Neues aus dem Land der Sonnenfinsternis

Eclipse Weekly: Neuigkeiten zu Eclipse Oxygen und die Keynotes vom Eclipse Summit India

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / solarseven

Eclipse Weekly und JAXenter feiern Silberhochzeit! In der 25. Ausgabe unserer wöchentlichen Kolumne zu allem rund um Eclipse geht es um die neuen Plattform-Features im kommenden Meilenstein des Release-Trains „Eclipse Oxygen.“ Außerdem erklärt uns Christopher Guindon im „Foundation Talk“, welche Rolle er als Lead Web Developer in der Foundation spielt.

Eclipse Oxygen M2

Am 23. September ist es wieder soweit: Ein Meilenstein des Release-Trains „Eclipse Oxygen“ wird veröffentlicht. Derzeit wird fleißig an den neuen Features für das kommende große Update gewerkelt. Im Bereich des User Interfaces wurden etwa die Menüpunkte Switch workspace und Restart verschoben und sind nun im Dateimenü ganz unten (über Exit in Windows und Linux und ganz unten in Mac OS X).

Über die neuen Möglichkeiten, das GTK+-Theme zu bearbeiten, haben wir bereits das letzte Mal berichtet. Dank des Friends of Eclipse Enhancement Program (dazu weiter unten mehr) wird es mit dem kommenden Update auch möglich sein, nach der Eingabe von Text im QuickAccess-Fenster die Hilfe zu durchsuchen.

Die neue Möglichkeit, die Hilfe zu durchsuchen / Quelle: Eclipse

Die neue Möglichkeit, die Hilfe zu durchsuchen / Quelle: Eclipse

Welche Features uns im zweiten Meilenstein für Eclipse Oxygen – und damit aller Voraussicht nach auch im kommenden großen Update im Juni – noch erwarten, dazu nächste Woche mehr.

Foundation Talk: Christopher Guindon

Im achten Teil unserer Reihe „Foundation Talk“ erklärt uns Christopher Guindon die Strukturen der Abteilung Web-Entwicklung der Eclipse Foundation. Der Snowboard-Enthusiast ist Lead Web Developer bei der Foundation.

JAXenter: Hallo Christopher und danke, dass du dir Zeit für uns genommen hast. Zunächst einmal: Was sind deine Aufgaben und Verpflichtungen als Lead Web Developer der Eclipse Foundation?

Christopher Guindon: Zu Mitgliedern der Community sage ich oft, dass unser Team für alles verantwortlich ist, was in eurem Browser von den Eclipse-Domains auf Port :80 und Port :443 empfangen und angezeigt wird. Natürlich ist das nicht ganz richtig, aber wir haben schon einen großen Anteil daran. Wir erstellen und warten Services und Web-Seiten, die für die Eclipse Community zur Verfügung gestellt werden. Wir haben zudem eine lange Liste von Web Properties, die wir unterstützen. Ich bin recht stolz auf den Eclipse Marketplace und den neuen API-Service, die wir mitgestaltet haben.

Derzeit besteht das WebDev-Team der Foundation aus Éric Poirier und mir, und wir arbeiten im IT-Bereich, der von Denis Roy geleitet wird. Denis kennt man etwa als Webmaster, und der ein oder andere wird ihn vielleicht schon auf einer unserer EclipseCons getroffen haben. Für Web-Entwickler ist die Zeit, in der wir leben, wirklich aufregend. Tools und Frameworks entwickeln sich sehr schnell weiter, und es obliegt unserer Verantwortung, auf dem neuesten Stand zu sein und sicherzustellen, dass unsere Web-Seiten sicher, schnell, modern und nutzerfreundlich sind.

JAXenter: Wann bist du der Eclipse Foundation beigetreten und welche Motive für das Engagement hattest du?

Christopher Guindon: Ich hatte schon immer ein Faible für Open Source, und mir war schon früh klar, dass für mich nur ein Unternehmen in Frage kommen würde, das meine Werte teilt. Als ich dann mit der Schule fertig war, arbeitete ich für inter-vision.ca, was seinerzeit ein relativ kleines Start-up war. Der Fokus von inter-vision.ca lag darauf, Non-Profit-Organisationen bei Angelegenheiten im Bereich Open Source zu unterstützen.

Da ich dort aus erster Hand erleben konnte, wie ein Unternehmen Geld und Gewinn trotz Open-Source-Gedankens machen konnte, war es ein wirklich großartiges Erlebnis für mich. Und dies zu einer Zeit, wo viele Unternehmen, Organisationen und Regierungen immer noch sehr zögerlich bei der Umsetzung von Open Source waren. Das lag damals natürlich noch am mangelnden Fachwissen zu dem Thema, sie hatten es einfach nicht verstanden.

Als ich das alles schließlich verinnerlicht hatte, stolperte ich über eine Stellenanzeige der Eclipse Foundation, die damals einen Web-Entwickler suchte. Ich wusste sofort, dass dies mein Traumjob ist. Bei der Foundation kann ich das geliebte Schreiben von Code weiterverfolgen. Ich kann außerdem dazu beitragen, den Open-Source-Gedanken zu verbreiten und daran mitarbeiten, die Vorteile von Open Source zu vergrößern. Es war und ist also eine Win-Win-Situation für mich.

Nun arbeite ich bereits seit fünf Jahren für die Eclipse Foundation, und an meinem Gefühl hat sich nichts geändert: Dies ist nach wie vor mein Traumjob. Ich liebe es, Code zu schreiben und mit meinen Kollegen in der Foundation zusammenzuarbeiten. Aber mehr als alles andere liebe ich die Eclipse Community.

JAXenter: Welches Projekt im Eclipse-Universum gefällt dir am besten?

Christopher Guindon: Ich unterstütze und mag eigentlich alle Projekte der Eclipse Foundation, aber ich habe eine besondere Vorliebe für den Eclipse Marketplace Client (MPC). Der MPC erlaubt es Nutzern, Plug-ins und Lösungen für Eclipse direkt in der Entwicklungsumgebung zu entdecken und sie mit wenigen Klicks hinzuzufügen. Die Lösungen und Plug-ins, die im MPC angezeigt werden, sind natürlich für den Nutzer, sein Betriebssystem, die Java-Version und das Eclipse-Release maßgeschneidert.

chrisIch hoffe für die Zukunft, dass die Community weiterhin wächst und das Themenspektrum mit ihr. Zudem hoffe ich, dass die Eclipse Foundation der Ort der Wahl für innovative Open-Source-Projekte bleiben wird.

JAXenter: Was wünscht du dir für die Zukunft von Eclipse und der Foundation?

Früher haben wir unser Augenmerk hauptsächlich auf Java-Tools gelegt, doch die Community von Eclipse ist seitdem stark gewachsen und heute gibt es ein weit größeres Interessenspektrum. Wir haben nun auch die sogenannten Working Groups, die in der Forschung, dem Internet der Dinge (IoT) und dem geospatialen Bereich beheimatet sind, um nur einige zu nennen. Ich hoffe für die Zukunft, dass die Community weiterhin wächst und das Themenspektrum mit ihr. Zudem hoffe ich, dass die Eclipse Foundation der Ort der Wahl für innovative Open-Source-Projekte bleiben wird.

JAXenter: Das große Update des Sommers, Eclipse Neon, wurde vor Kurzem veröffentlicht. Was ist dein Highlight in der neuen Version?

Das PHP Development Tool ist einer der Gründe, warum ich die Eclipse IDE so sehr liebe. Unser Team arbeitet täglich an PHP Code, daher ist die nun vollständige Unterstützung von PHP 7 einfach super. Auch die Weiterentwicklung der JavaScript Development Tools (JSDT) ist toll: Endlich werden zwei Package Manager unterstützt und Grunt- sowie gulp-Tasks sind nun durchführbar. Das Starten von Tasks, auf die man nun aus der Project-Explorer-Ansicht heraus zugreifen kann, ist jetzt via Shortcuts möglich.

Das Oomph-Projekt ist ebenfalls ein Favorit von mir. Mit Ooomph können Nutzer persönliche Einstellungen in ihrem Eclipse Workspace verwalten. Besonders aufregend ist Oomph für uns, weil es das erste Projekt ist, das den Eclipse User Storage Service (USS) nutzt, den unser Team letztes Jahr erstellt hat. Der USS erlaubt es Projekten, nutzerspezifische Projektinformationen auf den Servern der Foundation zu speichern. Das Ziel ist es, Projekten die Möglichkeit zu geben, die User Experience durch das Speichern von relevanten Informationen auf unseren Servern zu verbessern.

Eclipse Summit India

Vom 25. bis 27. August fand der Eclipse Summit in Indien, genauer: in Bangalore, statt. Zahlreiche Vorträge und Workshops wurden von den Mitgliedern indischen Eclipse Community und den Besuchern aus der ganzen Welt veranstaltet. Bei den Vorträgen stand vor allem das Internet of Things im Fokus, sodass Mike Milinkovich, Chef der Foundation, Open IoT als Thema seiner Keynote wählte.

In seiner Session sprach er über die großen Summen an Geld und Energie, die in den nächsten Jahren in das Internet der Dinge gesteckt werden. Dabei sollte man allerdings nie vergessen, dass all die Technik, egal ob kommerziell oder nicht, auf Open-Source-Software aufsetzt. Daher seien, so Milinkovich, sämtliche Marktbeherrschungsambitionen zum Scheitern verurteilt.

Sumit Rao ist Vizepräsident der Engineering-Abteilung bei Cerner, einem der führenden IT-Firmen des medizinischen Sektors. In seiner Keynote beleuchtete er die Möglichkeiten und Herausforderungen bei der Erschaffung von geistigem Eigentum in der Softwareentwicklung und besprach dieses Thema im besonderen Kontext der indischen Industrie.

Viral B. Shah ist Miterfinder von Julia, einer modernen Programmiersprache, deren Ziel die Verknüpfung der Produktivität von Python, R, Matlab und SAS mit der Performanz von C, Fortran und Java ist. Julia wurde entwickelt, um das „Zwei-Sprachen-Problem“ zu lösen. Bei diesem Problem nutzen Spezialisten zur Erstellung von Algorithmen eine Scripting-Sprache und Programmierer deployen diese dann in eine Systemsprache. In seiner Keynote zeigte Shah, wie sich die Community von Julia in den letzten drei Jahren entwickelt hat.

Die meisten Vorträge und Sessions des Eclipse India Summit sind mittlerweile auf YouTube online, weitere Informationen zum Summit gibt es auf Twitter und der offiziellen Homepage. Eine Bildergalerie des Treffens gibt es hier.

FEEP Target 3000

Vor einer Weile haben wir über das neue Spendenprogramm der Eclipse Foundation mit Namen „FEEP“ berichtet. Die Abkürzung steht für das Friends of Eclipse Enhancement Program und dient der Weiterentwicklung und der Verbesserung der Eclipse-Plattform. Inspiriert wurde die nun ins Leben gerufene Spendenkampagne „Target 3000“ laut Marketing-Chef Ian Skerrett von den Wikipedia-Spendenmarathons der Vergangenheit.

Während im gesamten Jahr 2015 etwa 6300 Mitglieder der Community für Eclipse gespendet hatten, ist das Ziel für den September dieses Jahres sehr ambitioniert: 3000 Spendeneingänge erhofft sich die Foundation für den laufenden Monat. Um dieses Ziel zu erreichen, wird Besuchern auf der Web-Seite von Eclipse ab sofort ein Banner angezeigt, in dem zur Spende aufgerufen wird – optisch etwas anspruchsvoller aber mit dem gleichen Ziel wie bei Wikipedia. Spenden sind entweder über den Banner oder hier möglich.

Dass dieser ganze Spendenaufruf nicht sinnlos ist, lässt sich anhand der Zahlen und Ergebnisse belegen: Mikaël Barbero hat auf seinem Blog einen Einblick gegeben, was seit Beginn des FEEP passiert ist.

Zunächst hatte die Foundation eine Projektstelle ausgeschrieben und Patrik Suzzi eingestellt, der sich seit April nun um die Behebung von Fehlern und Bugs der IDE-Plattform kümmert. Über 400 Bugs wurden von ihm triagiert und dank ihm konnten davon bisher 70 tatsächlich behoben werden. Dies hat ihm den Status eines Eclipse Platform UI Committers eingebracht. Unter anderem wurde das kaputte Drag & Drop in vollen Editor-Tabs gefixt, und es ist nun, wie Eingangs erwähnt, möglich, die Hilfe direkt im QuickAccess-Feld zu durchsuchen.

Kaum eine Community ist aktiver und innovativer als die der Eclipse IDE. JAXenter hat das Ohr am Puls der Entwicklungsumgebung und berichtet wöchentlich über die neuesten Entwicklungen und die spannendsten Geschichten rund um Eclipse.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: