Neues aus dem Land der Sonnenfinsternis

Eclipse Weekly: Warum Ceylon ein Eclipse-Projekt werden will & was das Framework sprotty so drauf hat

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / solarseven

Nächste Woche erscheint Eclipse Oxygen. Wer es nicht mehr bis zum offiziellen Release aushält, der kann sich aktuell den dritten Release Candidate herunterladen. Lieber mal vom rein textuellen Coden wegkommen und sich mit etwas Graphischem beschäftigen? Dann lohnt sich ein Blick auf das neue Diagramm-Framework sprotty. Das und noch mehr gibt es in der aktuellen Ausgabe von Eclipse Weekly.

TypeFox sprotty

Das Unternehmen TypeFox ist derzeit vor allem wegen der Beteiligung und Initiierung des Theia-Projektes in aller Munde. Theia, das ist eine Desktop- und Cloud-IDE in einem und basiert auf modernen Web-Technologien. Jetzt hat das Unternehmen ein weiteres Projekt vorgestellt, das den Namen „sprotty“ trägt.

Hinter dem Namen „sprotty“ versteckt sich ein Web-basiertes Framework für Diagramme. Zur Entstehung berichtet Dr. Jan Köhnlein auf dem Blog von TypeFox, dass der Wunsch aufkam, die Vorzüge des Arbeitens mit Xtext, Monaco und dem Language Server Protocol (LSP) nicht nur beim textuellen Editieren, sondern auch beim graphischen Editieren genießen zu können.

Was die Features angeht, sieht sprotty zuerst einmal sehr gut aus: Die Verwendung von SVG erlaubt skalierbares und stabiles Rendering in den meisten gängigen Browsern. So entgeht einem kein noch so kleines Detail. Ein weiteres Feature sind die tief in das Framework eingebundenen Animationen. Diese erlauben es, asynchrone Statusänderungen durchzuführen – und das ganz ohne Flackern oder Verzögerungen. Das oben eingebettete Video zeigt diese beiden Vorteile recht ansehnlich, die Übergänge sind zudem individualisierbar. Für Eclipse-Nutzer sehr wichtig: sprotty besitzt eine Bridge zum Eclipse Layout Kernel.

Lesen Sie auch: Interview mit Sven Efftinge: „Theia ist für mich eine klassische IDE, die auf moderner Technologie beruht“

Apps, die mit sprotty erstellt werden, bestehen normalerweise aus zwei Hauptkomponenten: Einem Client, der das Modell des aktuellen Diagramms enthält, es rendert und mit dem User interagiert, und einem Server, der das unterliegende semantische Modell kennt und es zu den unterschiedlichen Elementen des Diagramms mappt. Der Server ist dabei optional, wird er eingesetzt, dann kommuniziert er mit dem Client via JSON-Notifikationen. Der Einsatz eines Servers ist vor allem für Browser-Apps wichtig.

Natürlich eignet sich sprotty perfekt für die Arbeit mit Theia zusammen, ist aber nicht zwangsläufig an das LSP gebunden. Die Entwickler von TypeFox haben bereits eine Lösung für die Integration in Theia, der entsprechende Quellcode kann auf GitHub gefunden werden. Wie sprotty in Theia aussieht, zeigt das folgende Video:

Weitere Informationen zu sprotty gibt es auf dem Blog von TypeFox, auf GitHub gibt es den Quelltext. Das Framework ist selbstverständlich Open Source und steht unter der Apache-2-Lizenz.

Eclipse Ceylon

Die Medien handelten, nicht unbedingt zum Gefallen von Gavin King, Ceylon bei der Veröffentlichung der Sprache bereits als Java-Killer. Nun, sechs Jahre später, hat sich Ceylon nach wie vor nicht auf dem Massenmarkt durchgesetzt, von einer Java-Ablöse ganz zu schweigen. Somit hat Erfinder King recht behalten und das Ziel nicht verfehlt.

Trotzdem ist die objektorientierte Sprache bei seinen Nutzern wegen der flexiblen und gut lesbaren Syntax, der mächtigen Modularchitektur, dem vollständigen Tooling, der Einfachheit und dem eleganten, statischen Typsystem beliebt. Dazu kommt die nahtlose Nutzbarkeit mit nativem Java und JavaScript, Maven und npm.

shared void hello() {
    print("Hello, World!");
}

Klassisches Hello-World-Prgramm mit Ceylon

Unter dem Schirm der Eclipse Foundation sollen die Sprache und deren Ökosystem nun weiterentwickelt werden, wie es im Projekt-Proposal heißt. Ziel sei es auch, die Ceylon Community maßgeblich zu vergrößern, was sich innerhalb der Eclipse Community sicher einfacher bewerkstelligen lässt. Zukünftig soll, gemeinsam mit der dann hoffentlich größeren Nutzer- und Mitarbeiterzahl, ein Tooling für Eclipse Che entwickelt werden. Bedenkt man, dass Projekte, deren Ursprung bei Red Hat liegen, bereits oft unter das Dach der Eclipse Foundation ausgelagert wurden, erscheint dieser Schritt der Ceylon-Gemeinde nur logisch.

Hoffen wir, dass die Programmiersprache, die nächstes Jahr ihren siebten Geburtstag feiern wird, von diesem Schritt profitieren kann. Weitere Informationen und das Proposal selbst, gibt es auf der Webseite der Eclipse Foundation.

Eclipse Weekly

Eclipse Weekly #55

Der Tipp der Woche, ein Update für das Clean Sheet & die ewige Namensfrage

Eclipse Weekly #54

Interview mit Scott Lewis zu Eclipse Oxygen und dem ECF

Eclipse Weekly #53

Warum Ceylon ein Eclipse-Projekt werden will & was das Framework sprotty so drauf hat

Capella Industry Consortium gegründet

Capella ist eine Lösung für das sogenannte Model-based Systems Engineering (MBSE). Gemeinsam mit der Arcadia-Methode bietet PolarSys hiermit ein MBSE-Ökosystem an, das bereits in vielen Unternehmen Anwendung findet. Alleinstellungsmerkmal von Capella ist natürlich die Tatsache, dass die gesamte Lösung Open Source ist.

Gestern wurde auf der EclipseCon France 2017 die Gründung des Capella Industry Consortium (IC) bekanntgegeben. Dessen Ziel ist es, den diversen Stakeholdern des Ökosystems eine anbieterneutrale Anlaufstelle mit einem offenen Verwaltungsmodell anzubieten. Dadurch soll die Zusammenarbeit, das Teilen von Investments und Best Practices und die gemeinsame Arbeit an neuen MBSE-Kapazitäten ermöglicht werden. Der Zusammenschluss soll außerdem dafür sorgen, dass die Capella-Lösung in Verbindung mit der Arcadia-Methode Marktführer im Bereich MBSE wird.

Die Organisationsstruktur des Capella IC / Quelle: PolarSys

Natürlich soll im Capella IC nicht nur die bestehende Zusammenarbeit gewährleistet und verbessert werden. Auch neue Kollaborationen sollen hierdurch angeregt und gefördert werden. Die Mitgliedschaft ist in drei unterschiedlichen Kategorien möglich:

Sogenannte Driver Member sind richtungsweisend für die Entwicklung von Capella und der gesamten MBSE-Lösung verantwortlich, während Participant Member die Verbreitung und die grundsätzliche Entwicklung von Capella vorantreiben sollen. Außerdem gibt es noch die Research/academia Member, womit Universitäten und wissenschaftliche Einrichtungen gemeint sind, die an der Entwicklung der MBSE-Lösung insgesamt teilnehmen wollen.

Wie es oft üblich ist, gibt es auch im Capella IC drei stehende Komitees: Das Steering Committee, das die Organisation leitet, das Product Management Committee, das den Überblick über die Entwicklung behält und das Marketing Committee, das für Promotionszwecke verantwortlich ist.

Lesen Sie auch: Eclipse Foundation verkündet Start des Papyrus Industry Consortium

Die offizielle Charta des Capella IC kann auf der Working Group Homepage eingesehen werden, weitere Informationen zum Konsortium gibt es auf der entsprechenden Webseite.

Kaum eine Community ist aktiver und innovativer als die der Eclipse IDE. JAXenter hat das Ohr am Puls der Entwicklungsumgebung und berichtet wöchentlich über die neuesten Entwicklungen und die spannendsten Geschichten rund um Eclipse.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.