Neues aus dem Land der Sonnenfinsternis

Eclipse Weekly Special: EE4J, Java EE, Java 9 & OpenJ9 – das war die EclipseCon 2017

Dominik Mohilo,

© Shutterstock.com / solarseven

Zum zehnten Mal findet die EclipseCon Europe in diesem Jahr in Ludwigsburg statt. Wir waren live vor Ort, um uns unter die Community zu mischen und über die neuesten Ereignisse zu informieren. Gesprächsthema waren etwa die aktuellen Entwicklungen rund um Java EE bzw. EE4J. Außerdem gibt es auch einige Neuigkeiten zu OpenJ9 sowie dem Status Quo der Community zu berichten. Viel Spaß bei Eclipse Weekly on Tour!

Wenn der Wecker am Morgen klingelt und nicht einmal den Anstand hat, eine Uhrzeit mit einer 5 oder einer 6 an erster Stelle anzuzeigen, dann hat man sich entweder vor dem Schlafengehen vertan – oder man hat etwas ganz Besonderes vor. In meinem Fall war es diesmal Letzteres, denn die EclipseCon Europe 2017 in Ludwigsburg stand vor der Tür.

Seit etwa zwei Jahren schreibe ich Woche für Woche über die Community und die aktuellen Geschehnisse in den zahlreichen Eclipse-Projekten. Nun war es an der Zeit, die Personen, mit denen man online schon vor Ewigkeiten Bekanntschaft gemacht hatte, auch einmal „in echt“ zu treffen. Und natürlich, um von den aktuellen Entwicklungen und Neuigkeiten aus dem Eclipse-Universum direkt aus erster Hand zu erfahren. Also ab nach Ludwigsburg und mitten hinein ins Herz der Eclipse Community.

Der Status Quo von Eclipse – die EclipseCon Keynote

Nach dem morgendlichen Drei-Stunden-Block, bestehend aus Tutorials und Workshops, und einer kurzen, geschichtsträchtigen Ansprache des Ludwigsburger Bürgermeisters, begrüßte schließlich Mike Milinkovich, Executive Director der Eclipse Foundation, die Gäste. Wie erwartet war im Statusreport des Chefs der Foundation Java EE bzw. EE4J ein großes Thema: Der Umzug von Java EE aus den Händen Oracles und in den Schoß der Eclipse Foundation bedeutet die Betreuung, Erstellung, Verwaltung und in nächster Instanz Weiterentwicklung von 40 Projekten.

Unerwähnt blieb auch nicht, dass ein ganz besonderes Projekt, das bereits bei Eclipse angesiedelt war, eine sehr wichtige Rolle bei Oracles Entscheidung, Java EE an die Eclipse Foundation zu übergeben, gespielt hat. Die Rede ist natürlich von Eclipse MicroProfile. Mike Milinkovich stellte klar, dass die Evolution von Java EE jetzt und in Zukunft bei der Eclipse Foundation stattfinden würde und prophezeite harte aber interessante Zeiten.

Mike Milinkovich eröffnet die EclipseCon Europe 2017

Aber auch für diejenigen, die mit der Java Standard Edition arbeiten, gibt es großartige Neuigkeiten: OpenJ9, IBMs quelloffene JVM, ist vor wenigen Wochen zum Eclipse-Projekt geworden. In Verbindung mit der vollständigen Unterstützung von Java 9 und JUnit 5 in den Java Development Tools ab Eclipse Oxygen.1a ergibt sich die Möglichkeit, Java komplett autark von anderen Anbietern und Stakeholdern in Eclipse zu entwickeln.

Anschließend sprach Mike auch über den Status Quo einer Reihe anderer Projekte und Working Groups, besonders die Eclipse IoT Working Group, Polarsys und die Science Working Group haben in den letzten Wochen und Monaten ordentlich Zulauf bekommen und viele neue Projekte gestartet.

Ebenfalls interessant ist, dass sich Eclipse mittlerweile auch für die Automobilbranche, vor allem in Bezug auf Smart Cars / Connected Cars (bspw. Eclipse Kuksa), und Quanten-Computing (bspw. Eclipse XACC) als Heimat etabliert.

Java 9 in Eclipse

Etwas mehr als einen Monat ist es her, seit Java 9 endlich nach langer Wartezeit das Licht der Welt erblickte. Mit Java 9 wurde auch Project Jigsaw, das Modulsystem für Java, veröffentlicht. Daniel Megert, Entwickler bei IBM und Leiter des Eclipse-JDT-Projekts, stellte in seiner Session die Highlights des JDK 9 Supports in Eclipse vor. Eine Zusammenfassung gibt es dazu auf JAXenter und im unten eingebetteten Video von Holger Voormann.

Da natürlich aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Java-Welt auch interessant ist, was die Zukunft bringen mag, äußerte sich Daniel Megert zu Java 10 bzw. Java 18.3, wenn auch vorsichtig. Zur nächsten Java-Version ist noch nichts mit Sicherheit entschieden, mit Ausnahme der fest geplanten Änderungen an den Release-Zyklen. Laut Daniel wird das nächste Java Release aber definitiv einige Features enthalten, auf die sich Eclipse-Nutzer freuen können.

Java EE / EE4J – so geht es weiter

David Delabassée, Software Evangelist bei Oracle, stellte in seiner Session „Java EE 8 is final… Now what?“ die neuen Features der Enterprise Edition vor. Dabei ging er in aller Kürze auf Features wie den HTTP/2 Support im Servlet 4.0, das neue JSON Binding API und die verschiedenen Verbresserungen in JSON-P 1.1 ein. Auch die neue Unterstützung von Server-Sent Events in JAX-RS stellte er vor.

David Delabassée zeigt die Features von Java EE 8

Eingehender sprach er über das neue Security API für Cloud- und PaaS-basierte Anwendungen und ließ das Publikum wissen, dass Java EE vorher natürlich auch schon sicher war. Die Vorstellung der verschiedenen CDI-Verbesserungen (etwa die Unterstützung asynchroner Events), rundete den Vortrag die Features betreffend ab.

Zum Abschluss erwähnte David Delabassee, dass EE4j aller Voraussicht nach in seiner ersten Major-Version dem heute verfügbaren Java EE 8 entsprechen wird. Woran das liegt, darauf gingen David und weitere Experten in der später folgenden Paneldiskussion ein, für die der Vortrag eine gute Grundlage bot.

EE4J-Paneldiskussion: Mehr Community

Wenn es eine Schlagzeile gibt, die in der letzten Zeit – von der Veröffentlichung einiger zentraler Hauptversionen abgesehen – wie eine Bombe eingeschlagen ist, ist das mit Sicherheit die Übergabe von Java EE an die Eclipse Foundation. Das neue Java EE 8 wird also dementsprechend die letzte Version der Enterprise Edition sein, die unter der Schirmherrschaft von Oracle erscheint. Die Wichtigkeit des Themas unterstrich die Tatsache, dass Mike Milinkovich höchstpersönlich die Paneldiskussion leitete. Aktive Teilnehmer waren David Delabassée und Dmitry Kornilov von Oracle, Heiko Rupp von Red Hat sowie Kevin Sutter von IBM.

Mike Milinkovich eröffnete die Diskussion mit der Information, dass das Board of Directors der Eclipse Foundation am Montag die offizielle Charta für das Projekt angenommen hat, kurz darauf wurde das Top-Level-Projekt EE4J erstellt. Diese ersten Schritte sind wichtig, damit in Zukunft die Community in den Prozess der Entwicklung von Java EE bei der Eclipse Foundation besser eingebunden werden kann – ein Punkt, den auch Heiko Rupp von Red Hat als einen, wenn nicht sogar den wichtigsten Punkt ansieht.

 

Ist EE4J ein guter Name für Java EE?

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Weniger Bürokratie, mehr Entwicklung

Für Kevin Sutter, Java EE und MicroProfile Architect bei IBM, ist die Zugänglichmachung der TCKs für die Community ein sehr wichtiger Punkt, der erst mit dem Umzug von Java EE zur Eclipse Foundation möglich wurde. Auf die Frage, was für sie in der mittelfristigen Planung einen Erfolg markieren würde, antworteten David Delabassée und Dmitry unisono, dass dies für sie der abgeschlossene Umzug der TCKs sei. Heiko Rupp beantwortete die gleiche Frage damit, dass für ihn ganz klar ein Erfolg wäre, wenn die Community endlich einfacher eigene Ideen für Java EE einreichen könne – und das so schnell wie möglich.

Um Heiko Rupps Anliegen zu unterstützen, wird erst einmal die Schaffung eines „more nimble EE4J Specification Process“ sein, also eine agilere Variante des aktuellen Java Community Processes. Darin waren sich alle Teilnehmer der Diskussion einig. Nicht einig war man sich in Bezug auf Mike Milinkovichs Wunsch, dass Entwickler sich nicht mehr um Prozesse, sondern lieber um den Code kümmern sollten. Man solle Standards nicht aus den Augen verlieren, sagte Dmitry Kornilov, da die Leute auf Jahre hinaus Sicherheiten brauchen. Dass der JCP-Prozess allerdings in seiner derzeitigen Form zu langsam sei, konnte aber selbst von Oracles offiziellen Vertretern nicht abgestritten werden.

Der Stoff aus dem Communitys gemacht sind

Nun, da das Top-Level-Projekt erstellt und die Charta offiziell angenommen wurde, wird der nächste große Schritt sein müssen, die Community aufzubauen. Vierzig Projekte und achtzig Repos auf GitHub müssen verwaltet bzw. für den Umzug vorbereitet werden, dafür braucht es Arbeitskraft – mit anderen Worten: Eine starke Community ist für den Erfolg von EE4J essentiell.

Oracle, IBM, Red Hat & die Eclipse Foundation stehen Rede und Antwort

Kevin Sutter stellte klar, dass der „Grundstock“ dieser Community aus aktiven Committern und natürlich den Mitgliedern der derzeitigen Expert Groups bestehen soll. Ergänzt wurde diese Aussage von Mike Milinkovich, der eine Abweichung der üblichen Vorgehensweise bzgl. der Ernennung neuer offizieller Committer ankündigte. Das soll garantieren, dass gleich von Beginn eine große Diversität und Anzahl an Mitarbeitern für das Projekt zur Verfügung steht. Natürlich kann bereits jetzt jeder Interessent bei GitHub Pull Requests einreichen und sich über die offizielle Mailing-Liste an den Diskussionen rund um das Projekt beteiligen.

Zum Abschluss kam – es musste ja so kommen – die Frage auf, in welchen Zyklen EE4J (oder wie das Ergebnis im Endeffekt auch dann heißen mag) veröffentlicht werden wird. Mike Milinkovich scherzte, dass er ein Release alle zehn Jahre anstrebe, Heiko Rupp schränkte es auf „schneller als alle vier Jahre, vermutlich jedes halbe oder ganze Jahr“ ein. Geplant sind natürlich auch LTS-Versionen.

Open J9

Die Open Source JVM von IBM war auch außerhalb der Keynote ein sehr wichtiges Thema auf der EclipseCon. In seiner Session „Introducing OpenJ9 – Eclipse’s new Java VM“ präsentierte Charlie Gracie, Softwareentwickler bei IBM, das neue Projekt, das ganz offiziell nun Eclipse OpenJ9 heißt. Er zeigte den Besuchern dabei unter anderem, wie man OpenJDK in Verbindung mit OpenJ9 nutzen kann.

Natürlich sprach er auch über die Vorteile von OpenJ9 im Vergleich zur herkömmlichen Java Virtual Machine und betonte, dass der Fokus auf dem Footprint und der Performance liege. Der Footprint kann bei der Nutzung von OpenJ9 um bis zu 20 Prozent geringer ausfallen und es wird der Einsatz von J9ROMClass empfohlen, einer besseren Classfile-Implementierung, die die Veränderlichkeit verringert, wo es möglich ist.

Lesen Sie auch: Eclipse OpenJ9: IBM macht eigne JVM Open Source

Im offiziellen Repository von Eclipse OpenJ9 wird als Langzeitziel angegeben, ein offenes Ökosystem für Java-Entwickler zu schaffen. Weitere Informationen hat das Projektteam in einer FAQ zusammengefasst, darin geht es vor allem darum, wie sich OpenJ9 ins OpenJDK-Ökosystem integrieren lässt. Wer weitere Fragen (oder Antworten) hat, der kann sich auf Stack Overflow unter #OpenJ9 beteiligen und schlau machen.

Und sonst?!

Neben den Sessions und Workshops gab es auch in den Pausen natürlich einen großen Wissensdurst bei allen Beteiligten. Um diesen zu stillen, veranstalteten etwa die Entwickler der itemis AG in den Pausen fünfminütige Impulsiv-Talks (von denen ich in der nächsten Ausgabe von Eclipse Weekly berichten werde).

Was nehme ich persönlich mit von der EclipseCon? Eine Reihe von neuen Bekanntschaften, das tolle Gefühl meinen Helden von der Eclipse Foundation einmal persönlich begegnet zu sein ( 😉 ) und viele interessante Gespräche. Und natürlich – endlich – einen Sticker:

Kaum eine Community ist aktiver und innovativer als die der Eclipse IDE. JAXenter hat das Ohr am Puls der Entwicklungsumgebung und berichtet wöchentlich über die neuesten Entwicklungen und die spannendsten Geschichten rund um Eclipse.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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1 Kommentar auf "Eclipse Weekly Special: EE4J, Java EE, Java 9 & OpenJ9 – das war die EclipseCon 2017"

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[…] He was even more excited to finally meet the drivers behind Eclipse in person. He wrote already a good wrap up about ECE 2017 for his Eclipse Weekly newsletter […]