Adieu, JCP & Java EE

Die Zukunft von Java EE: EE.Next Working Group gegründet

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / CoraMax

Die EE.Next Working Group wurde gegründet. Bestehend aus verschiedensten Mitglieder-Gruppen und Komitees soll in dieser unter anderem ein neuer, offenerer JCP entwickelt und die Zukunft von Java EE definiert werden. Aber auch die Verbreitung des neuen Standards und ein unabhängiges Marketing für den Java-EE-Nachfolger werden zu den vielen Aufgaben der Working Group gehören.

Bereits auf der EclipseCon Europe 2017 in Ludwigsburg hatte Mike Milinkovich, Executive Director der Eclipse Foundation, angekündigt, dass der Java Community Process für Java EE in Zukunft keine Rolle mehr spielen wird. Stattdessen wolle man einen „more nimble EE4J Specification Process“ entwickeln. Diesem Ziel ist man mit der Gründung der EE.Next Working Group nun einen Schritt näher gekommen.

Der Name EE.Next ist, das sei in aller Ausdrücklichkeit gesagt, genauso wenig wie EE4J der noch zu bestimmende neue Name von Java EE, sondern dient lediglich als Platzhalter. Die Working Group wird allerdings tatsächlich den JCP für Java EE bzw. EE4J durch ein neues Modell ersetzen. In diesem Gremium, dem auch Einzelpersonen beitreten können, sofern sie Committer eines EE4J-Projektes sind, wird auch der neue Spezifikationsprozess erschaffen und verwaltet werden. Zudem wird die EE.Next Working Group Specs prüfen und genehmigen.

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Zu den Aufgaben der Working Group gehört (neben oben genannter Definition des neuen JCPs und dessen Verwaltung) zum Beispiel auch das Promoten der Marke EE.Next bzw. EE4J und ein unabhängiges Marketing für das EE.Next-Ökosystem. Auch die technische und unternehmerische Strategie für das Top-Level-Projekt EE4J und dessen Subprojekte wird von der Working Group bestimmt. Ein wichtiger Aspekt ist auch die Etablierung und das Vorantreiben eines Spendenmodells, das in Zukunft eine stabile und nachhaltige Basis für die Arbeit der Community und der Working Group selbst schaffen soll.

Bevor es aber ans Eingemachte geht, steht für die Community nun erst einmal die Review der Charta für die EE.Next Working Group auf der To-do-Liste. In der Charta wird noch einmal genauer definiert, wozu die Arbeitsgemeinschaft schließlich verantwortlich zeichnen wird. Während die Projekte der Eclipse Foundation die technischen Implementierungen von API-Spezifikationen und die Technology Compatibility Kits (TCK) zur Verfügung stellen werden, ist die Working Group für eine Reihe anderer Aufgaben vorgesehen.

JCP vs. EE.Next Working Group

Viele werden sich jetzt fragen, worin sich der JCP nun im Detail vom Modell der Working Group eigentlich unterscheiden wird. Für diese und weitere Fragen hat Mike Milinkovich in seinem Blog-Post eine FAQ erstellt.

Der JCP wird sich vom neuen Prozess in drei Punkten maßgeblich unterscheiden. Der für die Community vermutlich wichtigste Punkt dürfte die Neutralität des Nachfolgeprozesses sein. Während der JCP von Sun und später von Oracle geleitet wurde, soll der neue Prozess niemanden in irgendeiner Weise bevorzugen oder mit Sonderrechten ausstatten.

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Auch die Eigentumsrechte spielen bei der Schaffung des neuen Community-Prozesses eine wichtige Rolle. Für Java EE gingen sämtliche Rechte an den Spec Lead, das war gewöhnlich Oracle. Die Rechte von EE.Next bzw. EE4J werden in keinem Fall bei einer gewinnorientierten Partei liegen, verspricht Milinkovich.

Zu guter Letzt sieht die Eclipse Foundation in der aktuellen Situation die Gelegenheit, einen agileren Ansatz zu finden, der besser ins 21. Jahrhundert und zu den sich rapide entwickelnden Java-basierten Technologien passt. Bei der Definition des Prozesses werden schließlich die Erfahrungen, die während der Nutzung des JCPs über die letzten 15 Jahre gesammelt wurden, mit den Best Practices aus der Open-Source-Welt verschmolzen.

Mitglieder und Komitees

Die Mitgliedschaft in der EE.Next Working Group ist in vier Gruppen unterteilt. So gibt es Strategic Members, Influencer Members, Participant Members und Committer Members.

  • Die Strategic Members sind Organisationen, die die Enterprise-Java-Technologie als strategisch wichtig für ihre Organisationen definieren und daher auch bereit sind, große Investitionen für die Working Group zur Verfügung zu stellen. Voraussetzung, um Strategic Member der EE.Next Working Group zu werden, ist der Status als Strategic Member der Eclipse Foundation selbst. Außerdem müssen wenigstens vier Entwickler aus dem Unternehmen an EE4J-Projekten beteiligt sein.
  • Die Gruppe der Influencer Members setzt sich ebenfalls aus Organisationen zusammen, die in diesem Fall die Enterprise-Java-Technologie als einen inkrementell wichtigen Teil ihrer Unternehmensoperationen ansehen. Influencer Members müssen Enterprise oder Strategic Members der Eclipse Foundation sein.
  • Participant Members sind typischerweise ebenfalls Organisationen, die verschiedene, auf der Enterprise-Java-Technologie basierende Produkte oder Services anbieten. Diese Organisationen müssen, um der EE.Next Working Group beitreten zu können, Solutions, Enterprise oder Strategic Members der Eclipse Foundation sein.
  • Einzelpersonen sind als Committer Member organisiert. Um diesen Status zu erreichen, müssen sie als Eclipse Committer akzeptiert worden sein und den Anforderungen des EE.Next Participation Agreements entsprechen, das allerdings ebenfalls noch näher zu definieren ist.
Strategic Member Influencer Member Participant Member Committer Member
Member of the Steering Committee Appointed Elected Elected Elected
Member of the Specification Committee Appointed Elected Elected Elected
Member of the Marketing Committee Appointed Elected Elected Elected
Member of the Enterprise Requirements Committee Appointed Appointed N/A N/A

Innerhalb der EE.Next Working Group werden vier Komitees entstehen. Wie diese sich aus den Mitgliedern bzw. den Mitglieder-Gruppen zusammensetzen, zeigt die obige Tabelle. Deren Rechte und Pflichten sind in der Charta genau definiert.

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Weitere Informationen zur EE.Next Working Group gibt es, auf dem Blog von Mike Milinkovich. Detaillierte Informationen dazu, wie man Mitglied der Working Group wird und welche Voraussetzungen dafür existieren sowie weiterführende Einblicke, wie die Wahlen der Committees organisiert werden, gibt es ebenfalls in der (vorgeschlagenen) Working Group Charta. Wer sich an der Diskussion zur Charta und der EE.Next Working Group beteiligen möchte, der sollte sich dringend auf der Mailing-Liste eintragen.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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