Interview mit Frank Düsterbeck über soziale Herausforderungen in Scrum-Teams

„Ein Team profitiert extrem davon, wenn es divers aufgestellt ist“

Melanie Feldmann

Frank Düsterbeck

Bei Scrum kommt es auf die Menschen und die Kommunikation untereinander an. Frank Düsterbeck (HEC) spricht in seinem Talk auf der JAX 2016 über die sozialen Herausforderungen in und um ein Scrum-Team. JAXenter verriet er, wie verschiedene Persönlichkeiten zu einem Team zusammenfinden.

JAXenter: Was sind die wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass aus einer Gruppe Menschen ein erfolgreiches Scrum-Team wird?

Frank Düsterbeck: Die Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit im Team ist Vertrauen. Gegenseitiges Vertrauen bedeutet Schwächen und Fehler offen zugeben zu können, jeden aus dem Team um Hilfe bitten zu können, Zutrauen zu den Fähigkeiten der anderen zu haben. Es bedeutet aber auch sich zu trauen, die Meinung respektvoll zu äußern und auch mal anderen Teammitgliedern zu widersprechen. Das Motto sollte immer sein: Wir sprechen miteinander nicht übereinander. Ist dies erfüllt, werden Meetings lebhaft und interessant. Kritische Themen können angesprochen werden, ohne Angst dabei zu haben. Erreicht wird das durch verschiedene Teambuilding-Maßnahmen. Basis ist ein starker Scrum Master.

JAXenter: Wie lockt man Menschen in einen Scrum-Team aus der Komfortzone?

Frank Düsterbeck: Ein Team profitiert extrem davon, wenn es divers aufgestellt. Das bedeutet zum Beispiel, dass sich ein Team nicht nur aus extrovertierten Menschen zusammensetzt, sondern eben aus verschiedenen Typen. Und genau das ist wichtig: Diese Typen sorgen für unterschiedliche Perspektiven und Sichten. So können Problemstellungen auf vielfältige Weisen betrachten werden. Dies erfordert allerdings, dass Teammitglieder, die eher zurückhaltend sind, über verschiedene Methodiken die Möglichkeit bekommen, ihre Meinung zu äußern. Hier sind das gegenseitige Vertrauen und der Schutzraum wieder essenziell für eine offene Kommunikationskultur.

Weiterhin gilt: Indem man Vertrauen in und Zutrauen zu Menschen hat und ihnen Verantwortung überträgt, werden diese automatisch aus ihrer Komfortzone heraus gehen (müssen).

JAXenter: Auf der anderen Seite, gibt es auch immer besonders Begeisterte, die zu schnell vorpreschen. Wie schafft man es diese zu bremsen ohne sie zu demotivieren?

Frank Düsterbeck: Dies ist ein nicht zu unterschätzendes Problem. Menschen können sehr schnell durch unbedachte Äußerungen demotiviert werden. Hier können oft kleineste Nuancen in der Kommunikation zu schwierig zu lösenden Problemen führen. Es gilt also auch in diesem Fall, dass der Scrum Master entsprechend gut in der Moderation, im Coaching und in der Konfliktlösung ausgebildet ist und genau weiß, wie er Menschen zurücknimmt ohne zu demotivieren oder fördert ohne Druck auszuüben. Hierbei hilft auch das regelmäßige „Inspect and Adapt“. Denn dieses trägt dazu bei, dass das Team sich durchaus selbst regulieren kann und die Begeisterten in gewisse Schranken zurückweist.

JAXenter: Wie sehr ist Scrum mittlerweile in den Unternehmen angekommen?

Frank Düsterbeck: Unsere Kunden, sowohl die, die wir beraten, als auch die, für die wir Software entwickeln, decken eine sehr breite Palette aller Branchen und Institutionen ab. Wir finden hier vom Early Adopter bis hin zum Never Adopter alles was die klassische und agile Landschaft hergibt. Dies gilt sowohl für die Organisationsebene als auch für die einzelnen Menschen direkt. Mit anderen Worten: die Frage lässt sich generell nicht einfach beantworten. Eins kann ich jedoch sagen: Meiner Meinung nach ist die Akzeptanz für Scrum heute nach über 20 Jahren seit es Scrum gibt immer noch viel zu gering. Interessanterweise wird das Thema Agilität und Scrum durch die Digitalisierung auf einer anderen Ebene immer stärker in den Fokus der Unternehmen und öffentlichen Auftraggeber gerückt, sodass ich sehr zuversichtlich bin, das wir immer schneller komplexen Herausforderungen mit den Methoden begegnen, die dafür erdacht wurden.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

FrankDuesterbeckFrank Düsterbeck ist bei der HEC GmbH tätig. Kern seiner Arbeit sind die Qualifizierung und Beratung von Menschen in den Bereichen Projekt-, Test- und Anforderungsmanagement mit dem Fokus auf den Einsatz agiler IT-Verfahren und -Methoden. Frank ist Trainer der HEC Software-Akademie sowie Sprecher auf unterschiedlichen Konferenzen und Veranstaltungen. Weiterhin doziert er an Hochschulen im Bremer Umland.
Geschrieben von
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann
Melanie Feldmann ist seit 2015 Redakteurin beim Java Magazin und JAXenter. Sie hat Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg studiert. Ihre Themenschwerpunkte sind IoT und Industrie 4.0.
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