Neues aus dem Land der Sonnenfinsternis

Eclipse Weekly: Interview mit Andrea Ross, das neue Contributor Agreement und CSS-Styling für SWT

Dominik Mohilo

© Shutterstock.com / solarseven

Eclipse Weekly ist zurück aus der Sommerpause! In dieser Woche haben wir für euch sämtliche Informationen über das neue Eclipse Contributor Agreement und zeigen euch, wie ihr die Benutzeroberfläche für euer SWT ganz einfach mit CSS gestalten könnt. Wir haben zudem mit der Direktorin für die Ökosystem-Entwicklung, Andrea Ross, gesprochen und einen exklusiven Einblick in die Arbeit der LocationTech und Science Working Groups erhalten.

Das neue Eclipse Contributor Agreement (ECA)

Ende des Jahres soll das Management geistigen Eigentums bei der Eclipse Foundation überarbeitet und umgestellt werden (wir berichteten). Diese Änderung wurde mittlerweile vom Board of Directors bestätigt. Somit werden Projektleiter bzw. -mitglieder in naher Zukunft selbst entscheiden können, wie gründlich die Prüfung in Bezug auf geistiges Eigentum durch die Eclipse Foundation ausfallen soll.

Zusätzlich zu diesen Neuerungen wurde am 22. August auch das Eclipse Contributor Agreement (ECA) eingeführt, wie Mike Milinkovich auf seinem Blog mitteilt. Das Eclipse Contributor Agreement ersetzt das bisher geltende Eclipse Contributor Licence Agreement (CLA), dessen Name durch die negative Konnotation irreführend war.

Viele CLAs implizieren die Überschreibung des Rechts an den eigenen Beiträgen an eine rechtliche Entität. Da Eclipse dies nicht tut und nicht vorhat, es zukünftig zu tun, war eine Namensänderung die logische Konsequenz. Zudem wurde das Certificate of Originality (CoO) im neuen ECA durch das Developer Certificate of Origin (DCO) der Linux Foundation ersetzt.

Rein rechtlich und organisatorisch ändert sich für die Nutzer nichts: Wessen CLA noch gültig ist, braucht auch nicht gleich zu wechseln. Dies wird erst erforderlich, wenn das jeweilige CLA ausläuft. Ziel dieser Änderung war es, die rechtlichen Abläufe klarer und besser verständlich zu gestalten und damit die Arbeit der Entwickler zu erleichtern. Das neue ECA wurde bereits auf der Web-Seite der Eclipse Foundation veröffentlicht.

Foundation Talk: Andrea Ross

Für die siebte Episode von Foundation Talk haben wir Andrea Ross, Direktorin für die Ökosystem-Entwicklung der Eclipse Foundation, für euch interviewt. Im Interview spricht sie über die LocationTech und Science Working Groups und wie diese nicht nur Eclipse, sondern die ganze Welt bereichern.

JAXenter: Hallo Andrea und danke, dass du dir Zeit für uns genommen hast. Zunächst einmal: Was sind deine Aufgaben und Verpflichtungen als Director of Ecosystem Development der Eclipse Foundation?

Andrea Ross: Ich bin für die Working Groups LocationTech und Science verantwortlich. Beide Gruppen haben eine ganz eigene Community, die innerhalb der größeren Community der Eclipse Foundation existiert. In manchen Fällen hat die von ihnen entwickelte Software noch Verbindungen zur Eclipse-Plattform, viele Anwendungen sind allerdings vollkommen unabhängig von der Plattform und nicht einmal in Java geschrieben.

Die LocationTech Working Group hat sich auf die Entwicklung von Systemen spezialisiert, die zur Auswertung von Zeit und Raum dienen. Derzeit gibt es 18 Projekte, allerdings kommen stetig neue hinzu. Besonders bekannt ist die Working Group für ihre Big-Geo-Technologien wie GeoTrellis, GeoMesa, GeoWave und GeoJinni. Jede dieser Technologien macht es möglich, gewisse räumliche Daten zu verarbeiten und zu indexieren. Zusätzlich gibt es dazu noch Features, die auf Jadoop, Spark, Accumulo, Cassandra und anderen aufsetzen.

Zudem ist die LocationTech Working Group auch der Ursprung und das Zuhause der Bibliothek JTS Topology Suite, die das gesamte quelloffene geospatiale Ökosystem stärkt. Die Technologien werden zum Beispiel für die Stadtplanung, den Umweltschutz und die Sicherheit genutzt, eben für alle Bereiche, die einen wirklichen physischen Einfluss auf das Leben der Menschen haben. Ich finde das sehr inspirierend.

Die Science Working Group ist voll von unglaublich intelligenten Leuten, die wichtige Forschungen betreiben und andere Forscher darüber hinaus noch unterstützen.

Die Science Working Group hingegen hat sich auf die Entwicklung von Software für die Wissenschaft spezialisiert. Es gibt Projekte für die Datenanalyse, -visualisierung sowie -simulation und mehr. Die Projekte DAWNSci und ICE waren für die Entstehung der Gruppe essentiell, mittlerweile gibt es eine große Anzahl von interessanten neuen Projekten.

Eines dieser Projekte ist zum Beispiel Triquetrum, das nützliche Funktionen für die Verwaltung und Ausführung wissenschaftlicher Arbeitsabläufe bietet. Das Projekt StatET ist relativ neu und stellt mächtige Tools für die Arbeit mit R zur Verfügung (JAXenter berichtete – Anm. d. Red.).

Die Science Working Group ist voll von unglaublich intelligenten Leuten, die wichtige Forschungen betreiben und andere Forscher darüber hinaus noch unterstützen. Es ist nicht schwer zu erkennen, welchen positiven Effekt deren Arbeit auf unsere Welt haben kann.

JAXenter: Wann bist du der Eclipse Foundation beigetreten und welche Motive für das Engagement hattest du?

Andrea Ross: Ich bin der Foundation 2011 beigetreten. Vor meinem Engagement dort habe ich für Ingres (jetzt Actian) gearbeitet. Ingres/Actian war Mitglied der Eclipse Foundation und war an einigen Projekten beteiligt, was bedeutet, dass ich bei meinem Wechsel bereits mit der Foundation und der Eclipse Community vertraut war.

Die Venture-Capital-Gesellschaft, die einige Anteile von Ingres/Actian besaß, hatte seinerzeit auch den Rest aufgekauft und eine Übernahme forciert, was zur Verkleinerung der Firma führte. Ich war damals Leiterin eines Entwicklungsteams, das vollständig entlassen wurde, während man mir eine Beförderung anbot. Aus persönlichen Gründen habe ich allerdings dann entschieden, das Unternehmen ebenfalls zu verlassen. Kurz darauf hat mich Mike Milinkovich kontaktiert und nach einer Weile wurde eine Stelle bei der Foundation frei – seitdem bin ich dabei.

andreaIch habe immer die Ansicht vertreten – und tue dies bis heute hin –, dass eine gut etablierte Open Source Foundation einer der wenigen Orte ist, wo es möglich ist, die wirklich großen Probleme zu lösen. Einzelne Unternehmen schaffen das meist nicht.

Den Großteil meiner Berufszeit habe ich an einem bestimmten Produkt oder einer bestimmten Produktlinie gearbeitet. Meist waren diese lediglich dazu da, spezifische Probleme zu lösen, nicht aber, um die großen und fundamentaleren Herausforderungen zu meistern. Ich habe mir gedacht, dass die Eclipse Foundation, mit ihrer Arbeit als Konsortium vieler Organisationen und der relativ freien Zusammenarbeit untereinander, mir die Chance geben würde, einige der großen Probleme zu lösen, die für ein einzelnes Unternehmen einfach zu groß und herausfordernd sind. Ich wusste, dass das nicht einfach werden würde, aber ich wollte es einfach ausprobieren und sehen, was ich erreichen könnte.

Ich habe immer die Ansicht vertreten – und tue dies bis heute hin –, dass eine gut etablierte Open Source Foundation einer der wenigen Orte ist, wo dies möglich ist. Zudem wollte ich mit Mike Milinkovich und den Leuten, die nun meine Kollegen sind, zusammenarbeiten und von ihnen lernen. Ich hatte viele Möglichkeiten nach meinem Ausstieg bei Ingres/Actian, doch den Weg zur Eclipse Foundation habe ich aus genau diesen Gründen gewählt.

JAXenter: Welches Projekt im Eclipse-Universum gefällt dir am besten?

Andrea Ross: Uff, das ist wirklich schwer zu beantworten. In der Vergangenheit habe ich natürlich sehr viel mit der Eclipse Plattform und der IDE gearbeitet, zudem mit den geospatialen Projekten der LocationTech Working Group. Die Big-Geo-Projekte sind vermutlich diejenigen, die meiner Arbeit vor dem Engagement bei der Eclipse Foundation am meisten entsprechen. Logischerweise gibt mir das viele Möglichkeiten, meine Erfahrung in dem Gebiet zu nutzen und ich schätze die Leute sehr, mit denen ich in diesem Bereich zusammenarbeite.

Trotzdem bin ich immer wieder erstaunt über die tollen Technologien bei Eclipse, mit denen ich noch gar nicht vertraut war. Dieses Jahr habe ich zum Beispiel Torkild U. Resheim auf der EclipseCon über Mylyn Docs sprechen gehört. Dies ist eine sehr mächtige und nützliche Bibliothek für das Parsen und Schreiben von Dokumentationsformaten wie etwa wiki, ePub, PDF und so weiter. Ich hatte sofort etliche nützliche Dinge vor Augen, die damit gemacht werden können. Zudem habe ich mehr über die vielen Modelling-Projekte und deren Community erfahren und finde diese ebenfalls sehr beeindruckend.

Auch die Arbeit mit der Science Working Group ist eine sehr interessante Erfahrung. Ich bin nicht sicher, ob die Beschreibung „außerhalb meiner Wohlfühlzone“ dem gerecht wird, aber es ist jedenfalls sehr nah dran. Ich meine damit, dass ich die Arbeitsweise vieler anderer Projekte, die ich kennenlernen durfte, aus meiner vergangenen Berufserfahrung schon verinnerlicht habe.

Trotz allem sind mir die Technologien, mit denen ich in der Science Working Group konfrontiert werde, teilweise völlig unbekannt. Das ist nicht besonders verwunderlich, denn die Simulation von nuklearen Reaktionen oder das Betreiben eines Synchrotrons sind sehr spezialisierte und komplexe Fähigkeiten. An der Stelle möchte ich noch einmal betonen, wie unglaublich intelligent, hart arbeitend und freundlich die Menschen sind, mit denen ich in der Science Working Group zusammenarbeite.

Ich wünsche mir, dass die Eclipse Foundation sich weiterhin dahin entwickelt, für neue Communities ein Ansprechpartner zu sein. Ich denke, dass dies der Foundation dabei helfen wird, weiterhin Gutes in die Welt zu bringen.

JAXenter: Was wünscht du dir für die Zukunft von Eclipse und der Foundation?

Andrea Ross: Ich habe das Gefühl, dass meine Arbeit sich oft am führenden Punkt einer sehr interessanten Entwicklung innerhalb der Foundation bewegt hat. Als ich 2011 anfing, lag unser Fokus immer noch sehr auf der IDE und der RCP sowie dem Modelling und Technologien, die auch heute noch das Flaggschiff für die Foundation und die Community darstellen.

Für eine Organisation wie die Eclipse Foundation ist es nicht leicht, sich weiterzuentwickeln und neue Dinge in neuen Bereichen aufzugreifen. Besonders gilt dies natürlich, wenn das Flaggschiff unverändert prächtig läuft. Trotzdem gibt es heute bahnbrechende Technologien in vielen neuen Bereichen wie dem Internet der Dinge, Automotive, Wissenschaft oder der Geomatik/GIS sowie dem geospatialen Bereich.
Für die Eclipse Foundation wünsche ich mir, dass sie sich weiterhin dahin entwickelt, für diese neuen Communities ein Ansprechpartner zu sein und auch für diejenigen, die sich zukünftig entwickeln. Ich denke, dass dies der Foundation dabei helfen wird, weiterhin Gutes in die Welt zu bringen.

JAXenter: Das große Update des Sommers, Eclipse Neon, wurde vor Kurzem veröffentlicht. Was ist dein Highlight in der neuen Version?

Andrea Ross: Sopot Cela hat einen wirklich guten Vortrag über die neuen Features auf der EclipseCon France gehalten. Ich könnte nun einige nennen, die ich toll finde, stattdessen möchte ich über das FEEP-Programm sprechen. Diese Initiative wurde ins Leben gerufen, um mit Spendengeldern die Entwicklung der Eclipse IDE und der Plattform voranzutreiben. Als ich Sopot sprechen hörte, wurde mir bewusst, dass bereits viele sehr wichtige Verbesserungen durch FEEP gefördert wurden, was ich persönlich sehr aufregend finde. In meiner Anfangszeit war es für die Mitarbeiter der Foundation noch sehr ungewöhnlich, selbst Hand anzulegen und an der Entwicklung von Eclipse teilzunehmen.

Ob sich das Konzept auf lange Sicht als sinnvoll erweist, kann ich nicht sagen, denn unsere Community ist buchstäblich alles für uns und wir sollten sie unterstützen und nicht durch Angestellte ersetzen. Dennoch haben mich die Verbesserungen beeindruckt und vielleicht hilft es ja dabei, die Allgemeinheit von Open-Source-Projekten zu überzeugen und die Arbeit der Community zu unterstützen und zu fördern.

CSS-Styling für SWT

Durch die sehr enge System-Integration bekommt man im Standard Widget Tool (SWT) mit einem UI-Toolkit genau die Optik des jeweiligen Systems. Der Nachteil dabei ist, dass jede Abweichung davon zu beschränkt, zu langsam oder beides ist. Wie Alexander Kurtakov auf seinem Blog allerdings feststellt, ist es mit SWT sehr einfach auf fortschrittliche und deklarative Styling-Kapazitäten zuzugreifen – vorausgesetzt das unterliegende UI-Toolkit (etwa GTK+) stellt diese zur Verfügung.

Das Gute daran ist, so Kurtakov, dass das Ganze tatsächlich auf der Ebene von GTK stattfindet und es somit nahezu keine Einbußen in Sachen Performance gibt. Im Grunde wird lediglich ein GTK-Theme für die jeweilige Anwendung zur Verfügung gestellt, das es GTK erlaubt, sämtliches Caching und andere Optimierungen zu erledigen.
Bereits mit dem aktuellen Oxygen Nightly Build (N20160829-2000 oder neuer) wird Usern die Möglichkeit gegeben, eines der Standard-Themes zu verwenden oder das Eclipse-UI soweit anzupassen, wie GTK+ es ihnen erlaubt.

Um diese Funktion zu nutzen ist neben einem aktuellen Nightly Build nur das Erstellen einer CSS-Datei nötig (eine Anleitung dafür gibt es hier) und die Erweiterung der eclipse.ini-Datei um eine Zeile wie etwa -Dorg.eclipse.swt.internal.gtk.cssFile=/path/to/my.css in der Sektion –vmargs.

Der im Video zu sehende Farb- und Hover-Effekt wurde mit folgendem Code-Beispiel von Alexander Kurtakov verwirklicht:

button  {
    border-width: 1px;
    border-radius: 30px;

    background-image: -gtk-gradient (linear,
             left top,
             left bottom,
             color-stop(0.0,rgba(34,97,170,1)),
             color-stop(0.50,rgba(56,145,218,1)),
             color-stop(0.51,rgba(34,131,216,1)),
             color-stop(1.00,rgba(134,191,234,1)));
}
button:hover {
  box-shadow: inset 0 0 0 5px #3071A9;
}

Kaum eine Community ist aktiver und innovativer als die der Eclipse IDE. JAXenter hat das Ohr am Puls der Entwicklungsumgebung und berichtet wöchentlich über die neuesten Entwicklungen und die spannendsten Geschichten rund um Eclipse.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: