Neues aus dem Land der Sonnenfinsternis

Eclipse Weekly: Wird „Eclipse Two“ 2017 zur Bedrohung für die klassische Eclipse IDE?

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / solarseven

Das neue Jahr startet für das Eclipse-Universum mit einem Paukenschlag: Doug Schaefer plant mit seinem Projekt „Eclipse Two“, die klassische Eclipse IDE abzulösen. Eclipse Orion erreichte unterdessen Version 13 und läutet damit neue Zeiten ein. Außerdem blicken wir mit Benjamin Cabé darauf zurück, was das Jahr 2016 für Eclipse IoT zu bieten hatte und Ian Skerrett verrät, was im IoT-Bereich für das kommende Jahr zu erwarten ist.

Eclipse Two

Eclipse ist am Ende!

Nein, das sind nicht die späten Nachwirkungen einer feucht-fröhlichen Silvesternacht, sondern lediglich eine Einschätzung der Lage von Doug Schaefer. Ganz so schlimm ist es wohl nicht, aber für die Zukunft sieht der Projektleiter der C/C++ Development Tools (CDT) nur eine Lösung: Eine neue Entwicklungsumgebung muss her. Diese soll den Namen Eclipse Two tragen und ist laut seiner GitHub-Präsenz die „real next-generation Eclipse IDE“.

Das mit der next-generation Eclipse IDE hört sich bekannt an? Richtig, Eclipse Che warb augenzwinkernd mit diesem Spruch, was vor kurzem noch für gehörigen Unmut in der Community sorgte. Bewusst provokant also, diese Titulierung, doch was steckt eigentlich hinter Eclipse Two und welche Ziele werden verfolgt?

Der Hintergrund

Auf seinem Blog schreibt Doug Schaefer, dass er sich ernsthafte Sorgen um die Zukunft von Eclipse macht, da die Entwicklungsumgebung immer weniger attraktiv für Tool-Entwickler wird:

As the state of the art for user interface frameworks gel around hardware accelerated graphics, I have been worrying for the future of Eclipse. Its age is really starting to show and it’s getting harder to find tools developers that want to work with it. And with the murky future of JavaFX and Java as a desktop application technology, It’s time to start looking for the next thing in desktop IDE frameworks.

Seine Lösung ist die Entwicklung einer neuen, Web-basierten IDE, die vom Aufbau her einer Webseite gleichen soll. Nicht zu verwechseln sei diese Ambition allerdings mit einem einfachen Text-Editor-Framework wie etwa Visual Studio Code.

Die Technik

Technisch gesehen basiert Eclipse Two auf Electron, einer Kombination aus Chromium und node.js. Die IDE soll, wie oben erwähnt, einer Webseite gleichen, dabei aber Zugriff auf lokale Ressourcen und Tools sowie auf Cloud-basierte Services haben. Plug-ins sollen dynamisch bei Bedarf geladen werden können und mit Microservices gelauncht und integriert werden. HTML 5 wird für das User Interface verwendet, node.js dient als Backend.

Ein Schlüssel für die Arbeit mit Eclipse Two stellt das im letzten Jahr von Red Hat, Microsoft und Codenvy vorgestellte Language Server Protocol dar. Durch andere Protokolle sollen weitere Tools integriert werden können. Der Texteditor der Wahl ist Microsofts Monaco, der auch bei Visual Studio Code zum Einsatz kommt. Dieser soll zunächst JavaScript, HTML, CSS und package.json unterstützen. Das Language Server Protocol könnte dann für die Integration weiterer Sprachen sorgen.

Das Ziel

Das Ziel des ganzen Aufwandes soll eine Entwicklungsumgebung sein, die fit für die Zukunft ist. Doug Schaefer sieht sein Projekt als mögliche Plattform für die nächsten 20 Jahre und als klare Alternative zur „herkömmlichen“ Eclipse IDE. Anders als Eclipse Che ist Eclipse Two allerdings noch kein offizielles Eclipse Projekt.

Ob die Eclipse Foundation und die Community Eclipse Two in naher Zukunft als ein solches begrüßen werden, bleibt abzuwarten. Ein solches Proposal ist offenbar zumindest geplant, denn Doug Schaefer schrieb bereits, dass er bei der zukünftigen Entwicklung hofft, auf die Eclipse Community zählen zu können.

Alle Informationen zu Eclipse Two gibt es auf der GitHub-Seite des Projekts und auf dem Blog von Doug Schaefer. Auf der GitHub-Seite gibt es, für alle die an einer Mitarbeit interessiert sind, einen Architecture Guide.

Eclipse IoT: Rückblick & Ausblick

Rückblick

Jetzt, wo das Jahr 2016 vorüber ist, blicken nicht nur wir (wie bereits vor den Feiertagen in unserem Jahresrückblick geschehen) auf die Ereignisse des vergangenen Jahres zurück. Auch Community Evangelist Benjamin Cabé hat eine Analyse des letzten Jahres in Bezug auf die Eclipse IoT Working Group auf seinem Blog veröffentlicht.

Aus seiner Analyse geht hervor, dass in den 26 zugehörigen Projekten 2.3 Millionen Zeilen von Code produziert wurden. Daran beteiligt waren über 250 Entwickler aus aller Welt. Die Besucherzahl auf den Webseiten der Working Group liegt zusammengenommen bei etwa 1.3 Millionen.

Das Jahr 2016 der Eclipse IoT Working Group in Zahlen / Quelle: Benjamin Cabé

Das Jahr 2016 der Eclipse IoT Working Group in Zahlen / Quelle: Benjamin Cabé

Verantwortlich für die Arbeit an den Projekten sind, neben Entwicklern von Firmen wie der Robert Bosch GmbH (19.4 Prozent), Eurotech (18 Prozent) und Red Hat (7.9 Prozent), vorrangig freie Entwickler (40.8 Prozent). Das zeigt laut Benjamin Cabé, wie verbreitet der Open-Source-Gedanke im Internet of Things ist.

Neben den 8 neuen Projekten, die der Eclipse IoT Working Group im letzten Jahr beigetreten sind, werden zwei Technologien, die bereits etwas länger der Working Group angehören, an prominenter Stelle verwendet. Amazon, Microsoft, IBM, Samsung, SAP und Predix stellen ihren Kunden IoT-Plattformen zur Verfügung, die über SDKs verfügen, die wiederum auf Eclipse Paho und Eclipse Mosquitto aufsetzen.

Ausblick

Was sind die Trends 2017 für das Internet der Dinge? Mit dieser Frage hat sich Ian Skerrett in seinem Blog auseinandergesetzt. Das erste, mit dem er rechnet, ist ein Rückgang der IoT-Plattformen. Derzeit gibt es hunderte verschiedene Plattformen, doch nur wenige werden am Ende auch von großen Firmen aufgekauft werden oder sich durchsetzen, vermutet der Marketing-Chef der Eclipse Foundation.

In diesem Jahr wird der Rückgang laut Skerrett damit beginnen, dass deutlich weniger neue IoT-Startups mit Investments rechnen können. Über die nächsten Jahre werden sich dann fünf bis sieben IoT-Plattformen durchsetzen. Skerrett ist sich sicher, dass wenigstens eine davon eine Open-Source-Plattform und im Eclipse-Universum zuhause sein wird.

Da die Anbeiter von IoT-Technologien nun langsam ihren (Markt-)Wert unter Beweis stellen müssen, wird es aller Voraussicht nach zu einem Fokus auf vertikale Industrien kommen. Dazu zählen unter anderem die Industrie 4.0, Smart Cities und Connected Cars. Dass Open-Source-Technologien wie Eclipse 4DIAC und Eclipse Milo davon profitieren werden, davon ist er überzeugt.

Mit Eclipse ioFog wurde der Grundstein für die Entwicklung von Fog-Computing-Lösungen mit Eclipse gelegt. Für das Jahr 2017 erwartet Ian Skerrett, dass sich das Fog Computing weiter verbreiten wird, auch wenn die Definition, was das eigentlich ist, noch sehr schwammig ist. Das Buzzword für die IoT-Community wird also in diesem Jahr Fog bzw. Edge Computing sein.

Eclipse User Profil

Das Eclipse User Profil nimmt langsam aber sicher Formen an. Noch vor Weihnachten hat Antoine Thomas auf seinem Blog verkündet, dass nun die Projekte im Reiter Projects aufgelistet werden. Neben dem Projektnamen wird hier auch die jeweilige Rolle der Community-Mitglieder in den gelisteten Projekten angezeigt.

Projektübersicht im User Profil / Quelle: Antoine Thomas

Projektübersicht im User Profil / Quelle: Antoine Thomas

Zusätzlich zur Liste gibt es auch einen neuen Eintrag im Statistik-Block auf der rechten Seite. Dort wird zukünftig auch die Gesamtzahl der Projekte angezeigt, an denen der jeweilige Nutzer beteiligt ist. Das Eclipse User Profile ist seit 1. Dezember letzten Jahres offiziell verfügbar und soll jeden Monat mit neuen Features ausgestattet werden, bis es dereinst fertig sein wird.

Orion 13

Kurz vor Weihnachten gab es auch das nächste Major Release von Orion. Für Version 13 der Browser IDE wurden 180 Verbesserungen und Bugfixes ein- bzw. durchgeführt. Unter anderem wurde die Accessibility verbessert und das Code Edit Widget mit neuen Funktionen ausgestattet. In Bezug auf Letzteres ist es nun endlich möglich, den Keybinding-Dialog zu sehen und man kann sein eigenes, individuelles Code Folding hinzufügen.

Interessanterweise gehen die Entwickler von Orion für Version 13 ebenfalls den Weg in Richtung Electron: Eine experimentelle Version von Orion, die als Electron-Anwendung läuft, wurde erstellt. Wer diese ausprobieren möchte, der muss sie aktuell noch lokal builden und starten. In Zukunft sollen allerdings Builds direkt vom Orion-Team zur Verfügung gestellt werden. Ebenfalls experimentell ist die Unterstützung des Language Server Protokolls. Wie man dies in Orion aktiviert, kann man diesem Readme entnehmen.

Die experimentelle Orion Electron-Anwendung / Quelle: Eclipse Orion

Die experimentelle Orion Electron-Anwendung / Quelle: Eclipse Orion

An Orion 13 arbeiteten 13 Entwickler und – angeblich reiner Zufall – implementierten 13 neue Linting-Regeln. Zu diesen gehören unter anderem no-extra-bind und no-implicit-coercion. Eine vollständige Liste gibt es im Wiki von Orion. Im Einklang mit diesen Regeln gab es auch neue Quick-Fixes und ein Update auf ESLint 3.0.1.

Code Formatting in Orion 13 / Quelle: Eclipse Orion

Code Formatting in Orion 13 / Quelle: Eclipse Orion

Neben dem Support für ECMA 2016 wurde auch Code Formatting eingeführt: Dank des neuen Plattform APIs (orion.edit.format) können Nutzer ab sofort auf vier Sprachformatierungsimplementierungen zurückgreifen, nämlich auf jene für JavaScript, HTML, CSS und JSON. Zudem wurde ein HTML Validator eingebaut und der HTML Parser aktualisiert; für die Linting Nachrichten, die vom CSS-Tooling kommen, sind nun weitere Sprachen neben Englisch verfügbar.

Eine vollständige Liste mit allen wichtigen Änderungen der aktuellen Version findet sich auf Planet Orion.

Vorsätze für das neue Jahr

CWj8WNxpSilvester und Neujahr sind die Tage, an denen sich (auch Entwickler) gute Vorsätze für das folgende Jahr vornehmen. Lars Vogel etwa, Platform UI Lead bei Eclipse, hat sich für das kommende Jahr vorgenommen, die Toolbar von Eclipse ausgeblendet zu lassen. Davon erhofft er sich, seine Nutzung von Shortcuts in Eclipse zu intensivieren, während er sich gleichzeitig über den netten Nebeneffekt, einen größeren Arbeitsbereich, freuen kann.

j39IGa_oNeben seinem oben angekündigten Projekt, Eclipse Two, hat sich Doug Schaefer für das kommende Jahr vorgenommen, mehr über seine Tätigkeit zu schreiben. Gerade im Hinblick auf Eclipse Two ist das für unsere Leser und uns natürlich sehr erfreulich. Wir wünschen Lars und Doug (auch aus Eigeninteresse) viel Erfolg bei der Einhaltung und Umsetzung dieser guten Vorsätze 😉
 
 
Kaum eine Community ist aktiver und innovativer als die der Eclipse IDE. JAXenter hat das Ohr am Puls der Entwicklungsumgebung und berichtet wöchentlich über die neuesten Entwicklungen und die spannendsten Geschichten rund um Eclipse.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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