JAX-Interview mit Jonas Helming

„Eclipse wird nie so einfach zu bedienen sein wie simple Texteditoren, welche gerade stark im Trend liegen“

Dominik Mohilo

Jonas Helming

Der Einstieg in die Eclipse-Welt ist alles andere als leicht. Die große Funktionsvielfalt und die zahlreichen Plug-ins zur Entwicklungsumgebung sind gerade für Neulinge eine echte Herausforderung. Im Interview gibt JAX-Sprecher Jonas Helming einen kleinen Ausblick auf seine Session, in der er viele wichtige Fragen zum Durchstarten mit Eclipse beantwortet.

JAXenter: Herr Helming, Ihre JAX-Session dreht sich um den Einstieg bei Eclipse. Wenn es einen Tipp gibt, den Sie neuen Nutzern zu allererst geben müssten, welcher wäre es?

Jonas Helming: Natürlich die Session zu besuchen, genau für diese Zielgruppe ist sie gedacht!

Tatsächlich muss man zwei Nutzergruppen unterscheiden: Entwickler, welche lediglich die Eclipse IDE nutzen wollen, sind mit der vorhandenen Dokumentation und zahlreichen Online-Tutorials sicher gut bedient. Noch effektiver: Eine Pair Programming Session mit einem erfahrenen Eclipse IDE User, dort lernt man am effektivsten neue Funktionen und Short-Cuts.

Entwickler, welche die Eclipse IDE erweitern wollen oder ganz neue Applikationen basierend auf der Eclipse Plattform entwickeln, sollten sich eingehender mit dem Thema beschäftigen. Neben Online-Artikeln ist vermutlich der effektivste Einstieg über Kontakt zu Experten möglich. Zahlreiche Firmen bieten hier entsprechende Beratung und Schulungen an. Der offene Charakter der Community erlaubt aber auch erst einmal ein initiales Gespräch in einem der Online-Foren oder natürlich persönlich auf den einschlägigen Konferenzen.

JAXenter: Die große Funktionsvielfalt in Eclipse IDE kann ja auf Neulinge sehr verwirrend und erschlagend wirken. Finden Sie die derzeitigen Einstiegshilfen, wie den neuen Welcome Screen und die Packages ausreichend, oder müsste mehr getan werden, um den Einstieg zu erleichtern?

Jonas Helming: Es muss definitiv mehr getan werden und es bewegt sich aktuell viel in diese Richtung. Die große Stärke der Eclipse IDE war schon immer die gute Erweiterbarkeit und damit der durch Plugins realisierte riesige Funktionsumfang. Die große Schwäche ist die durch zahlreiche heterogene Erweiterungen verursachte, suboptimale Usability und die damit einhergehende hohe Einstiegshürde.

In den letzten Jahren ist der Bedarf zu einem abgestimmten „Gesamtprodukt“ stark in den Fokus der Eclipse Community gerückt. Dies resultiert in zahlreichen kleinen Verbesserung. Aber auch durch die großen Initiativen, wie beispielsweise dem lange ersehnten Eclipse Installer (realisiert durch Oomph), mit dem sich das mühsame Aufsetzen einer angepassten IDE und zugehörigem Workspace vollständig automatisieren lässt, kann man die Tendenz sehen.

Am Ende muss man natürlich in Vergleichen fair sein. Eclipse wird nie so einfach zu bedienen sein wie simple Texteditoren, welche gerade stark im Trend liegen. Dafür sind die Funktionsumfänge zu unterschiedlich und daraus folgend auch immer die jeweilige Komplexität.

JAXenter: Welche Version von Eclipse würden Sie Einsteigern derzeit empfehlen? Die Version 4.6M6 von Neon oder lieber 4.5?

Jonas Helming: Nutzern der IDE würde ich immer das letzte veröffentlichte Release empfehlen sowie kontinuierliche Updates auf jedes neue Release. Seit Mars (4.5) gibt es drei Releases pro Jahr: Zum Beispiel Mars, Mars.1 und Mars.2. Dies spiegelt die Entscheidung wider, kontinuierlich neue Features zuzulassen, um damit Verbesserungen einzelner Projekte schneller zu den Nutzern tragen zu können. Aktuell wäre die Empfehlung also Mars.2 (4.5.2), ab Juni dann Neon (4.6.0)
Einsteigerprojekten, welche Eclipse als Plattform nutzen wollen, würde ich ebenfalls das aktuelle Release als Zielplattform empfehlen.

Während der aktiven Entwicklung eines Produkts würde ich ein kontinuierliches Update auf jede neue Eclipse Version (als Zielplattform) empfehlen. Ist das entwickelte Produkt bereits ausgeliefert, kann die Updatestrategie verlangsamt werden. Um den Anschluss nicht zu verlieren ist allerdings trotzdem ein regelmäßiges Update der Plattform (z.B. einmal pro Jahr) sinnvoll.

Eine dauerhafte Verwendung älterer Versionen als Plattform ist nur in Verbindung mit dem Service „Long-Term Support“ (LTS) zu empfehlen, da ansonsten keine Wartung an der Plattform (z.B. Support von neuen Betriebssystemen) mehr vorgenommen werden können.

JAXenter: Wovon würden Sie Neulingen im Eclipse-Universum dringend abraten?

Jonas Helming: Ohne kontinuierlichen Kontakt zur Community Produkte auf der Plattform oder Eclipse Frameworks zu entwickeln!

Die Eclipse Philosophie definiert ganz klar eine Verantwortung für Nutzer der Plattform und der zahlreichen Open Source Frameworks im Ökosystem. Diese beinhaltet, potentielle Probleme an die Entwickler eines Frameworks zu melden. Dies kann in Form von Bug Reports oder in den jeweiligen Online-Foren geschehen.

Weiterhin sollten Nutzer nicht automatisch davon ausgehen, dass Dinge ohne ihr Zutun und kostenlos verbessert werden. Jeder Nutzer hat die Möglichkeit durch Contributionen und Sponsoring selbst an der Plattform mitzuwirken. Davon profitieren am Ende wieder alle, sogar die IDE Nutzer.

JAXenter: Das Update im Juni bringt zahlreiche neue Features für alle möglichen Projekte. Welches sind Ihre persönlichen Highlights?

Jonas Helming: Bei der Vielfalt der beteiligten Projekte und neuen Features ist das eine sehr schwierige Frage. Spontan fällt mir der deutlich verbesserte GTK Support ein, sowie die zahlreichen Weiterentwicklungen im Modellierungstool Papyrus. Manchmal sind es aber auch sehr kleine Features, wie z.B. die Sub-String basierte Code Completion. Tippt man in Zukunft „button.selection“ bekommt man auch „button.setSelection“ angeboten.

56a5f86bdcb76c08727da1d4version164sizefullJonas Helming is General Manager of EclipseSource Munich as well as consultant, trainer and software engineer. His focus is on Java, UI Modeling, Eclipse RCP, Eclipse Modeling and Eclipse 4. Besides many articles he published a book about the Eclipse 4.2 SDK. Jonas is an active member of the Eclipse community. He has the lead of two Eclipse projects and is involved in many others, such as e4. In 2013, he won the Eclipse Top-Newcomer Evangelist award. He regularly speaks at conferences such as Jax, OOP, W-JAX and EclipseCon.

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Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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