Neues aus dem Land der Sonnenfinsternis

Eclipse Weekly: Eclipse Photon, die Gründung der OpenMobility Working Group und die ewige Namensfrage

Dominik Mohilo

© Shutterstock / solarseven

Was? Drei Monate ist das bereits her? Kann ja gar nicht sein! Eclipse Weekly meldet sich zurück aus der Sommerpause. Diesmal mit an Bord ein Wrap-up der wichtigsten Neuerungen in Eclipse Photon und dazu passende Videos, ein Kommentar zur Namensfrage und dem zukünftigen Release-Zyklus für die Eclipse IDE und ein kurzer Blick auf die neue OpenMobility Working Group.

Eclipse Photon – Wrap up

Pünktlich wie seit 14 Jahren erschien auch in diesem Sommer das Simultaneous Release der Eclipse DIE und wieder hieß es Größer. Beteiligt waren diesmal 85 Projekte und 73 Millionen Zeilen Code wurden von 620 Entwicklern (Committer + Contributors) verfasst. Kein kleines Update – im Gegenteil: Eclipse Photon ist das bislang größte Simultaneous Release der Eclipse-Geschichte. Und vermutlich wird es das auch bleiben. Denn anstelle wie gehabt im Sommer eines jeden Jahres ein solches Mammutprojekt auf die Beine zu stellen, wird es in Zukunft kleinere Simultaneous Releases geben (dazu später mehr).

Doch bleiben wir erst einmal beim aktuellen Release, Eclipse Photon. In unserem Update Thread zum aktuellen Release haben wir die verschiedenen Meilensteine in Sachen Java Development Tools (JDT), der Eclipse-Plattform und dem Plug-in Development Environment (PDE) bereits begleitet. Hier noch einmal die Neuerungen von Eclipse Photon in der Übersicht.

Java & Maven

In Oxygen 3.a wurde JUnit 5.0 offiziell unterstützt, ab Photon gibt es Support für JUnit 5.1. Auch wenn Java 9 (seit Oxygen.1a) und Java 10 (seit Oxygen.3a) bereits im Vorfeld unterstützt wurden, gab es für Photon ein paar kleinere Verbesserungen, die Holger Voormann in seinem Video zu Java und Maven in Eclipse Photon zusammengefasst hat. In Sachen Maven-Intergration, ebenfalls im Video näher erläutert, kann ab sofort unter anderem die Compiler Flag --release genutzt werden.

Allgemein & Git

Natürlich ging auch Eclipse Photon wieder in Schen User Experience und User Interface ein paar Schritte nach vorne. An etlichen Stellen wurde die Optik des Dark Themes erneut verbessert, glattpoliert und aufgewertet. Für die Pakete Java, Java EE, JavaScript und Modeling gibt es nun den „Tip of the Day“. Auch hierzu und den Verbesserungen in Sachen Git hat Holger Voormann ein Video erstellt, dass wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen:

Weitere Verbesserungen

Eine Besonderheit des Eclipse Photon Releases ist sicher das neue IDE-Paket „Eclipse DIE for Rust Developers“. Bereits auf der JAX 2018 kündigte Mike Milinkovich im Interview an, dass es eine eigene Eclipse IDE für die Entwicklung von Rust geben werde. Die Sprache wird via Language Server Protocol unterstützt, dies zeigt recht deutlich, dass die Eclipse IDE in Zukunft voll auf das Protokoll setzen wird, was die Implementierung neuer Sprachen angeht.
Eine vollständige Liste mit Änderungen gibt es auf der Seite News and Noteworthy des Photon Releases.

PS:

Eclipse XY: Gebt dem Kind doch einen Namen!

Am Ende kam es nun doch so, wie viele bereits vermutet oder sich gar gewünscht haben: Die schmucke Namensgebung für das jährliche Simultaneous Release wird voraussichtlich abgeschafft. Das bei Experten und Community-Altmeistern ohnehin nicht sonderlich beliebte Namensschema wird also zukünftig wohl nicht mehr zelebriert werden, jedenfalls sieht es ganz danach aus.

Mit Eclipse Photon wurde vor wenigen Wochen das letzte „große“ Sommer-Release durchgeführt, ab sofort wird die Release-Frequenz, wie Wayne Beaton im Interview mit JAXenter verriet, auf ein Release alle drei Monate umgestellt. „Durch diese Änderung verliert das Juni-Release ein wenig von seiner Signifikanz, weshalb wir uns entschieden haben, keine ‚richtigen’ Namen mehr zu vergeben“, so Beaton.

Namensschema F

Zukünftig werden die Eclipse Releases nun nach dem Schema YYYY-MM benannt, die nächste Version wird dann Eclipse 2018-09 heißen. Vom rein logischen Standpunkt her ist dies sicher nachvollziehbar: Keines der kommenden Releases soll als „wichtiger“ wahrgenommen werden als das vorhergehende oder nachfolgende. Das neue Namensschema zeigt deutlich, dass die aktuellste Version immer die ist, die das aktuellste Datum trägt.

Ob dies für die Vermarktung des Produktes wirklich sinnvoll ist, bleibt abzuwarten. Auch wenn es viel Kritik für das Schema Eclipse Oxygen oder Eclipse Photon (Photon.0, Photon.1, Photon.2, Photon.3) gab, war die Namensfindung aber immer ein Event für die Community und eben ein Markenzeichen von Eclipse, das die Entwicklungsumgebung der Konkurrenz voraus hatte.

Etwas, das einigen Mitgliedern der Community aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass wir zwar Releases mit einem Namen versehen, aber nicht wirklich das benennen, was wir eigentlich veröffentlichen. Wir haben ein Eclipse Photon Repository, Eclipse Photon Packages und sogar das Eclipse Photon Simultaneous Release, aber anders als das Simultaneous Release hat das Ding, das wir produzieren, gar keinen Namen. Für die Community wird die Namensfrage eine interessante Aufgabe, besonders im Hinblick darauf, dass wir nun mehrere Simultaneous Releases haben werden.

Wayne Beaton

Doch Eclipse Quasar, Eclipse Radon & Eclipse Saturn?

Das oben eingebundene Zitat von Wayne Beaton gibt zumindest einen Hinweis darauf, dass die Eclipse Foundation sich nicht zwangsläufig einer Namensgebung für die einzelnen Releases versperren würde. Ob man Seitens der Organisation allerdings bereit und willens ist, für jedes der vier jährlichen Releases eine eigene Website, Demo Camps, Webinare etc. zu veranstalten, wie das bislang beim Sommer-Release der Fall war, ist zumindest fraglich. Genauere Informationen hierzu gibt es von offizieller Seite aber bislang noch nicht.

Das Problem ist natürlich, dass die möglichen Anfangsbuchstaben viel zu schnell ausgenutzt wären: Bei einem Release pro Jahr hätte man noch zehn mögliche Anfangsbuchstaben gehabt und hätte dann erst 2029 vor einem Problem gestanden. Die neue Release-Kadenz allerdings würde bereits im Jahr 2021 alle möglichen Anfangsbuchstaben aufgezehrt haben.

Es wird in der Tat, hier muss man Wayne Beaton zustimmen, interessant zu sehen sein, ob die Community nun die Namensfrage doch noch einmal aufwirft, oder sich einfach in das neue Namensschema fügt. Wir bleiben dran.

Neue Working Group: OpenMobility

Bereits Anfang Mai wurde der Grundstein für eine neue Eclipse Working Group gelegt, die OpenMobility Working Group. Im Kern wird sich die OpenMobility Working Group mit Technologien zur Simulation und der Mobilitätsmodellierung beschäftigen. Im Klartext geht es also darum, Tools für die detaillierte Simulation der Bewegung von Fahrzeugen und Personen sowie deren Kommunikationsmuster zu erstellen. Interessant ist dieser Ansatz etwa, so gibt man in der Working Group Charta, zum Beispiel für Fahrassistenzsysteme, die Vorhersehbarkeit und Optimierung von Verkehr und neue, darauf basierende Geschäftsmodelle (Mobility-as-a-Service).

Später soll dann das OpenMobility Framework entstehen, das in sich Tools vereint, die auf von der Working Group validierten Modellen basieren. Ziel ist es dann, diese Tools als Standard für tatsächliche Anwendungen der Industrie und den Bildungssektor zu etablieren. Projekte der Eclipse Foundation, die mit der neuen Working Group im Zusammenhang stehen, werden technische Implementierungen der API-Spezifikationen bereitstellen.

Koordinierend wird die OpenMobility Working Group die Verantwortung für Projekte unter dem Dach der Eclipse Foundation übernehmen, die die folgenden Fachbereiche abdecken:

  • Die Mikroskopische und mesoskopische Verkehrssimulation
  • Die Simulation der Kommunikation von Fahrzeug zu Fahrzeug bzw. Fahrzeug zu Infrastruktur
  • Die Simulation von Fußgängerdynamiken
  • Infrastrukturen für die Verknüpfung von Simulatoren
  • Benutzeroberflächen für Fahrassistenzsysteme (Advanced Driver Assistance Systems) und intelligente Transportsysteme

Wer gerne mehr zur neuen Working Group wissen möchte, findet umfangreiche Informationen in der vorgeschlagenen Projektcharta und im Wiki-Eintrag auf der Homepage von Eclipse.

Kaum eine Community ist aktiver und innovativer als die der Eclipse IDE. JAXenter hat das Ohr am Puls der Entwicklungsumgebung und berichtet wöchentlich über die neuesten Entwicklungen und die spannendsten Geschichten rund um Eclipse.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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