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Konferenzbericht

Ein Java, nicht viele – JavaOne in San Francisco eröffnet

Sebastian Meyen

Es ist September und wieder JavaOne-Saison. JavaOne-Konferenzen finden mittlerweile das ganze Jahr über den gesamten Globus verteilt statt, weswegen man glauben möchte, dass San Francisco nur eine in der Reihe von vielen Konferenzen ist. Und doch ist diese JavaOne besonders – und die Java-Community wünscht sich nichts sehnlicher als diese Besonderheit zu erhalten!

Seit der Übernahme durch Oracle im Schatten der Open-World-Konferenz stehend (die in diesem Jahr laut offiziellen Angaben nicht weniger als 60.000 Teilnehmer verzeichnet), findet die JavaOne verteilt in mehreren Hotels in Downtown San Francisco statt – während das Oracle-Event das ganzen Moscone Center und darüber hinaus etliche angrenzende Hotels in Beschlag nimmt.

Das nagte lange an der Java-Seele, fühlte man sich doch von Oracle aus dem Stammhaus Moscone, in dem seit Mitte der 90er Jahre die ersten Erfolge Javas zelebriert wurden, vertrieben.

Jetzt ist man „nach Hause“ zurückgekehrt – zumindest was die Keynotes betrifft. Das wurde dann auch von den Oracle-Offiziellen sowie von vielen Teilnehmern via Twitter deutlich hervor gehoben. Die Java-Welt ist wieder in Ordnung. Die JavaOne war schon immer ein Ort der Symbolik.

So bewiesen die Oracle-Offiziellen gestern Abend in der Eröffnungs-Keynote, dass sie den richtigen Tonfall treffen und organisierten eine Veranstaltung, die glaubwürdig und durchaus kurzweilig vor allem Technik zum Inhalt hatte.

Peter Utzschneider (VP Java Product Management) und Nandini Ramani (VP of Engineering) präsentierten eine Vision, in der Java beim „Internet of Things“ eine tragende Rolle spielt und gewissermaßen zu seinen Wurzeln zurückkehrt, denn schließlich wurde Java ja einmal für den eingebetteten Einsatz erschaffen. Allein der Blick in die Liste der Sponsoren unterstreicht dieses Ansinnen – Freescale, Qualcomm und ARM sprechen eindeutig für den Faktor „Embedded“.

„Wir glauben, dass es wichtig ist, die Java-Plattform zu vereinheitlichen, und zwar nicht nur aus einer API-Perspektive, sondern auch aus Sicht der Sprache“, meinte Ramani und verwies darauf, dass mit Java 8 ein bedeutender Schritt in diese Richtung unternommen werde. Langfristiges Ziel sei es, ein einheitliches Java zu schaffen für Embedded, Mobile, Desktop, Enterprise usw. und mit den Inkompatibilitäten zwischen CLDC, ME und SE Schluss zu machen.

Abb. 1: Fragmentierung der Java APIs heute

 Brian Goetz, Architekt der Java Language, erläuterte einige Neuerungen, die mit Java 8 eingeführt werden, insbesondere die Lambda-Funktionaliät. Es sei das Ziel, den überflüssigen Code zu entfernen und Java-Syntax wieder lesbarer zu machen. „Fork/Join war ein nettes Proof of Concept“, meinte Goetz, jetzt sollte die Sprache aber einfacher werden. Durch den Einsatz von Lambdas lassen sich ganz erheblich Code-Zeilen einsparen, mehr Performance erzielen, eine bessere Abstraktion und bessere Parallelisierung erreichen. „Das fühlt sich tatsächlich wie Java an“, sagte Mark Reinhold als Chief Architect der Java-Plattform.

Wie faszinierend der Einsatz von Lambdas tatsächlich sein kann, können Interessierte noch bei zwei Terminen der Java Magazin Lambda Tour am 30.09. in München und am 11.10. in Hamburg erleben. Und als krönenden Abschluss natürlich auf dem Java Code Day der W-JAX 2013 in München.

Brian Goetz

Zum Abschluss der JavaOne-Keynote wurde eine technische Demo geboten, bei der eine serverseitige (und selbstredend mit aktuellen Java-EE-7-Mitteln gebaute) Schach-Engine mehrere Clients bedient: einmal einen HTML-Client, der mittels Websockets eine direkte Interaktion ermöglicht und auf verschiedenen mobilen Devices läuft, einmal einen 3D-gerenderten und JavaFX-basierten Client, in dem die Schachfiguren als hüpfende Dukes nervös über’s Feld wuseln.

Ein Highlight dabei war der für 300 US-Dollar selber zusammen gesteckt und gelötete Tablet-Computer, der auf einem Rasperry Pi und einigen weiteren günstigen Bauteilen basiert und auf JavaFX läuft („DukePad“ – detaillierte Informationen sowie eine Einkaufsliste findet man auf dem OpenJDK-Wiki). Ein weiteres Highlight stellte dann noch ein anderer Client dar: ein Roboter, der physische Figuren auf einem Schachbrett gemäß des Spielverlaufs positioniert – gesteuert über den gleichen Service wie die übrigen Schach-Clients.

DukePad

Sehr viel mehr Technik wird es an den folgenden Tagen in den mehreren hundert Sessions geben. Darüber hinaus findet im Umfeld der Konferenz eine Fülle unabhängiger Events sowie Partys und Treffen statt, weswegen die Konferenz in ihrer Gesamtheit noch immer als guter Platz für Networking und Kontakte in der Java-Welt funktioniert.

Geschrieben von
Sebastian Meyen
Sebastian Meyen
Sebastian Meyen ist Chefredakteur des Java Magazins sowie des Eclipse Magazins. Außerdem trägt er die Verantwortung für Programm und Konzept sämtlicher JAX-Konferenzen weltweit. Er begleitet so die Java-Community journalistisch schon fast seit ihren Anfängen. Bevor er zur Software & Support Media GmbH kam, studierte er Philosophie in Frankfurt.
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