Neues aus dem Land der Sonnenfinsternis

Eclipse Weekly: Der Eclipse-Jahresrückblick 2016

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / solarseven

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und im Fernsehen beginnt die Zeit der Jahresrückblicke. Und auch hier auf JAXenter können wir uns diesem alljährlichen Trend nicht vollends entziehen. Daher ist es nun an der Zeit, das Eclipse-Jahr 2016 Revue passieren zu lassen.

Größtes Highlight war in diesem Jahr natürlich auch wieder das Major Release von Eclipse mit Namen Neon. JAXenter-Autor Holger Voormann fasste in seinem Artikel zum Release die neun Highlights der neuen Version zusammen, in unserem Eclipse Weekly Special zu Neon gab es abrundend dazu interessante Hintergrundinfos und einige bekannte Akteure des Eclipse-Universums nannten uns die Features, die für sie persönlich am wichtigsten waren. Doch da gab es noch mehr…

Wie soll sie denn nun heißen?

Als wir im Februar dieses Jahres mit Eclipse Weekly begannen, war gerade die Namensdiskussion um die beiden nächsten Versionen nach Eclipse Mars in vollem Gange: Wie wir nun wissen haben sich Eclipse Neon und Eclipse Oxygen durchgesetzt. Die offiziellen Projektnamen werden seit 10 Jahren von der Community gewählt und haben traditionell einen wissenschaftlichen Hintergrund.

Seit Mai gibt es eine von Tracy Miranda angeregte Diskussion, die Eigennamen von Eclipse durch generische und sich am Erscheinungsjahr orientierende Bezeichnungen zu ersetzen. Wie in der zugehörigen Ausgabe von Eclipse Weekly bereits angemerkt, halten wir eine Änderung für unnötig und unsinnig. Da das Major Release von Eclipse immer im Sommer veröffentlicht wird und auch im Folgejahr noch Updates zu diesen erscheinen, ist eine fortlaufende Versionsbezeichnung mit Jahreszahlen in unseren Augen nicht befriedigend umsetzbar.

Vorschlag für den Eclipse Oxygen Splash Screen / Holger Voormann

Ist das der neue Eclipse Splash Screen für Oxygen? / Holger Voormann

Auch aus Marketingsicht wäre ein Aufgeben der ikonischen Namen für die Veröffentlichungen nicht besonders klug. Nicht nur der Splash Screen, der beim Start der Entwicklungsumgebung erscheint, orientiert sich an dem Namen. Auch die Downloadseite und zahlreiche Promo-Aktionen (etwa auf Twitter) werden an den Versionsnamen angepasst.

Weiteren Zank brachte dann die Diskussion um den neuen Eclipse Oxygen Splash Screen. Nachdem Holger Voormann und Kat Hirsch der Community einige Vorschläge zum neuen Design vorgelegt hatten, entbrannte die Diskussion darum, ob die Entwicklungsumgebung Eclipse nicht prinzipiell als Eclipse IDE bezeichnet werden müsse – also auch im Splash Screen. Die Verwendung des Logos wurde ebenfalls von Wayne Beaton (Eclipse Foundation) in Frage gestellt.

Genau wie bei der Frage nach den zukünftigen Releasenamen ist unsere Meinung dazu klar: Never change a running System. Das Logo und die Abkürzung des IDE-Namens zu Eclipse sind, wie die Namen Oxygen, Neon und Mars, Dinge, die einfach zu Eclipse dazugehören. Diese sollte man nicht ändern, sondern als Marketinggrundlage sinnvoll und gewinnbringend einsetzen, um mehr Nutzer für die Entwicklungsumgebung zu begeistern.

Der größte Gewinner 2016

Welches Projekt könnte damit wohl gemeint sein, wenn nicht Eclipse Che? Die IDE-Plattform war in diesem Jahr oft das Thema und es wurde sogar eine eigene virtuelle Konferenz für Che veranstaltet. Selbst bei IT-Gigant Microsoft, dessen General Manager Developer Division, Shanku Niyogi, auf der EclipseCon NA 2016 die Kompatibilität der Visual Studio Team Services (VSTS) und Azure mit Eclipse Che bekannt gab, ist sie also angekommen. Im gleichen Atemzug wurde Microsofts Beitritt zur Eclipse Foundation als Solution Member angekündigt.

Das ist Eclipse Che

Eclipse Che ist für Web- und Cloud-Entwickler gedacht, die mobile Workspaces und die Nutzung der Container-Technologie für sich beanspruchen. Ein vollkommenes Rund-um-Paket also, das bereits von namhaften Firmen wie IBM, Red Hat und SAP (nicht zu vergessen Microsoft) genutzt wird.

Überblick der Eclipse Che Architektur. / Quelle: https://eclipse-che.readme.io/docs/

Überblick der Eclipse Che Architektur. / Quelle: https://eclipse-che.readme.io/docs/

Eclipse Che kann allerdings auch ganz einfach als Desktop IDE genutzt werden. Der Workspace Server, der sonst auf einem Application-Server wie Tomcat aufsetzt und dafür sorgt, dass die IDE im Browser geladen werden kann, wird von Che dann als Embedded Service verwendet. Und spätestens hier kommt dann die Frage auf, in welchem (Konkurrenz-)Verhältnis Che zur traditionellen Desktop Eclipse IDE steht.

Belebende Konkurrenz?

Der Erfolg von Eclipse Che ist mit Sicherheit auch auf die richtige Marketing-Strategie bei Codenvy zurückzuführen. Bis zu 15 Stunden pro Woche würden ausschließlich für das Content Marketing eingeplant, verriet Tyler Jewell, CEO des Unternehmens, das hinter Eclipse Che steht. Mit Erfolg: Über 2.000 Entwickler nahmen an der digitalen Konferenz CheConf 2016 teil.

So viel Erfolg und Beliebtheit wird aber nicht allumfassend positiv aufgenommen. Stimmen wurden laut, dass der Spruch The next-generation IDE den Nutzern suggerieren könnte, die Entwicklungsumgebung Eclipse selbst sei ein veraltetes Modell. Die Wogen haben sich mittlerweile geglättet, ob der Brand unter der Oberfläche allerdings noch schwelt ist ungewiss. Fakt ist: Eclipse Che ist – nicht zuletzt durch die auf der CheConf 2016 angekündigte zukünftig aktive Mitarbeit von Docker Inc. an dem Projekt – eine ernstzunehmende Größe in der Welt der IDEs geworden und damit unser Gewinner 2016.

Das größte Comeback 2016

Gorkem Ercan von Red Hat verkündete im Eclipse-Newsletter des Monats Mai, dass die JavaScript Development Tools (JSDT) auf die aktuellste Version des ECMAScriptes aktualisiert wurden. Damit wurde eine lange gewünschte Wiederbelebung der Entwicklung und Betreuung des Projektes eingeleitet, die für uns das Comeback im Eclipse-Universum 2016 ist.

Technisch gesehen wurde zunächst die bestehende parsrer/compiler-Toolchain ersetzt; der neue esprima-Parser unterstützt ECMAScript 2015 (ES6) und damit die aktuellste Version der JavaScript-Spezifikation. Die Umstellung einer zentralen Komponente wie dem parser/compiler des Entwicklungs-Tools hat viele Features der JavaScript Development Tools betroffen. Die Einführung der neuen Keywords wie for-of, const und let sind zusätzlich Teil des ersten Schwungs neuer Features gewesen.

ES6-Features im Editor / Quelle: Eclipse Foundation Newsletter

ES6-Features im Editor / Quelle: Eclipse Foundation Newsletter

Für Eclipse Neon.1 wurden dann im Oktober schließlich 41 Probleme behoben, die teilweise seit fünf Jahren in Bugzilla hinterlegt waren. Mit der aktualisierten Version Neon.1 ging auch eine Überarbeitung der Node.js Debugger Facilities einher. Zudem ist es seit dem Update möglich, das Kommando Run as Grunt / Gulp task via Quick Access auszuführen. Für das kommende Neon.2-Release hat sich das Team hinter den JSDT vorgenommen, zum Closure-Compiler zu wechseln.

Der größte Fail 2016

In einem offiziellen Statement gab Ian Skerrett im Sommer bekannt, dass die Einführung der umstrittenen Unique User ID (UUID), die nur zwei Wochen zuvor angekündigt worden war, wieder abgeblasen wurde. Die Gründe dafür waren das durchweg negative Feedback aus der Community. In seinem Statement sagte Ian Skerrett:

Luckily, the feedback from the community was clear, immediate and negative, so we quickly removed the UUID code. The code has now been removed and the Eclipse Neon release will not include any form UUID.

— Ian Skerrett, Eclipse Foundation

Mit der UUID hatte die Eclipse Foundation die Absicht, anhand der Informationen, die durch die Observation von Nutzern der Entwicklungsumgebung generiert werden, Entwickler besser zu verstehen. Ziel war es, die User Experience zu verbessern. In seinem Statement gab Ian Skerrett zu, dass dieser Ansatz ein Fehler war und entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten. Die bis dato gesammelten Informationen dürften mittlerweile gelöscht worden sein.

Eclipse Day auf der JAX 2016

Die JAX 2016 in Mainz gab meinem Kollegen Hartmut Schlosser und mir die Möglichkeit, uns mit Jonas Helming (EclipseSource München GmbH) bzw. Lars Vogel (vogella GmbH) zu unterhalten und sie zu interviewen. Im Gespräch mit Jonas ging es um die aktuellen Geschehnisse in den Bereichen IoT, Modeling und der Entwicklungsumgebung allgemein. Und natürlich durfte die Frage nicht fehlen, wie sich Eclipse im Vergleich zur Konkurrenz NetBeans und IntelliJ schlägt. Lars hingegen sprach im Interview über Eclipse Neon (4.6), die Vorteile von Eclipse gegenüber anderen Entwicklungsumgebunen und die Zukunft der IDE.

In unserer Eclipse-Standortbestimmung von der JAX 2016 haben wir alle Ereignisse und Neuigkeiten zu Eclipse zusammengefasst, die auf der Konferenz Thema waren. Mit dabei waren Tom Schindl, Dirk Fauth, Dr. Jan Köhnlein, Simon Scholz und natürlich die oben genannten Lars Vogel und Jonas Helming.

Eclipse 2017

Ein großes Thema des auslaufenden Jahres war natürlich auch die Zukunft von Eclipse. Von einer Krise kann man nicht wirklich sprechen, denn die Aktivität – gerade in den Working Groups und bei Projekten wie Che – ist durchaus beachtlich. Dennoch ist es nicht zu verleugnen, dass Konkurrenzprodukte, insbesondere IntelliJ IDEA, immer mehr an Zulauf gewinnt. Auch der Umzug von NetBeans zur Apache Software Foundation könnte Eclipse Nutzer kosten, wenn die mittlerweile etwas ins Hintertreffen geratene Entwicklungsumgebung wieder aktiver betreut und weiterentwickelt wird.

Um also im Ellbogenkampf mit den Konkurrenten zu bestehen muss 2017 der Fokus auf zwei Dingen liegen: Zum einen auf gutem Marketing – sowohl seitens der Foundation als auch der einzelnen Projekte. Eclipse ist viel mehr als eine Entwicklungsumgebung. Die Bezeichnung Eclipse-Universum ist Programm, denn Eclipse besteht aus Community, Projekten und dem Zentralgestirn in Form der „klassischen“ IDE. Zum anderen muss der User Experience weiterhin große Beachtung geschenkt werden. Eines sollte man aber nie vergessen:

Eclipse shipped, on-time, every-time, for 15 years. Eclipse Delivered.

— Ian Bull

Die Zukunft von Eclipse sieht also keineswegs düster aus und natürlich belebt Konkurrenz das Geschäft. Das vergangene Jahr war sehr ereignisreich und die Community hat ihre Aktivität immer wieder aufs Neue unter Beweis gestellt. All das sind gute Voraussetzungen für ein spannendes Jahr 2017, auf das wir uns hier in der Redaktion von JAXenter sehr freuen.

Wir wünschen allen Eclipse-Weekly-Lesern frohe Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Kaum eine Community ist aktiver und innovativer als die der Eclipse IDE. JAXenter hat das Ohr am Puls der Entwicklungsumgebung und berichtet wöchentlich über die neuesten Entwicklungen und die spannendsten Geschichten rund um Eclipse.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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