi für alle JVM-Programmiersprachen WebSocket-Bibliotheken zur Verfügung. Frameworks wie Play bieten zudem privilegierten Zugang – im Falle Plays über den WebSocket-basierten Netty-Server. Auch das Jetty-Projekt aus dem Hause Webtide bzw. Intalio kämpft an vorderster Front mit, neben WebSockets werden dort ähnlich innovative Konzepte wie CometD und das SPDY-Protokoll unterstützt.

Apropos SPDY: Einen zusätzlichen Schub würde die Websocket-Technologie sicherlich durch die Integration in den Http-2.0-Standard erhalten. Laut Weßendorf konkurrieren hier derzeit zwei unterschiedliche Ansätze miteinander – einmal eine von Microsoft eingebrachte Variante, die WebSocket nah ist, außerdem eine mehr auf Googles SPDY-Protokoll zugeschnittene Version. Welche davon nun das Rennen machen wird, wird man sehen, lautete Weßendorfs Fazit.

Matthias Weßendorf kümmert sich bei RedHat um AeroGear, eine noch junge Library für Cross-Platform Mobile Dvelopment. Wir sprache mit ihm über AeroGear und seine Moderation des New School Web Days, auf dem er einen Talk über das spannende Thema WebSockets hielt.

Neben WebSockets werden im Rahmen des „New School Web Development Day“ weitere vielversprechende Technologien behandelt: Tobias Bosch (OPITZ CONSULTING) gab in seinem Vortrag „JavaScript-MVC-Frameworks“ eine Übersicht über die wichtigsten JavaScript-Frameworks und deren unterschiedlichen Interpretationen des MVC-Patterns. Mit im Programm außerdem Norman Maurer (Red Hat) mit „Netty 4 – Get ready to simplify your Network Application“, Martin Grotzke (inoio GmbH) mit „Play 2 – Ein flexibles Full-Stack-Framework für skalierbare Webanwendungen“ und Uwe Friedrichsen (codecentric AG) mit „OAuth 2.0 – Ein Standard wird erwachsen.“

Und welche Technologien würden Sie in eine „New School der Webentwicklung“ mit aufnehmen wollen?

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
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