Zum zweiten Mal traf sich die Community in Toulouse

EclipseCon France 2014

Philip Wenig
© Anne Jacko/Eclipse Foundation

Vom 17. bis 19. Juni 2014 fand die zweite EclipseCon Frankreich statt. Auf dem Programm standen, wie zu erwarten, viele interessante Vorträge. Und wie auch schon letztes Jahr ist Toulouse nicht nur der Konferenz wegen eine Reise wert. Da könnte man fast meinen, die Konferenz lasse sich mit den berühmten Worten „The same procedure as every year“ zusammenfassen. Weit gefehlt. Der Organisator Gaël Blondelle hat es mit seinem Team geschafft, den klassischen Vortragsteil um einen interessanten Punkt zu erweitern: Die so genannte „Unconference“ bot den verschiedenen Arbeitsgruppen (Industry Working Groups) der Eclipse Foundation Gelegenheit zum intensiven Austausch. 

Inoffiziell ging es bereits am Montagabend mit einem Treffen der LocationTech-Arbeitsgruppe los. Dort wurden in kleinem Kreis verschiedene Projekte vorgestellt, von einer Optimierung des Transportwesens anhand von Geodaten über flexible Mapping-Tools – es muss halt nicht immer Google sein – bis hin zu einer an Git angelehnten Verwaltung geographischer Daten. Das Treffen der LocationTech-Arbeitsgruppe war somit auch schon eine gute Einstimmung auf das, was in den nächsten Tagen folgen sollte.

Am 17. Juni fand die Unconference statt, ausgerichtet in den Räumen der École Nationale Superieure d’Electrotechnique, d’Electronique, d’Informatique, d’Hydraulique et des Télécommunications, kurz: ENSEEIHT. Neben einer Postersession hatten die Arbeitsgruppen der Eclipse Foundation den ganzen Tag lang Zeit, sich auszutauschen. In diesem Zusammenhang war dann auch schon der Newcomer der Arbeitsgruppen, die Science Working Group, in guter Stärke vertreten. Nach einem arbeitsreichen und interessanten Tag ging es dann abends zum Unconference-Dinner. Wie schon zu erwarten, übertrafen sich die Köche des kleinen Restaurants in Innenstadtnähe selbst. Abgerundet wurde das Mahl durch eine hervorragende Auswahl an Weinen und einen Nachtisch, der es in sich hatte.

Weiter ging es dann am nächsten Morgen mit dem offiziellen Start der EclipseCon France. Bis zum Mittagessen fanden verschiedene Workshops statt. Eine weitere Neuerung hatte sich das Team um Gaël Blondelle einfallen lassen, die so genannten Speaker Pitches. In 20 Sekunden musste jeder Sprecher des Tages versuchen, das Publikum von seinem anstehenden Vortrag zu überzeugen – in der Kürze liegt bekanntlich die Würze.

Eclipse auf dem Acker

Ganz im Zeichen des IoT (Internet of Things) folgte dann nach dem Mittagessen die Keynote von Gaëtan Séverac, dem Mitgründer von NaIO Technologies. Bei einem Spargelfest kam er auf die Idee, einen Ernteroboter zu bauen. Das klappte nicht, also fing er mit Freunden an, einen kleinen Unkrautvernichtungsrobober zu entwickeln. Der geht dem Unkraut nur durch mechanische Bearbeitung des Bodens an den Kragen und kommt so ohne jegliche Chemie aus. Bei der Entwicklung lag der Fokus natürlich auf der autonomen Verarbeitung der Umgebungsdaten, ganz im Sinne des IoT. Und das muss präzise funktionieren. Wenn der Roboter angefangen hätte, nach Lust und Laune auch die Blumenbeete umzupflügen, wäre es mit dem erfolgreichen Marketing sicher etwas schwierig geworden. Nun, bislang ist noch kein Fall umgepflügter Nutzpflanzen bekannt geworden. Interessant ist aber, dass Eclipse-Technologie nun auch auf dem Acker zu Einsatz kommt. Wer hätte das vor etlichen Jahren gedacht?

Gaëtan Séverac: vom Ernte- zum Unkrautvernichtungsroboter

Session-Highlights: Oomph und Docker

Am Nachmittag folgten dann viele weitere interessante Vorträge, von denen ich besonders zwei hervorheben möchte. Zum einen den Vortrag zu „Oomph: Automatically Provision a Project-specific IDE“ von Eike Stepper und Ed Merks und „Web Applications with Eclipse RT and Docker in the Cloud“ von Markus Knauer. Zu Ersterem: Oomph hat im deutschen ja doch eher eine negative Bedeutung, nach dem Motto: „Auch das noch!“ Einige Leser erinnern sich sicherlich noch an die großartige Astra-Werbung mit den zwei eingegipsten Armen und dem umgefallenen Bierglas. Im Englischen heißt es aber soviel wie: „Wums“ in die Sache bringen. Und das hat der Vortrag von Eike und Ed tatsächlich getan. Bei Oomph geht es darum, das Bereitstellen der Arbeitsumgebung samt Einstellungen und Quellcode soweit zu automatisieren, dass keine langen Tutorials und Handbücher mehr benötigt werden. Wir warten also gespannt auf das erste Release durch die Eclipse Foundation.

Eike Stepper präsentierte sein neues Installer-Tool

Der Automatisierung schloss sich der Vortrag von Markus Knauer an. Docker ist ja schon in aller Munde, und dass man sich bei Live-Demos meistens die Hände verbrennt, ist auch ein alter Hut. Aber dass die Demonstration auf Anhieb funktioniert hat und dass es so einfach ist, einen Docker-Container samt kompletter Eclipse-Runtime-Anwendungen (Eclipse Virgo und RAP) anzulegen, hat mich fasziniert.

Eclipse und Espruino

Es folgte ein weitere Konferenztag mit der Keynote von Manfred Broy mit einem Ausblick, wie sich vernetzte, cyber-physische Systeme in den nächsten Jahren entwickeln könnten. Manfred Broy, seines Zeichens Informatik-Professor an der TU München, weiß, wovon er spricht. Schließlich  sah er bereits Anfang der Neunziger kommen, dass die IT im Automobilbereich immer mehr an Einfluss gewinnen würde – zu einer Zeit, als Trabbis noch munter durch die Straßen knatterten und der Golf III ein Gefühl der Glückseligkeit auslöste.

Einer der letzten Vorträge war die Session „JavaScript for Things with Espruino“ von Tracy Miranda. Darin wurde demonstriert, wie der Einplatinenrechner Espruino für vielfältigste Zwecke genutzt werden kann. Die Programmierung des Espruinos erfolgt in JavaScript, was Anlass zu einer interessanten Kombination aus Espruino und Eclipse Orion gab. Höhepunkt des Vortrags war eine Demo, in der der Espruino eine Modellbauschranke mit aufgeklebtem Eclipse-Logo dazu veranlasste, die aufgemalte Sonne der dahinterliegenden Papplandschaft zu verdunkeln.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Verlosung von drei Entwicklerkits (Raspberry Pi, Arduino etc.) sowie etlichen T-Shirts und Mini-Rugbys. Die EclipseCon Frankreich war wieder einmal eine rundum gelungene Veranstaltung. Wer Lust hat, nächstes Mal teilzunehmen, kann sich gleich den Termin vormerken: 23. – 25. Juni 2015, Toulouse, Frankreich.

Aufmacherbild von Anne Jacko / Eclipse Foundation. Zum offiziellen Flickr-Stream der Konferenz geht es hier.

Geschrieben von
Philip Wenig
Philip Wenig
Dr. Philip Wenig ist Gründer der Open-Source-Software OpenChrom (http://www.openchrom.net) und Geschäftsführer der Lablicate UG (http://lablicate.com). Er beschäftigt sich hauptsächlich mit der Entwicklung von Software für den Bereich der Chromatographie und Massenspektrometrie (GC/MS). Darüber hinaus beteiligt sich seine Firma Lablicate UG aktiv an der Science Working Group (WG) der Eclipse Foundation (http://science.eclipse.org).
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