Suche
Interview mit Mickael Istria

Eclipse Web-Tools-Platform revisited: „WTP wird bald vom jungen Blut der neuen Unterstützer profitieren“

Hartmut Schlosser, Marc Teufel

Mickael Istria

Im Interview mit Hartmut Schlosser und Marc Teufel gewährt Mickael Istria, Contributor im JavaScript-Development-Tools-Projekt, einen Einblick in die Arbeit an JSDT und gibt eine Einschätzung zum Stand der Web-Tools-Plattform. Er zeigt sich überzeugt, dass die User die weiteren Geschicke der WTP und JSDT selbst in der Hand haben.

Eclipse Magazin: Mickael, du bist ein Contributer im JSDT-Projekt. An welchen Teilen arbeitest du persönlich?

Mickael Istria: Mein Ziel ist es dafür zu sorgen, dass Beiträge zum JSDT-Projekt einfach und effizient geleistet werden können. Ich habe dazu einen autonomen Tycho Build, Hudson, Gerrit, SonarQube und eine Dokumentation für JSDT aufgesetzt, um die Mitarbeit am Projekt zu vereinfachen. Das hat vor einem Jahr wirklich gefehlt, als unser Team begann, sich in JSDT einzubringen. JSDT war einfach „nur“ eine Komponente des großen Web-Tools-Projekts, und es war nicht klar, wie man beitragen, mitbauen und testen konnte, ohne gleich am gesamten Web-Tools-Projekt zu arbeiten. JSDT ist jetzt ein bisschen unabhängiger, was schon einmal sehr hilfreich ist.

Als Konsequenz war es für uns, das JBoss-Team, einfacher, wichtige Patches einzufügen, was wir beispielsweise für den Debugger getan haben. Ich freue mich zu sehen, dass das auch neue Contributors eingebracht hat. Einige Leute haben tatsächlich Patches via Gerrit eingereicht, um einige von SonarQube entdeckte Fehler im Code zu entfernen.

Eclipse Magazin: Was ist der Stand der Dinge bei der Web-Tools-Plattform selbst? Das Projekt scheint etwas eingeschlafen zu sein.

Istria: Das Web-Tools-Projekt zeigt einige Aktivität in Form von regelmäßig durchgeführten öffentlichen Teamaudiokonferenzen. Also schläft das Projekt definitiv nicht. Aber die aktuellen Contributors haben keine Pläne, viele innovative Features einzubringen und konzentrieren sich mehr auf die Wartung. Das ist der Grund, warum sich aus Userperspektive nicht viel tut.

Die gegenwärtige Innovationskraft für Web Tools hat sich vor einiger Zeit schon außerhalb von eclipse.org entfaltet. Ein Beispiel sind die verschiedenen Extensions, die Angelo Zerr auf GitHub veröffentlicht hat. Sie machen die Web Tools wirklich besser, sind aber nicht Teil des Web-Tools-Projekts. Das Gleiche gilt für andere bemerkenswerte Plug-ins.
Mein Wunsch ist es, dass die am meisten generischen Teile dieser Erweiterungen, die momentan „into the wild“ existieren, sehr bald in das Web-Tools-Projekt integriert werden, damit sie in der Grundeinstellung von WTP mitinbegriffen sind und allen Usern nutzen.

Unser Team betreibt da durchaus mit den Autoren solcher Extensions „Lobbyarbeit“ und ermutigt sie, upstream zu arbeiten, also direkt im Eclipse Web Tools Incubator oder in den JSDT.
Ich glaube, das Web-Tools-Projekt wird bald vom „jungen Blut“ der neuen Unterstützer und der größeren Vielfalt profitieren, genau so, wie das vor einigen Jahren bei der Eclipse-Plattform gelungen ist.

Eclipse Magazin: Was sind die Unterschiede zwischen WTP und den JBoss Developer Tools?

Istria: Wenn du WildFly, OpenShift, FeedHenry oder andere JBoss-/Red-Hat-Software nutzt, profitierst du in den JBoss Developer Tools von der spezifischen Integration, die von der reinen Eclipse IDE natürlich nicht bereitgestellt wird. Der bemerkenswerteste Pluspunkt der JBoss Tools gegenüber der Eclipse-IDE und WTP ist, dass es ein konsistentes Set von Plug-ins in einer einzigen Updateseite darstellt. Die User können einfach alle JBoss-Tools auf einmal installieren und die neuen Features nutzen, ohne allzu viel „Noise“ in ihrer IDE zu sehen. Für eine noch einfachere Installationserfahrung können die User sogar JBoss Developer Studio nutzen, das als komplette RCP-Anwendung mit einem trivialen Installer verfügbar ist; man muss sich nicht um Updateseiten und dergleichen kümmern.

JBoss Tools und JBoss Developer Studio schließen außerdem zusätzliche Erweiterungen für gängige Use Cases für die Web- bzw. Mobile-App-Entwicklung ein: Einfaches Bootstrapping von Projekten mit JBoss Central, bessere JAX-RS- und CDI-Tools, Mobile-Simulatoren (BrowserSim), Live-Reload-Integration für unmittelbare Feedbackschleifen, großartige Cordova-/PhoneGap-Tools (wie die Extensions auf Basis von Eclipse Thym) und viele andere.

Aber noch wichtiger ist, dass es sich nicht nur um eine Sammlung von Tools handelt, die einige Technologien unterstützen. Diese Werkzeuge sind mittlerweile auf so konsistente Weise miteinander verbunden, dass sie Entwicklern effizientere Workflows ermöglichen, um ihre Applikationen zu bootstrappen, hacken, testen, deployen und zu warten.

Eclipse Magazin: Mickael, was sollten die Leute da draußen nach dem Lesen dieses Interviews tun?

Istria: Ich würde jedem, der JavaScript in Eclipse entwickelt, empfehlen, sich Angelos Plug-ins anzusehen – oder die JBoss Tools, die diese mit einschließt und sie für die Arbeit out of the box konfiguriert. Dann möchte ich noch daran erinnern, dass JSDT wie alle Eclipse-Projekte von seiner Contributor-Community lebt. Wenn die User also möchten, dass JSDT in eine bestimmte Richtung geht, dann müssen sie ihren Beitrag dazu leisten, indem sie zumindest Bug- und Enhancement-Request eröffnen. Wie genau das möglich ist, steht in der Dokumentation.

 

Mickael Istria ist Release Engineer der JavaScript Development Tools (JSDT). Von Grenoble in den französischen Alpen aus arbeitet er für Red Hat an den JBoss Tools und JBoss Developer Studio. Mit einem Fokus auf User Experience leistet Mickael regelmäßig Beiträge zu diversen Eclipse-Projekten, darunter Platform, EGit, JDT und JSDT.

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
Marc Teufel
Marc Teufel
Marc Teufel arbeitet als Projektleiter und Softwarearchitekt bei der hama GmbH & Co KG und ist dort für die Durchführung von Softwareprojekten im Bereich internationale Logistik zuständig. Er ist Autor zahlreicher Fachartikel im Web-Services- und Eclipse-Umfeld. Er hat drei Bücher zu Web Services veröffentlicht, sein aktuelles Buch „Eclipse 4 – Rich Clients mit dem Eclipse 4.2 SDK“ ist kürzlich bei entwickler.press erschienen.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: