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Neues aus dem Land der Sonnenfinsternis

Eclipse Weekly: Das Special zur EclipseCon Europe 2016 (Zweiter Teil)

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / solarseven

Eclipse Weekly ist zurück aus der EclipseCon-Pause – und natürlich gleich mit einem Special zum großen Eclipse-Treffen in Ludwigsburg. Auch im zweiten Teil lassen wir dafür Speaker und Besucher zu Wort kommen, die von ihren Highlights der vergangenen Woche berichten.

Die EclipseCon 2016 in Ludwigsburg

Zum elften Mal traf sich die Eclipse-Community vom 25. bis 27. Oktober auf der EclipseCon Europe 2016. In den etwa 150 Sessions von über 140 Speakern gab es viel Neues und Interessantes zu allen möglichen Themen rund um die Entwicklungsumgebung Eclipse zu erfahren.

Das Themenspektrum reichte dabei von IoT über OSGi bis hin zu Core-Java und grundlegenden Eclipse-Technologien. Und auch die Verpflegung stand ganz im Zeichen der beliebten Eclipse IDE, wie man an den Eröffnungs-Cupcakes sieht:

Die Eröffnungs-Cupcakes luden zum Schlemmen ein / Quelle: EclipseCon via Twitter

Die Eröffnungs-Cupcakes luden zum Schlemmen ein / Quelle: EclipseCon via Twitter

Um ein möglichst vielfältiges Bild des Konferenz-Geschehens zu bekommen, haben wir Speaker und Besucher gebeten, uns ihre persönlichen Konferenz-Highlights zu verraten.

Das sagen die Besucher und Speaker (Teil 2)

Jonas Helming

Vorsitzender des Program Committees der EclipseCon Europe 2016
jonas_helmingFür mich war die EclipseCon Europe in diesem Jahr besonders spannend, da ich als Chair des Program Commitees zusammen mit meinem Team für die Auswahl der Sessions verantwortlich war. Leider konnte ich natürlich nicht alle Talks persönlich besuchen. Mit dem was ich gesehen habe, war ich allerdings sehr zufrieden und ich hoffe, das sehen auch unsere Besucher so. An dieser Stelle ein kleiner Aufruf an alle Besucher, die Talks nun im Nachinein auch auf der Konferenzseite zu bewerten. Dieses Feedback hilft uns im nächsten Jahr bei der Bewertung der Einreichungen.

Ein Highlight waren für mich auf jeden Fall die beiden Keynotes von Stephen Carver und Dr. Benno Willke, sowie der Talk von Microsoft über das Language Protocol. Weiterhin konnte man auf der EclipseCon Europe ganz deutlich die große Aktivität und Vielfalt im Eclipse-Ökosystem spüren. Von der Plattform bis IoT, von Modeling bis Cloud IDE gab es überall interessante, neue und sehenswerte Inhalte.

Torkild Ulvøy Resheim

PMC Member von Eclipse Science und Senior Software Developer bei der Itema AS
torkild_resheimDie EclipseCon Europe ist nicht nur das größte Eclipse-Event des Jahres, es ist meiner Erfahrung nach auch das absolute Community-Highlight. Auch dieses Jahr war da keine Ausnahme. Mit 619 Besuchern hat die EclipseCon Europe 2016 wieder einen Rekord aufgestellt und ein stetes Wachstum der Besucherzahlen kann von Jahr zu Jahr beobachtet werden. Auch was die Anzahl der eingesendeten Session-Vorschläge angeht, wurden in diesem Jahr alte Höchstwerte übertroffen. Neben den üblichen exzellenten Sessions, die auf neun Tracks verteilt wurden, gab es auch spaßigere Aktionen: Das Kahoot Quiz war zum Beispiel eine gute Gelegenheit, seine Ratefähigkeiten unter Beweis zu stellen und im Club ECE, in dem die großartige Band Cool Down spielte, konnte man das Tanzbein schwingen.

Zum zweiten Mal veranstaltete die EclipseCon Europe eine „Unkonferenz“. Ziel dieser war es, die Mitglieder der verschiedenen Working Groups für Face-to-Face-Meetings zusammenzubringen. Für mich als Mitglied der Science Working Group war es selbstverständlich, daran teilzunehmen. Es ist gerade ein wenig mehr als eine Woche her, seit die Science Working Group ihr erstes koordiniertes Software-Release hatte. Das Meeting stellte also eine gute Gelegenheit dar, unsere Erfahrungen auszutauschen. Wir starten außerdem ein neues Top-Level-Projekt mit dem schlichten Namen „Science“, auch darüber konnten wir ausgiebig diskutieren. Mit ein paar Demonstrationen stellten wir natürlich auch die verschiedenen Anwendungen vor, die wir auf Eclipse aufbauend entwickelt haben. Ian Mayos Vorstellung seines Tools zur Analyse von Seekampfmethoden. Alles in allem war es ein wirklich guter Tag.

Nach dem Unkonferenz-Tag besuchten einige von uns Tutorials, andere nahmen am Members Meeting teil. Beim Members Meeting haben die Mitglieder der Eclipse Foundation die Möglichkeit, mit den Mitgliedern der einzelnen Organisationen zu sprechen. Im Zuge dessen hielt Tracy Miranda einen Vortrag über die Diversität in Tech-Communities und am Abend gab es eine BoF-Session, bei der diskutiert wurde, was getan werden könne, um die Situation in der Eclipse Community zu verbessern. In meinen Augen ist dies eine wichtige und tolle Initiative, allerdings ist eine solche Entwicklung nicht von einigen wenigen Personen durchführbar. Dies betrifft die ganze Community und jeder muss dazu seinen Teil beitragen.

In der ersten Keynote zeigte Stephen Carver, was passieren kann, wenn in Organisationen die Kommunikation abbricht. Als Beispiel führte er hier die NASA und die Gründe für die Katastrophen der Space Shuttles Challenger und Columbia an. Das Thema war wirklich sehr gut dargestellt und an der Resonanz gemessen, die der Talk bekommen hat, kam die Keynote beim Publikum immens gut an. Es gab noch weitere Keynotes, mein Favorit war allerdings die letzte: Der Titel „Observation of Gravitational Waves from Black Hole Mergers – Dawn of a New Astronomy“ sagt eigentlich alles und Benno Willke schaffte es, das Ganze sehr unkompliziert klingen zu lassen. Was er allerdings nicht erwähnt hat, ist die Eclipse-RCP-Anwendung, die die Forscher für die Steuerung der LIGO-Experimente nutzen, mit denen die Gravitationswellen entdeckt wurden: Control System Studio.

Tracy Miranda

Eclipse January Committerin und Mitgründerin von Kichwa Coders
tracy_mirandaAuf der EclipseCon Europe 2016 habe ich den Klang des Universums gehört. Er war fantastisch und atemberaubend. Um ein wenig präziser zu sein: Es war der Klang zweier schwarzer Löcher, die vor über einer Milliarde Jahren miteinander kollidierten und Teil der fesselnden Keynote von Dr. Benno Willke über die Entdeckung von Gravitationswellen. Es war ein würdiger Abschluss einer Konferenz, die mit einer anderen grandiosen Keynote startete, nämlich der von Stephen Carver. Dieser brachte dem Publikum die starke und emotionale Geschichte der Menschen und der Technik hinter den Space-Shuttle-Katastrophen nahe. Eingerahmt wurde das Ganze von einer profunden Lehrstunde in Sachen Kommunikation und Vermeidung von Silo-Denken.

Das CDT Summit wurde in diesem Jahr zum ersten Mal auch auf der EclipseCon Europe abgehalten. Vor über zehn Jahren hatte ich die Ehre, die erste Entwicklerin aus Europa zu sein, die in das CDT-Projekt involviert wurde. Es war für mich persönlich also ein sehr spezielles Anliegen, das Summit auch nach Europa zu holen. Natürlich war es ein besonderer Anlass für mich, da Doug Schaefer, Co-Lead des Projektes, ebenfalls daran teilnehmen konnte. Der Summit war ein voller Erfolg, besonders im Hinblick auf das Einbinden von Contributors aus den etwas weiter entfernteren Teilen der Community, und wird nächstes Jahr definitiv wieder Teil des Programms sein.

Das Thema Diversität und die Sensibilität hierfür stand dieses Jahr besonders im Fokus der Community. Auch mein Talk „7 Habits of Highly Diverse Communities“ beim Board-and-Members-Meeting zu Diversität und die anschließende Birds-of-a-feather-Session waren Teil dieses Konferenzabschnitts. Wir hatten großartige Diskussionen und man spürte die positive Energie der Community. Es wurden auch viele praktische Vorschläge gemacht und ich bin sehr stolz darauf, dass wir als Community zusammenarbeiten, um so offen und integrativ wie möglich zu sein.

Die Science Working Group hat gerade das erste Simultaneous Release von fünf Projekten hinter sich gebracht – ein Grund mehr, auf der Konferenz zu feiern! Dies war wirklich ein signifikanter Meilenstein für diese noch junge Gruppe und es war einfach wunderbar, der Community über die Projekte Bericht zu erstatten.

Weitere Themen, die immer wieder aufkamen, waren die Language Server, Xtext, Eclipse Sirius, das Scripting, das Internet of Things und das Testen. Für mich persönlich war es mit drei Talks, einem BoF und der Organisation eines Summits die intensivste EclipseCon, die ich bislang erlebt habe. Im Großen und Ganzen war es mit dem Rekord von 619 Besuchern auch insgesamt die bis dato geschäftigste. Das Wichtigste waren wie immer selbstverständlich die Menschen: Ich freue mich darüber, dass ich das Glück hatte, mit vielen alten und neuen Freunden sprechen und Energien austauschen zu können.

Cédric Brun

Project Lead Eclipse Amalgamation und CTO von Obeo
cedric_brunWir bekamen, aus dem Blickwinkel der Modellierung bei Eclipse betrachtet, ein sehr positives Feedback zu Eclipse Sirius. Seit das Projekt vor drei Jahren erstellt wurde, habe ich nie so viel Zuspruch in Form von „Ich liebe es einfach“ oder „Es hilft mir so sehr, schnell zu builden“ bekommen.

Ich freue mich besonders darüber, wie wir als Gruppe (u.a. bestehend aus Programmkomitee, Architecture Council und verschiedenen Leadern) zusammenwachsen. Die Zusammenarbeit wird immer besser und das sieht man auf der Konferenz natürlich auch.

Die Idee, dass Eclipse mehr darstellt, als nur die reine Eclipse-Entwicklungsumgebung, sondern verschiedene IDEs zur Verfügung stellt, ist endlich angekommen. Nun, da dies breitflächig akzeptiert und verstanden wurde, gibt es tatsächlich noch mehr Kollaborationen, als vorher.

Melanie Bats

Eclipse Sirius Committerin und Softwareentwicklerin bei Obeo
melanie_batsDie EclipseCon Europe 2016 war aus technischer Sicht eine exzellente Konferenz. Es war großartig, das Language Server Protokoll in Aktion zu sehen und welche neuen Perspektiven es für IDEs wie Eclipse Che und das Projekt Xtext eröffnet. Doch natürlich war die EclipseCon viel mehr als eine rein technische Veranstaltung.

Ich habe mir zum Beispiel den sehr guten Talk von Natalie Cotté angesehen, in dem es um User Experience und darum ging, wie wir diese als Entwickler bereits zu Beginn eines Projektes im Blick haben sollten und nicht erst – wie gewöhnlich – gegen Ende. Ich mag Vorträge, die mir neue Impulse auch über meine tägliche Arbeit hinaus geben. In Ähnlicher Weise machte die erste Keynote von Stephen Carver deutlich, dass Kommunikation und Diversität die Schlüssel für jedes erfolgreiche Projekt darstellen.

Diversität war ebenfalls von großem Interesse in diesem Jahr. Dank der Bemühungen von Alex (Alexandra Schladebeck, Anm. d. Red.) in den letzten Monaten, wird diesem Themenbereich immer mehr Beachtung geschenkt. Wie es Tracy Miranda in ihrem Vortrag formulierte: „Wir sind alle Diversity Champions“ und daher haben wir alle unsere Rolle in der Community zu spielen.

Ich freue mich bei jeder Konferenz besonders darüber, die Leute aus der Community zu treffen! Auch in diesem Jahr hatte ich wieder die Chance, mit alten Freunden zu sprechen und neue Bekanntschaften zu machen. Die Community-Events waren einfach fantastisch, besonders habe ich das Kahoot Quiz, die Hot Dogs und das Bier genossen. Was mich außerdem sehr gefreut hat, war die Möglichkeit, eine große Anzahl von Sirius-Nutzern zu treffen. Das ganze Jahr über arbeite ich an diesem Projekt und es ist wirklich ein tolles Gefühl, das Feedback der Nutzer live und direkt zu bekommen.

Die EclipseCon Europe ist nun leider vorbei und das ist jedes Mal ziemlich traurig. Dafür erwarte ich nun aber alle von euch, die ein Interesse an graphischer Modellierung haben, auf der SiriusCon wiederzutreffen.

Lesen Sie auch: Eclipse Weekly: Das Special zur EclipseCon Europe 2016 (Erster Teil)

Das war es schon wieder für diese Woche. Aber keine Sorge, JAXenter hat das Ohr am Puls von Eclipse und berichtet wöchentlich über die spannendsten Entwicklungen aus einer der aktivsten Open-Source-Communities. Schauen Sie also nächste Woche wieder vorbei!

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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