Neues aus dem Land der Sonnenfinsternis

Eclipse Weekly: Interview mit Wayne Beaton, Eclipse Che und was VW, BMW und Mercedes in der neuen OpenPASS Working Group planen

Dominik Mohilo

(c) shutterstock.com / solarseven

Happy Birthday, Eclipse Weekly – endlich 18! Zum Jubiläum gibt es gleich zwei Ankündigungen von Eclipse-Chef Mike Milinkovich: Zum einen wurde die OpenPASS Working Group gegründet, die zukünftig im Bereich der automatischen Fahrsysteme aktiv werden soll. Zum anderen gibt es vermutlich bald neue Abläufe bei der Erstellung von Projekten im Eclipse-Universum. Außerdem hatten wir Gelegenheit, Wayne Beaton ein paar Fragen zu stellen…

Gründung der OpenPASS Working Group

Vor wenigen Tagen wurde der Vorschlag zur Gründung der Eclipse OpenPASS Working Group eingereicht. Die Ziele dieser Arbeitsgruppe sind die Unterstützung und das Vorantreiben von sogenannten Advanced Driving Systems, also automatischen Fahrsystemen. Dafür sollen Tools, Systeme und Adapter für standardisierte und anbieterunabhängige Plattformen zur Simulation von Verkehrsszenarios zur Verfügung gestellt werden. Interesse an der Teilnahme in dieser kollaborativen Arbeitsgruppe haben unter anderem Volkswagen, BMW, die Daimler AG und die ITK Engineering AG angemeldet.

Eine spannende Entwicklung, die sich hier auftut: Die Schwergewichte der Automobilindustrie versammeln sich unter dem Dach der Foundation! Die Idee der vertikalen Industrie-Arbeitsgruppen scheint immer mehr Früchte zu tragen, wie die Liste der aktuell existierenden Working Groups belegt:

Alle Mitglieder der Eclipse Foundation sind eingeladen, sich an der OpenPASS Working Group zu beteiligen. Weitere Informationen und die vorgeschlagene Satzungsurkunde gibt es hier. Nach dem Review des eingehenden Feedbacks soll die Gruppe bereits im Juli 2016 offiziell gegründet werden.

Foundation Talk: Wayne Beaton

Für die zweite Episode von Foundation Talk haben wir Wayne Beaton, Direktor für Open-Source-Projekte der Eclipse Foundation, für euch interviewt.

JAXenter: Hallo Wayne und danke, dass du dir Zeit für uns genommen hast. Zunächst einmal: Was sind deine Aufgaben und Verpflichtungen als Director of Open Source Projects der Eclipse Foundation?

Wayne Beaton: Ganz allgemein ausgedrückt ist es meine Aufgabe, Projektteams und Committern zu helfen, erfolgreich zu sein. Dies kann unterschiedliche Formen annehmen, aber eigentlich liegt der Fokus darauf, Teams bei der Umsetzung des Eclipse Development Process (EDP) behilflich zu sein. Der EDP definiert den Prozess zur Entwicklung kommerzieller Qualitätssoftware; meine Rolle ist es, den Teams beizubringen, was das ist und wie er am besten durchzuführen ist. Außerdem unterstütze ich Projektteams beim Zugriff auf Services der Eclipse Foundation und agiere als Champion für Projekte, um die Adaption neuer Ideen und Technologien voranzutreiben.

JAXenter: Wann bist du der Eclipse Foundation beigetreten und welche Motive für das Engagement hattest du?

Wayne Beaton: Ich bin der Eclipse Foundation 2005 als Technology Evangelist beigetreten. Primär, weil mich der Job an sich angesprochen hat und mir die Gelegenheit gab, mit einigen sehr intelligenten Menschen zu arbeiten.

JAXenter: Welches Projekt im Eclipse-Universum gefällt dir am besten?

Wayne Beaton: Ich habe keine Favoriten.

JAXenter: Was wünscht du dir für die Zukunft von Eclipse und der Foundation?

Wayne Beaton: „Eclipse“ bedeutet für jeden etwas anderes. Für die meisten Softwareentwickler ist Eclipse eine IDE, die auf der Eclipse-Plattform basiert oder genauer: die Eclipse Java IDE. Die Technologie der Eclipse IDE ist noch lange nicht am Ende angelangt. Ich glaube zudem, dass die Eclipse-Plattform durch die Unterstützung von anderen Sprachen, wie etwa Java, C/C++ und PHP, die von den Projektteams entwickelt werden, den „State of the Art“ kontinuierlich vorantreiben werden.

wayneWir haben eine Menge großartiger Technologien, die eine Vielzahl technischer Bereiche abdecken, sodass für jeden etwas dabei ist. Die Grundlage für einen Langzeiterfolg stellen dabei die Einbringungen von Seiten der Community dar.

Für die etwa 300 Open-Source-Projekte des Eclipse-Universums wünsche ich mir, dass sie auch zukünftig unterstützt und weiterentwickelt werden. Wir haben eine Menge großartiger Technologien, die eine Vielzahl technischer Bereiche abdecken, sodass für jeden etwas dabei ist. Die Grundlage für einen Langzeiterfolg stellen dabei die Einbringungen von Seiten der Community dar.

Für die Community selbst wünsche ich anhaltenden Erfolg bei der Lösung von Problemen mit der Eclipse-Technologie. Für das Eclipse-Ökosystem wünsche ich mir einen anhaltenden Erfolg beim Entwickeln von Produkten und Services, die auf den vielen Open-Source-Projekten von Eclipse basieren.

Und für alle Mitglieder der Eclipse Foundation, sowohl für meine Kollegen als auch die Mitglieder des Eclipse Architecture Councils und des Eclipse Planning Councils wünsche ich mir jeweils einen Porsche. Einen Porsche für jeden von euch!

JAXenter: Das große Update des Sommers, Eclipse Neon, wurde gerade veröffentlicht. Was ist dein Highlight in der neuen Version?

Wayne Beaton: Ich mag die Verbesserungen am Zeilenumbruch und die Möglichkeit, die Schriftgröße durch einfache Tastenkombinationen zu ändern mehr, als ich es mir je hätte träumen lassen.

JAXenter: Wir danken für das Gespräch!

Neues Management geistigen Eigentums

Seit der Gründung der Eclipse Foundation vor etwa zwölf Jahren gab es keine so große Änderung mehr an der Art und Weise, wie geistiges Eigentum von eingereichten Projekten im Eclipse-Universum geprüft wird. So die Worte von Mike Milinkovich auf seinem Blog. Der Vorsitzende der Eclipse Foundation hat in seinem Essay den Nutzern einen kleinen Einblick in die zukünftige Entwicklung im Intellectual Property Management der Foundation gegeben.

Derzeit, so Milinkovich, ist es so: Die Eclipse Foundation hat Mitarbeiter, die eigens für die Prüfung des eingereichten Codes verantwortlich sind. Das heißt, ein Stab aus Mitarbeitern der Foundation prüft jedes Stückchen Code, das von den Projekten der Eclipse Foundation veröffentlicht wird. Besonders haarig sei dabei die Prüfung der Herkunft verschiedener Teile des Codes. Denn die Fragen, ob dieser Code bereits vorher unter einer anderen Lizenz veröffentlicht wurde und ob die Erlaubnis zur Wiederverwendung besteht etc. sind wichtig in der Open-Source-Welt.

Das Gute an dieser gründlichen Prüfung ist natürlich, dass die Nutzer von Eclipse-Projekten sicher sein können, dass alles, was von der Foundation veröffentlicht wird, tatsächlich ohne Probleme verwendet werden darf. Der Nachteil hingegen liegt auf der Hand: Die Prüfung kostet sehr viel Zeit.

In Zukunft sollen die Mitglieder bzw. Leiter eines Projektes nun selbst entscheiden können, wie gründlich die Prüfung durch die Eclipse Foundation ausfallen soll: Es wird, so Mike Milinkovich, zwei Stufen geben. Die erste bedeutet, dass die Prüfung wie bisher abläuft, also sehr gründlich und dafür längere Wartezeiten eingeplant werden müssen bis zum Release. Alternativ will die Eclipse Foundation in Zukunft eine zweite Stufe anbieten, in der ein Projekt auch ohne eine derart gründliche Prüfung veröffentlicht werden kann. Es wird dabei dann nur die Lizenzkompatibilität gecheckt, der Code selbst und die Herkunft verschiedener Teiler des Codes bleiben außen vor.

Mike erklärt, welche Vorteile das bietet:

mikeThis new approach will have particular value for new projects at the Eclipse Foundation. Rather than waiting for their dependencies to be cleared by the IP team, once the project can self-certify that all of their dependencies have compatible licenses they will be able to check-in their code and start working at Eclipse. We are hoping that this is going to reduce the ramp-up time for a new project from months to about a week.

Quelle: Blog v. Mike Milinkovich

Die Projekte sollen so also erfolgreicher werden, indem weniger Hürden für eine Veröffentlichung entstehen. Sobald die Änderungen eingeführt werden, soll es für Projekte auch möglich sein, eine Kombination der Prüfung durchführen zu lassen. So könnte ein Projekt, das alle vier Wochen ein Update veröffentlichen will, für diese eine Stufe-2-Prüfung buchen, für ein etwaiges großes Update einmal im Jahr eine Prüfung der Stufe 1.

Die Änderungen in der Prüfungstiefe müssen durch die Policy abgedeckt werden, diese muss also entsprechend geändert und vom Vorstand der Foundation abgesegnet werden. Zudem müssen einige Tools aktualisiert werden, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden.

All dies soll bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein. Wer das Thema gerne mitdiskutieren möchte, kann dies im entsprechenden Bugreport tun.

Neuer Branding-Leitfaden

Ein wichtiger Grund für Entwickler, ihr Projekt im Eclipse-Universum zu veröffentlichen, ist die Stärke des Markennamens Eclipse. Das Präfix Eclipse ist hoch angesehen, und dieses Ansehen ist die Folge von guten und hochwertigen Projekten, die unter dem Dach der Eclipse Foundation veröffentlicht werden. Zum Schutz erwirbt die Eclipse Foundation automatisch die Rechte am Markennamen des Projektes, sobald es im Ökosystem von Eclipse erstellt wurde – eine gängige Praxis im Open-Source-Umfeld.

Damit es keine Unstimmigkeiten gibt, hat Wayne Beaton, Direktor im Bereich Open-Source-Projekte, auf seinem Blog einen neuen Leitfaden zum Thema Branding angekündigt, der ab sofort im Handbuch auf der Homepage der Eclipse Foundation verfügbar ist. Darin enthalten sind wichtige Informationen, wann das Präfix Eclipse verwendet werden darf.

Eclipse Che 4.4

Ungefähr zeitgleich mit dem Release von Eclipse Neon hat Codenvy das Update auf Eclipse Che 4.3 bekanntgegeben. Nun wurde Version 4.4 verkündet, in der etwa 65 Probleme behoben wurden. Besonderes Augenmerk des Releases lag dabei auf der User Experience. Außerdem ist es nun möglich, via Che Docker Daemon zusätzlich zur öffentlichen Docker Hub Registry verschiedene Docker Registries zu nutzen. Durch entsprechende Konfiguration dieser anderen Registries können Images verwendet werden, die auf privaten Docker Registries deployed werden.

Die neue Navigationsleiste / Quelle: Eclipse Che Blog

Die neue Navigationsleiste / Quelle: Eclipse Che Blog

Im Bereich UX können sich die Nutzer auf eine neue Navigationsleiste freuen, die die Nutzung von Che deutlich vereinfachen soll. Die Navigationsleiste ist immer sichtbar, egal ob man gerade auf dem Dashboard unterwegs ist oder in der Entwicklungsumgebung. Sie erlaubt außerdem den einfachen Wechsel zwischen Workspaces und den Sprung vom Dashboard in die IDE.

Weitere Informationen zum aktuellen Update von Eclipse Che und eine Liste von Bugfixes gibt es auf dem Blog von Eclipse Che.

Language Server Protocol

Apropros Eclipse Che: Codenvy, das Unternehmen hiner Che, hat sich mit Microsoft und Red Hat zusammengeschlossen, um sämtliche Coding-Tools und Entwicklungsumgebungen fit für alle Sprachen zu machen. Dazu arbeiten sie gemeinsam an dem sogenannten Language Server Protocol. Das Server-Protokoll soll dafür wichtige Sprachinformationen und -features direkt von einem zentralen Sprachserver beziehen und in das jeweilige Programm einspeisen.

Das Protokoll soll für die Kommunikation (mittels JSON-RPC) zwischen einem Tool und einem sogenannten Language Server genutzt werden. Der Language Server soll ein tiefes Verständnis für die jeweils verwendete Programmiersprache zur Verfügung stellen. Programmierer können so aus jedem Tool heraus auf „Rich Editing“-Kapazitäten wie Errors & Warnings, Refactor und Go to Definition zurückgreifen.

Language Server Protokoll / Quelle: Microsoft

Language Server Protokoll / Quelle: Microsoft

Aktuell sind Language Server für die Sprachen JSON, C++ und Powershell online verfügbar. Noch in diesem Jahr sollen weitere folgen, die das Language-Server-Protokoll unterstützen. Geplant sind unter anderem Language Server für C#, Xtext, R, JavaFX und CSS. Die Arbeit an einem eigenständigen Java Language Server wurde von Red Hat gestartet und als Projekt quelloffen der Community zur Verfügung gestellt. Dieser soll der Eclipse Foundation gespendet werden.

Weitere Informationen zum Language-Server-Protocol-Projekt gibt es auf Microsofts GitHub-Seite und in der Ankündigung von Red Hat. Auf dem Blog von Visual Studio Code gibt es ein passendes Beispiel zur Funktionsweise des neuen Protokolls.

PS: JAXenter hat Eclipse-Urvater Erich Gamma zum neuen Language Server Protokoll interviewt. Das Interview gibt es exklusiv auf unserem Portal zu lesen!

Kaum eine Community ist aktiver und innovativer als die der Eclipse IDE. JAXenter hat das Ohr am Puls der Entwicklungsumgebung und berichtet wöchentlich über die neuesten Entwicklungen und die spannendsten Geschichten rund um Eclipse.

 

Aufmacherbild: The Moon covering the Sun in a partial eclipse. von Shutterstock.com
Urheberrecht: solarseven

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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