Eclipse und die neue Plattform 4.2: Quo Vadis RCP?

JAXenter: Einige hatten in der Debatte gefordert, dass entweder die Eclipse Foundation selbst oder aber deren Mitglieder in ein Team von Eclipse-Core-Entwicklern investieren sollten – insbesondere, da die einst treibende Kraft IBM nicht mehr so stark involviert ist. Manche fordern gar, die User von Eclipse zur Kasse zu bitten. Was denkst du darüber?

Jonas Helming: Die Eclipse Foundation selbst verfügt meiner Meinung nach nicht über die Mittel, noch ist es ihre Aufgabe die Plattform selbst zu warten. Sie ist für den Prozess, das Ökosystem und die Infrastruktur zuständig. Auch IBM kann hier kein Vorwurf gemacht werden, wie jede Firma muss IBM für sich ökonomisch sinnvoll agieren, ohne die Investitionen von IBM über mehr als 10 Jahre gäbe es Eclipse in der heutigen Form gar nicht. Problematisch ist, dass mit der Plattform direkt und mit der IDE wenig Geld verdient wird. Das liegt insbesondere daran, dass sich die Community an die kostenlose Eclipse IDE gewöhnt hat. Insbesondere große Firmen haben auf diese Weise sehr viel Geld eingespart. Eclipse soll auch weiterhin Open Source bleiben. Man wird auch niemanden wirklich in die Pflicht nehmen können, Geld für die Weiterentwicklung zu bezahlen. Umgekehrt ist in vielen Teilbereichen und Frameworks von Eclipse der Verkauf von Wartungsleistungen ein gut funktionierendes Geschäftsmodell. Ich denke, dazu müssen in Zukunft auch für die Plattform und IDE vermehrt Anreize geschaffen werden. Die Long-Term-Support Working Group ist so ein Ansatz. In diesem Modell schließen sich Anbieter-Firmen zusammen und bieten als Gruppe Support für die große Bandbreite an Eclipse-Technologie an. Das ganze wird von der Eclipse Foundation gesteuert und infrastrukturell unterstützt. Insbesondere große Firmen, die strategisch auf Eclipse-Technologie setzen, können so auch in Zukunft die Wartung für sie wichtiger Eclipse-Komponenten sicherstellen (siehe auch: http://wiki.eclipse.org/LTS/Charter).

JAXenter: Was dürfen wir für die Eclipse-Plattform 4.3 erwarten?

Jonas Helming: Nachdem nun das erste wirklich große Eclipse 4 Release geschafft ist, erwarte ich in ganz verschiedenen Bereichen Neues. Sicher werden einige Features aus Eclipse 3.x, die in Eclipse 4 noch nicht umgesetzt wurden, nachgeliefert, wie beispielsweise ein Perspektiven-Menü. Dann erwarte ich noch besseren Support für die Migration von 3.x, beispielsweise indem man per API Zugriff auf das Application Model des Compatibility Layers bekommt. Und nicht zuletzt bin ich sehr gespannt auf die Entwicklung neuer Renderer, beispielsweise für JavaFX.

JAXenter: Das hört sich doch vielversprechend an! Jonas, vielen Dank für dieses Interview!

Jonas Helming ist Geschäftsführer der EclipseSource in München sowie Consultant und Software Engineer im Bereich Eclipse-Technologie. Er ist aktives Mitglied der Eclipse-Community, leitet unter anderem das Eclipse-Projekt „EMF Client Platform“ und schreibt regelmäßig für das Eclipse Magazin.
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