Neues aus dem Land der Sonnenfinsternis

Eclipse Weekly: Java EE wird Eclipse-Projekt, IBM ♥ Eclipse & Interview mit Rich Sharples

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / solarseven

Lange wurde allerseits gerätselt, nun ist es endlich raus: Java EE geht an die Eclipse Foundation. Die Eclipse Community kann sich also über ein neues Mitglied freuen, welchen Namen das Kind allerdings am Ende tragen wird, ist noch völlig offen. Wir haben uns zum aktuellen Status Quo mit Rich Sharples von Red Hat unterhalten. In dieser Woche startete IBM zudem eine Open-Source-Initiative und wie immer gibt es den Tipp der Woche.

Willkommen Zuhause, Java EE!

Hier auf JAXenter hatten wir (das heißt insb. der Autor dieser Zeilen) nie auch nur den geringsten Zweifel daran, dass ein Open Source Java EE ins Eclipse-Ökosystem gehört. In den letzten Monaten haben wir die Geschehnisse rund um Java EE genauestens im Auge behalten: Angefangen beim Aufschrei der Community im letzten Jahr, der in der Gründung der Java EE Guardians gipfelte, bis hin zu den Spezifikationen der kommenden Version Java EE 8 und dem damit verbundenen Community Process.

Während von offizieller Seite in Person von David Delabassee (Oracle), darauf hingewiesen wurde, dass die Eclipse Foundation viel Erfahrung mit Java-EE-verwandten Technologien habe und daher die richtige Wahl sei, um Java EE voran zu treiben, sieht die Community von JAXenter das Ganze ein wenig differenzierter. Unsere Leser hätten es lieber gesehen, wäre Java EE im Ökosystem der Apache Foundation untergekommen, wie das bereits mit Oracles NetBeans IDE geschehen ist.

Oracle arbeitet bei der Umsetzung des Umzuges eng mit IBM und Red Hat zusammen, beide Unternehmen sind bekanntlich sehr aktiv in der Eclipse Community, Red Hat neuerdings sogar noch etwas mehr als das Urgestein IBM (JAXenter berichtete). Oracle, auch das sagt Delabbassee in seinem Blogpost deutlich, wird sich allerdings nicht komplett aus dem Projekt zurückziehen.

Was nun zunächst ansteht, ist aus Sicht Oracles natürlich die Neulizensierung der existierenden Java-EE- und GlassFish-Technologien, inklusive Referenzimplementierungen (RIs), Technology Compatibility Kits (TCKs) und den damit verbundenen Projektdokumentationen sowie deren Übergabe an die Eclipse Foundation. In der Foundation selbst geht es dann unter anderem um eine Branding-Strategie – und hier wird es nun hochinteressant.

Fakt ist nämlich, dass der Name Java EE offenbar nicht Teil des Open-Source-Plans von Oracle ist. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Definition eines Prozesses, durch den sich existierende Spezifikationen weiterentwickeln sowie erweitern lassen und neue Spezifikationen in die Plattform integriert werden können. Mittlerweile ist Java EE auf GitHub zu finden, was einen guten Start und eine solide Basis für die nächsten Schritte darstellt.

Wir wünschen den Communities von Java EE und Eclipse viel Erfolg bei der Weiterentwicklung von Java EE und damit einer der am weitesten verbreiteten Technologien in der Enterprise-Welt. Oder, um Mike Milinkovich, Executive Director der Eclipse Foundation, zu zitieren:

Java EE has been at the center of enterprise computing for almost twenty years. As enterprises move to a more cloud-centric model, it is clear that Java EE requires a more rapid pace of innovation. The open source model has been shown time and again to be the most successful way to innovate in today’s world. The Eclipse Foundation is focused on enabling open collaboration among individuals, small companies, enterprises, and the largest vendors. The Eclipse MicroProfile project is, we believe, an excellent example of the developer community led style of collaboration we support. We look forward to supporting the Java EE community as it creates the platform for the next twenty years of business applications.

Weitere Informationen zum Umzug von Java EE gibt es auf dem Blog von Oracle, dem Blog von Mike Milinkovich und natürlich auf JAXenter. David Delabassee von Oracle wird auch auf der diesjährigen EclipseCon Europe in Ludwigsburg sprechen (Link zu seiner Session).

Interview zu Java EE mit Rich Sharples (Red Hat)

Um einen etwas tieferen Einblick in die derzeitige Lage von Java EE und die Hintergründe des Umzugs zur Eclipse Foundation zu bekommen, unterhielt sich meine Kollegin Gabriela Motroc mit Rich Sharples. Sie sprach mit dem Senior Director of Product Management for Middleware bei Red Hat über das neue Zuhause von Java EE und darüber, ob es mit dem Projekt Eclipse MicroProfile zusammengeführt werden sollte. Außerdem hat sie ihn gefragt, wann wir mit der Antwort auf die Frage rechnen können, welchen Namen Java EE zukünftig tragen wird.

JAXenter: Oracle wird Java EE an die Eclipse Foundation übergeben. Ist das aus deiner Sicht eine gute Entscheidung? Wie sieht die Zukunft von Java EE aus?

Rich Sharples: Es sieht sicherlich besser aus als in den letzten Jahren. Dies ist eine großartige Gelegenheit für die Community, sich stärker in die Zukunft von Enterprise Java einzubringen.

JAXenter: Oracles Java-EE-Evangelist David Delabassee schrieb auf seinem Blog, dass sein Unternehmen IBM und Red Hat um Hilfe gebeten hat, ihnen bei der Entscheidung zu helfen, welche Foundation die Java-EE-Technologien erhalten solle. Wie seid ihr zu dem Schluss gekommen, dass die Eclipse Foundation die beste Wahl ist? Ist es die Tatsache, dass dort bereits das MicroProfile-Projekt gehostet wird?

Rich Sharples: MicroProfile war ein Faktor, aber nicht der einzige. Red Hat ist aber definitiv daran interessiert, die beiden Initiativen in Einklang zu bringen und ist auch bereit, dafür Zeit und Energie zu investieren. Aber letztendlich diktiert die MicroProfile-Community ihre Zukunft, und die Java EE-Community bestimmt die Zukunft von Java EE. Eine Einzelperson oder ein Anbieter kann die Richtung der beiden Communities nicht steuern.

JAXenter: Oracle wird zwar die Java-EE-Technologien und die Referenzimplementierung GlassFish an die Eclipse Foundation übergeben. Doch will Oracle an den Namensrechten festhalten. Das bedeutet, dass ein neuer Name für Eclipse Java EE gefunden werden muss. Wann können wir da mit einer Entscheidung rechnen?

Rich Sharples: Das ist wohl eher eine Frage für Oracle – sie besitzen die Java-Marke und nur Oracle kann entscheiden, wo und wie die Java-Marke eingesetzt werden kann. Ich vermute, ein neuer Name wird bald folgen.

JAXenter: In deinem Blogpost: „Java EE moves to Eclipse“ hast du gesagt, dass „Java EE aus einem großen Korpus an Technologiespezifikationen, Referenzimplementierungen und TCKs von verschiedenen Herstellern und Open-Source-Projekten besteht, sodass noch viel Arbeit vor uns liegt“. Wie sollte es aus deiner Sicht jetzt weiter gehen?

Rich Sharples: Ich denke, was auch immer passiert – es muss schnell gehen. Bisher hat sich Oracle sehr schnell bewegt, und dieses Tempo muss weitergehen. Der Umzug und die Lizenzierung von Code und die Festlegung eines neuen, leichtgewichtigen Prozesses zur Erstellung und Implementierung neuer Spezifikationen / JSRs stehen ganz oben auf meiner Liste.

JAXenter: Vielen Dank für deinen Kommentar!

Rich Sharples Gabriela Motroc
Rich Sharples ist Senior Director of Product Management for Middleware bei Red Hat. Auf Twitter ist er unter dem Handle @richsharples zu finden Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.

IBM + Eclipse =

Es scheint derzeit tatsächlich so, als würde sich die Enterprise-Welt immer mehr im Eclipse-Universum ansiedeln. Nach Oracles Ankündigung, Java EE an de Eclipse Foundation zu übergeben, veröffentlichte Alasdair Nottingham von IBM einen Blogpost, in dem er die Veröffentlichung des Kerns von WebSphere Liberty unter der Eclipse Public Licence v1 ankündigte. Dieser Kern ist damit Open Source verfügbar und trägt den naheliegenden Namen Open Liberty.

WebSphere Liberty ist ein Anwendungsserver, der speziell für die Ansprüche von Entwicklern in der Cloud designt wurde. Seit 2012 arbeitet man bei IBM an dem Application Server, mittlerweile ist das noch relativ junge Projekt vollständig für Java EE 7 zertifiziert und es gibt Deployments für viele bekannte Plattformen wie Docker, Kubernetes und Cloud Foundry.

Das neue Projekt Open Liberty ist ebenfalls ein vollständig mit Java EE 7 kompatibler Anwendungsserver, der die neuesten APIs von Eclipse MicroPorfile enthält. In dieser Form stellt er nun den zentralen Bestandteil des kommerziell weitergeführten WebSphere Libertys dar. Damit ist allerdings auch sichergestellt, dass Anwendungen, die auf Open Liberty laufen, auf WebSphere Liberty ebenfalls laufen werden.

Ein weiteres IBM-Projekt, dass gerade an die Eclipse Foundation übergeben wurde, ist OpenJ9, die betriebsinterne JVM des IT-Riesen. Unterschiede zwischen der „echten“ JVM und dem IBM-Derivat wurden auf dem Blog Javarevisited vor einiger Zeit vorgestellt, unter anderem verwendet die JVM von IBM andere JIT und Garbage Collectors. Oracles JVM hat außerdem (noch) keinen Ahead of Time Compiler (AOT), dieser wird allerdings ab Donnerstag (21. September) mit dem JDK 9 veröffentlicht werden.

Ob diese Spendierfreudigkeit Seitens IBM vielleicht etwas damit zu tun hat, dass Red Hat von Mike Milinkovich als „größter Contributor für die Eclipse Foundation noch vor IBM“ genannt wurde? Das ist natürlich rein spekulativ. Dennoch ist es schön zu sehen, dass ambitionierte und wichtige Projekte immer öfter den Weg ins Eclipse-Universum finden.

@EclipseJavaIDE: Tipp der Woche

Der Eclipse-Tipp der Woche wird in Zusammenarbeit mit Sopot Cela präsentiert, der unter dem Handle @EclipseJavaIDE Tag für Tag wertvolle Tipps und Tricks für die Nutzer der Eclipe IDE veröffentlicht.

Kaum eine Community ist aktiver und innovativer als die der Eclipse IDE. JAXenter hat das Ohr am Puls der Entwicklungsumgebung und berichtet wöchentlich über die neuesten Entwicklungen und die spannendsten Geschichten rund um Eclipse.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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