Neues aus dem Land der Sonnenfinsternis

Eclipse Weekly: Interview mit Scott Lewis zu Eclipse Oxygen und dem ECF

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / solarseven

Der Sommer ist gerettet: Auch wenn Java 9 nicht vor September erscheinen wird, zumindest die Eclipse Community hat wieder geliefert. Eclipse Oxygen ist, pünktlich wie immer, letzte Woche veröffentlicht worden. An Bord hatte der Release Train über 80 Projekte und 71 Millionen Zeilen Code. Wir haben uns mit dem Projektleiter des Eclipse Communication Frameworks, Scott Lewis, über sein Projekt und die Zukunft der klassischen IDEs unterhalten. Außerdem haben wir uns angesehen, was Orion 15 und das Graphical Editing Framework (GEF) für Neuerungen in Oxygen mit sich bringen.

Eclipse Oxygen & das ECF

Eclipse Oxygen bringt, wie wir bereits ausführlich berichtet haben, etliche neue Features für die Plattform, die Java Development Tools und andere Standardkomponenten. Aber auch die einzelnen Projekte, die sich am Release Train beteiligt haben, warten zum Teil mit interessanten neuen Features auf. Wir haben uns mit Scott Lewis, Project Lead des Eclipse Communication Frameworks (ECF), über die aktuellen Entwicklungen beim ECF, seine Lieblingsprojekte und die Zukunft der Entwicklungsumgebungen unterhalten.

Scott Lewis


JAXenter: Hallo Scott und danke, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten. Eclipse Oxygen ist gerade veröffentlicht worden – auf welches Feature deines Projektes freust du dich am meisten?

Scott Lewis: Mein Projekt ist das Eclipse Communication Framework. Das ECF hat eine Implementierung der OSGi Remote Services, also einem transportunabhängigen Remote Procedure Call (RPC) der auf OSGi-Services basiert.

JAXenter: Welche anderen Projekte haben dich in diesem Jahr fasziniert und warum?

Scott Lewis: Besonders interessiert hat mich in diesem Jahr das Projekt Eclipse January, da ich dessen Funktionen in Verbindung mit dem ECF für Edge-Analysen verwende.

JAXenter: Der Name des nächsten Simultaneous Release wird Eclipse Photon sein. Hast du schon irgendwelche Pläne in Bezug auf dein Projekt für Eclipse Photon?

Scott Lewis: Hoffentlich gelingt es uns, ein wenig der Arbeit in das Projekt einzubauen, die wir auf GitHub aktuell durchführen. Unser Repository und alle Informationen über den aktuellen Stand der Dinge können auf GitHub gefunden werden.

Lesen Sie auch: Eclipse Oxygen Highlights: Das ist neu in Eclipse 4.7

JAXenter: Wie wird die Zukunft der klassischen IDE aussehen? Werden neue Technologien Entwickler von IDEs zu einem kompletten Redesign zwingen?

Scott Lewis: Da bin ich eher skeptisch. Ich denke, dass die existierenden Entwicklungsumgebungen neue oder andere User Interfaces (UIs) präsentieren werden.

JAXenter: Was könnte man an der Eclipse IDE speziell bzw. dem Eclipse-Ökosystem generell verbessern?

Scott Lewis: Eine bessere Integration zwischen den verschiedenen Toolings wäre wünschenswert. Auch eine etwas konsistentere Unterstützung von Seiten der Unternehmen für die Open-Source-Projekte wäre nicht schlecht.

JAXenter: Welche Tools bzw. Technologien haben, Eclipse außer Acht gelassen, in deinen Augen das Potential, die Softwarewelt in der zweiten Hälfte des Jahres aufzurütteln?

Scott Lewis: Das Eclipse Communication Framework natürlich!

Scott Lewis is the original project lead for the Eclipse Communication Framework (ECF) open source project. ECF implements the OSGi Remote Service and Remote Service Admin specifications. He has plenty of experience in distributed systems, networked services, messaging/communications APIs, module systems, Java, and Internet of Things technologies. He also has experience as a project lead, responsible for all aspects of ECF from recruiting and mentoring project members, to coordinating work among distributed team members, to maintaining an agile development process and iterative rapid release schedule, to marketing an open source project. He also has extensive experience in both startup and corporate environments, including his own startup, application server companies (BEA Systems, EMC), and research and development organizations (e.g. Intel Architecture Labs, AT&T Bell Labs).

Eclipse Graphical Editing Framework (GEF) 5.0

Eines der Projekte, die Teil des Eclipse Oxygen Release Trains waren, ist das Graphical Editing Framework (GEF). Das Framework ist seit dem letzten Release, so die Macher, generell reifer geworden, etwa durch präzisere Einzelteile. Zudem haben sie einige neue Funktionen hinzugefügt, zum Beispiel im Bereich des DOT-Editors, der nun beinahe sämtliche Aspekte von Graphviz DOT verarbeiten kann. Das gilt unter anderem auch für HTML-artige Labels und verschiedene Attributgrammatiken.

HTML-Labels im DOT-Editor / Quelle: Itemis Blog

Auch wenn das Rendern von HTML-Labels hingegen noch nicht unterstützt wird, ist die DOT-Graph-Ansicht nun fähig, Cluster zu rendern, eine Funktion, die sich viele Nutzer schon lange gewünscht haben. In der MVC-Komponente wurde die Unterscheidung zwischen abstrakten Konzepten und Toolkit-spezifischer Konkretisierung überarbeitet, insgesamt ist dieser Teil des GEFs dadurch leichtgewichtiger und verständlicher geworden. Ebenfalls im Bereich MVC wurde die Unterstützung für Snap-to-Geometry hinzugefügt, die die bereits vorhandene Snap-to-Grid-Funktionalität ergänzt.

Weitere Informationen zum GEF gibt es auf dem Blog der itemis AG.

Eclipse Orion 15

Bereits zum Release von Orion 14 vor drei Monaten kündigte das Team an, die Unterstützung für kollaborative Entwicklung und Debugging direkt in Orion in den Fokus für die neue Version zu rücken. Mit Eclipse Orion 15 ist diese Version gerade erschienen. Wer sich allerdings auf diese Features gefreut hat, wird zunächst enttäuscht: Grant Gayed gab auf der offiziellen Website bekannt, dass diese neuen Funktionen wohl erst in der nächsten Version, also Orion 16 kommen werden. Grund hierfür sei schlicht, dass sie noch nicht vollends ausgereift seien.

Auf der einen Seite ist das natürlich ärgerlich, auf der anderen Seite würde auch keiner mit halbgarer Software glücklich sein, daher ist die Verschiebung wohl die sinnvollere Variante. Das Update umfasst 367 Commits, 191 Verbesserungen und Bugs wurden bearbeitet und es waren 18 Entwickler an Orion 15 beteiligt. Weitere Details zu den tatsächlich enthaltenen Features wird es in der nächsten Ausgabe von Eclipse Weekly geben.

Lesen Sie auch: Eclipse Oxygen ist da!

Teil der neuen Orion-Versionen waren jedenfalls Verbesserungen am Node.js-Server und an der Electron-App. Erstere werden dafür sorgen, dass Node.js bald den Java-Server als bevorzugte Implementierung ablösen wird.

Den Orion-Server kann man hier herunterladen, auf GitHub findet man sowohl den Client als auch den Server.

Kaum eine Community ist aktiver und innovativer als die der Eclipse IDE. JAXenter hat das Ohr am Puls der Entwicklungsumgebung und berichtet wöchentlich über die neuesten Entwicklungen und die spannendsten Geschichten rund um Eclipse.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.