Neues aus dem Land der Sonnenfinsternis

Eclipse Weekly: Interview mit Denis Roy, Neues von Xtext und ein langer Abschied

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / solarseven

Auch im Eclipse-Universum fallen Abschiede schwer. Manchmal sogar so schwer, dass man Jahre braucht, um sie zu akzeptieren. Für Denis Roy, mit dem wir Gelegenheit hatten zu sprechen, ist das aber kein Grund, nicht voller Zuversicht in die Zukunft zu blicken. Zudem haben wir in dieser Woche spannende Neuigkeiten von Xtext und OpenChrom sowie einen „Nachruf“ der besonderen Art…

Foundation Talk: Denis Roy

Für den fünften Teil unserer Rubrik Foundation Talk haben wir Denis Roy, den Leiter des Bereichs IT-Service, für ein Interview gewinnen können. Im Talk spricht er über seine Aufgaben bei der Foundation und warum Eclipse mehr ist als nur eine Java-IDE.

JAXenter: Hallo Denis und danke, dass du dir Zeit für uns genommen hast. Zunächst einmal: Was sind deine Aufgaben und Verpflichtungen?

Denis Roy: Ich bin Director der IT bei der Eclipse Foundation, und die meisten Mitglieder der Community kennen mich als einen der Webmaster. Ich bin allerdings auch Teil eines kleinen Teams, das die Server und die Software Services verwaltet, die das Rückgrat von eclipse.org und den Working Groups darstellen. Zu diesen Services gehören auf der Entwicklerseite Git, Gerrit und Bugzilla, aber auch der Marketplace, das Wiki und ein Host von Build-zugehörigen Services wie etwa Hudson/Jenkins und Sonar.

JAXenter: Wann bist du der Eclipse Foundation beigetreten und welche Motive für das Engagement hattest du?

Denis Roy: Ich bin der Foundation im Oktober 2004 beigetreten, nur wenige Monate, nachdem diese selbst gegründet wurde. Als „Mitarbeiter #004“ wollte ich in einer anspruchsvollen Umgebung arbeiten, wo meine Mitarbeit tatsächlich einen Unterschied macht. Zwölf Jahre später ist die Community massiv gewachsen und der Umfang der Technologien ist noch beeindruckender. Trotzdem habe ich nie das Gefühl verloren, das ich zu Beginn meiner Tätigkeit für die Foundation hatte.

JAXenter: Welches Projekt im Eclipse-Universum gefällt dir am besten?

Denis Roy: Das Eclipse-Projekt selbst (Platform / JDT) bekommt in dem Punkt meine Stimme, weil es Beiträge so herzlich willkommen heißt. Das Team, das dahintersteckt, ist engagiert, offen für Vorschläge und sehr daran interessiert, neue Features und Bugfixes für die Kernplattform einzubauen. Zudem habe ich eine Vorliebe für das Babel-Projekt – das Crowd-basierte Übersetzungsprojekt. Auch wenn es in den letzten Jahren nur sehr wenig vorangeschritten ist, gibt es einen steten Fluss an Beiträgen aus der Community. Diese werden dann in die sogenannten Language Packs transformiert, die mittlerweile bereits Dutzende von Sprachen abdecken. Diese Sprachpakete machen Eclipse international besser zugänglich.

denis royIn den letzten Jahren hat Eclipse in neuen Bereichen wie dem Internet der Dinge, raumbezogenen Geodaten und den Wissenschafts-Communities seinen Standpunkt gefestigt. Eclipse ist so viel mehr als nur eine Java-IDE!

JAXenter: Was wünscht du dir für die Zukunft von Eclipse und der Foundation?

Denis Roy: Mein Zukunftswunsch ist zum einen die anhaltende Innovation in aufregenden neuen Bereichen, zum anderen andauernden Fortschritt bei den ausgereifteren Flaggschiffprojekten, die bereits seit über einem Jahrzehnt im Eclipse-Universum beheimatet sind. In den letzten Jahren hat Eclipse in neuen Bereichen wie dem Internet der Dinge, raumbezogenen Geodaten und den Wissenschafts-Communities seinen Standpunkt gefestigt. Eclipse ist so viel mehr als nur eine Java-IDE!

JAXenter: Das große Update des Sommers, Eclipse Neon, wurde gerade veröffentlicht. Was ist dein Highlight in der neuen Version?

Denis Roy: Mittlerweile schreibe ich nicht mehr so viel Code wie in der Vergangenheit. Dennoch nutze ich die Git- bzw. Gerrit-Tools, die vom EGit-Projekt in wahnsinnig schneller Geschwindigkeit entwickelt werden und die sich sehr gut mit den PHP Development Tools (PDT) ergänzen, regelmäßig. Der Marketplace Client (MPC) ist zudem nach wie vor einer der einfachsten und userfreundlichsten Wege, um Plug-ins für Eclipse zu entdecken, zu installieren und zu bewerten. Diese können aus einem Katalog von hunderten von Lösungen ausgewählt werden.

JAXenter: Wir danken für das Gespräch!

Goodbye, Kim Moir

Auf ihrem Blog Releng of the Nerds hat Kim Moir eine E-Mail von David Williams veröffentlicht, die er im Zusammenhang mit dem Auslaufen ihrer Commit-Rechte für das Release-Engineering-Projekt der Eclipse-Plattform geschrieben hat. Darin schreibt er, dass er vier Jahre gebraucht hat, um zu akzeptieren, dass Kim Moir dem Projekt nicht mehr helfend unter die Arme greifen wird.

Kim Moir war zwischen 2003 und 2012 in diversen Projekten im Eclipse-Universum aktiv und ist auch nun, vier Jahre nach Beendigung ihrer Arbeit an Eclipse, noch immer auf Platz 1 im Bereich der Build-Maschine. Sie ist ohne Frage eines der vielen Elternteile von Eclipse, und ohne sie wäre die Entwicklungsumgebung heute nicht dort, wo sie ist.

Um sie und ihre Arbeit zu Ehren, hat David Williams sie für den Titel „Committer Emeritus“ vorgeschlagen. Ein Titel, den sich Kim Moir mehr als verdient hat. Derzeit arbeitet sie für Mozilla.

Kim MoirI learned so much working with everyone in the Eclipse community. I had the intention to contribute to Eclipse when I left IBM but really felt that I have given all I had to give. Few people have the chance to contribute to two fantastic open source communities during their career. I’m lucky to have that opportunity.

–Kim Moir

Neues von Xtext

Xtext spaltet Repository

Nach dem Prinzip divide et impera (teile und herrsche) haben die Entwickler sich entschieden, die Architektur von Xtext zu verändern. Bislang wurde das Framework, welches Support für unterschiedliche Editoren und Entwicklungsumgebungen beinhaltet, als ein großes Repository verwaltet. Das war für Helfer des Projektes und Nutzer ziemlich unübersichtlich.

Um die Arbeit zukünftig zu erleichtern, wurde das Repository nun in mehrere kleine aufgeteilt. Der plattformunabhängige Kern von Xtext (Xtext Core) ist nun die zentrale Anlaufstelle für die individuellen Sub-Projekte, also Xtext für Eclipse, das Web und IntelliJ IDEA. Xtext Core beinhaltet nun nur das grundlegende Framework für die Laufzeit und den Tool-Support, während die Subprojekte alle spezifischen Abhängigkeiten enthalten. Gradle wird als Standard-Build-System vom Core Repository verwendet, für Eclipse wird Tycho unterstützt.

Die neue Architektur von Xtext / Quelle: TypeFox

Die neue Architektur von Xtext / Quelle: TypeFox

Language Server Protocol

Wie JAXenter berichtete, ist das Language Server Protocol (LSP), das im Rahmen Erich Gammas Arbeiten an der Microsoft-IDE VS Code entstanden ist, derzeit in aller Munde. Eclipse Che, Orion und die klassische IDE arbeiten an einer Unterstützung des Protokolls, und mit der für Oktober geplanten Version 2.11 soll auch Xtext das LSP nativ unterstützen. Dadurch soll Xtext in den genannten Eclipse-IDEs sowie in Microsofts VS Code problemlos laufen.

Erich-Gamma-300x209VS-Code-Chefentwickler Erich Gamma über das LSP:
Die intelligente Unterstützung einer Programmiersprache ist typischerweise komplex und speicherintensiv, da ein Programm als abstrakter Syntax-Baum repräsentiert wird. Darauf aufbauend können dann mächtige Funktionen wie zum Beispiel Intellisense angeboten werden. Um VS Code von solchen potentiell Ressourcen-hungrigen Programmiersprachen-Services zu entkoppeln, ist es aber sinnvoll, sie als separate Prozesse zu betreiben. So wird der Programmiersprachen-Service zu einem Programmiersprachen-Server, der auf dem lokalen Rechner läuft.

Hat man erst einmal einen separaten Prozess, dann öffnet das die Tür, diesen Prozess von verschiedenen Editor/Werkzeugen zu nutzen. Dies kann man noch weiter vereinfachen, wenn man das Protokoll, mit dem die IDE mit dem Programmiersprachen-Server kommuniziert, standardisiert. Eine IDE muss so nur eine Integration mit dem Protokoll implementieren und kann dann alle Programmiersprachen-Server “gratis” nutzen, die das gleiche Protokoll verwenden.

Das vollständige Interview mit Erich Gamma zum Language Server Protocol ist auf JAXenter zu lesen.

Mittlerweile ist das LSP auch unter der Bezeichnung LSP4J als Projekt bei der Eclipse Foundation vorgeschlagen worden. Projektleiter sind Sven Efftinge und Miro Spoenemann von TypeFox.

Eine Anleitung, wie man Xtext mit dem Language Server Protocol verwenden kann, gibt es auf dem Blog von TypeFox.

OpenChrom 1.1.0

Unter dem Codenamen „Diels“ haben die Entwickler von der Lablicate GmbH aus Hamburg das neueste Update ihrer quelloffenen Software für Chromatographie und Massenspektrometrie veröffentlicht. Das Tool basiert auf der Eclipse Rich Client Plattform (RCP).

Das aktuelle Update beinhaltet Verbesserungen, an denen seit über einem Jahr gearbeitet wird. Dazu gehören unter anderem die nun fest integrierten Konvertierungswerkzeuge für Datenformatimporte. Auch die verbesserten Konnektoren zu AMDIS und zur NIST-DB sind Teil der Aktualisierung. Processing Workflows helfen zudem bei der Vereinfachung der Datenanalyse und es gibt nun eine Unterstützung zur Berechnung des internal standard (ISTD).

Die Benutzeroberfläche von OpenChrom 1.1.0 / Quelle: Open Source Spectrometry

Die Benutzeroberfläche von OpenChrom 1.1.0 / Quelle: Open Source Spectrometry

Der Fokus des Programms liegt darauf, eine native Lösung für die Verarbeitung von Massenspektrometrie-Daten anzubieten. Daten, die von GC/MS, LC/MS, HPLC-MS, ICP-MS oder MALDI-MS generiert wurden, können direkt und ohne vorherige Konvertierung importiert werden. Auch Standardformate wie NetCDF, csv und mzXML werden unterstützt. Zudem ist die Visualisierung und Evaluation der importierten Daten mit OpenChrom möglich, dabei hilft das praktische GUI. OpenChrom ist für Windows, Linux, Solaris und Mac OS X verfügbar.

Eine Liste der unterstützten Datenformate gibt es auf der Homepage von OpenChrom. Dort finden Interessierte auch sämtliche Informationen zum Tool und die verfügbaren Plug-ins sowie ein Wiki.

Wie man einen Eclipse-Kura-Arbeitsplatz erstellt

In diesem Video-Tutorial erklärt Jens Reimann, wie man einen Arbeitsplatz für das IoT-Projekt Kura mit nur wenigen Klicks erstellt. Die Datei für das Setup findet sich auf GitHub. Benötigt werden der Eclipse-Installer, Java 8 und eine Internetverbindung. Außerdem muss ein GitHub-Account mit einem registrierten SSH-Key verfügbar sein. Andernfalls muss man die HTTPS-Downloadmethode im Variablendialog auswählen.

Reimann_JensJens Reimann hat 16 Jahre Erfahrung im Erschaffen von Softwarelösungen für die Verbindung von Hardware, Systemen und Nutzern nach Industriestandard. Angefangen beim Erweitern eines von einem Unternehmen selbstgebauten Industriekraftwert-Monitoring-Systems (SCADA) bis hin zum Aufbauen und Leiten des Projektes Eclipse SCADA. Er ist zudem Co-Leiter des Top-Level-Projektes Eclipse IoT. Er ist auch auf Twitter zu finden und bloggt unter dentrassi.de.

Kaum eine Community ist aktiver und innovativer als die der Eclipse IDE. JAXenter hat das Ohr am Puls der Entwicklungsumgebung und berichtet wöchentlich über die neuesten Entwicklungen und die spannendsten Geschichten rund um Eclipse.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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