Im Gespräch mit Jonas Helming

Eclipse und die neue Plattform 4.2: Quo Vadis RCP?

Hartmut Schlosser

Heiß her ging es in den letzten Wochen in der Eclipse-Community. Kontrovers wurde das Für und Wider der neuen Plattform 4.2 diskutiert, die im Juno-Release erstmals flächendeckend im Einsatz ist und einigen nicht performant genug ist. „Quo Vadis RCP?“, fragt denn auch Jonas Helming von EclipseSource in seinem W-JAX-Talk. Im W-JAX-Countdown geben wir die Frage gleich an Jonas zurück und sprechen mit ihm über die Zukunft der Plattform, einerseits bezüglich der strukturellen Gegebenheiten zur Weiterentwicklung derselben, andererseits in Hinblick auf das kommende Release Eclipse 4.3 Kepler.

W-JAX Countdown

Jonas Helming können Sie auf der W-JAX 2012 live erleben:

„Quo vadis RCP – Eclipse 4“, 08.11.2012.

Das diesjährige Eclipse Release „Juno“ ist das erste, das auf der neuen Plattform Eclipse 4.x (ehemals e4) basiert. Damit vollzieht die Plattform von Eclipse nach über einem halben Jahrzehnt den ersten Major-Versionssprung. Die neue Eclipse 4 Platform enthält zahlreiche Neuerungen und Konzepte, die die Entwicklung von Rich-Client-Applikationen basierend auf Eclipse deutlich attraktiver und effizienter gestalten. In diesem Talk geben wir eine Übersicht über die neuen Konzepte wie Application Model, Dependency Injection oder CSS Styling.

Alle Infos unter: www.jax.de

JAXenter: Eclipse Juno basiert zum ersten Mal auf der neuen Plattform 4.2. „Quo Vadis RCP?“, fragst du deshalb in deinem W-JAX Talk. Wie würdest du denn die Richtung beschreiben, in die Eclipse mit der neuen Plattform steuert?

Jonas Helming: Nach vorne! Eine Plattform wie Eclipse, die sich nicht weiterentwickelt, wird unweigerlich bald zum alten Eisen gehören. Auch wenn man bei einer neuen Plattform mit so vielen Neuerungen immer über einzelne Ansätze im Detail diskutieren kann – in Punkto Flexibilität, Modularität und Komplexität beim Programmieren ist Eclipse 4 ein Riesenschritt gegenüber 3.x

JAXenter: Damit es etwas konkreter wird, nehmen wir doch einmal das Beispiel eines deutschen Mittelständlers her, der seine Kundenverwaltung über eine klassische Eclipse RCP-Anwendung regelt – seit 5 Jahren jetzt schon auf Basis der Eclipse 3.x-Schiene. Mit welchen Argumenten würdest du diesen Mittelständler überzeugen, seine RCP-Anwendung auf Eclipse 4.x zu migrieren?

Jonas Helming: Zunächst einmal gar nicht. 3.x-Anwendungen laufen ja prinzipiell auch auf Eclipse 4.2, eben im Compatibility Mode. Viele Firmen haben auch in der Vergangenheit nicht jeden Versionssprung von Eclipse vollzogen, die 3.x-Plattform ist mittlerweile sehr ausgereift.

Komplette Migrationen auf das neue Programmiermodell von Eclipse 4 rechtfertigen nur dann den Aufwand, wenn damit entscheidende Vorteile oder dringende Probleme beseitigt werden. Ob und wann das für ein konkretes Projekt der Fall ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Für neue Projekte oder Erweiterungen existierender Anwendungen ist Eclipse 4 sicher deutlich relevanter als für bereits existierende Anwendungen, die lediglich gewartet werden. Weiterhin spielen bei der Entscheidung die Art der Anwendung sowie die verwendeten Zusatzkomponenten eine wichtige Rolle. In jedem Fall sollte erwogen werden, für Neuentwicklungen auch innerhalb existierender 3.x-Projekte dem neuen Programmiermodell zu folgen. Im Wesentlichen bedeutet das, applikationsspezifischen Code von Framework Code zu separieren. Dazu gibt es verschiedene Ansätze (siehe: http://eclipsesource.com/blogs/2012/06/18/migrating-from-eclipse-3-x-to-eclipse-4-e4/). Dadurch kann auch ohne einen vollständigen Umstieg von den Innovationen profitiert werden, außerdem wird eine zukünftige komplette Migration erleichtert.

JAXenter: Nun gab es in den letzten Wochen ja einige Diskussionen in der Eclipse-Community, in denen die Performance der neuen Plattform kritisiert wurde. Anscheinend wurden nicht genügend Regressionstests und Codeabdeckungsanalysen durchgeführt. Google ist hier dann schnell eingesprungen und hat der Eclipse Foundation Testinfrastruktur zur Verfügung gestellt. Wie konnte es dazu kommen? Sind dies normale Übergangserscheinungen bei der Einführung einer neuen Technologie, oder deutet dies auf wirkliche Strukturprobleme hin?

Jonas Helming: Zunächst kann ich alle beteiligten Parteien verstehen. Die Eclipse Community zeichnet sich gerade dadurch aus, dass sich sowohl User als auch Entwickler zu Wort melden und Probleme diskutieren. Auch wenn es dabei manchmal etwas hitzig wird, sind diese Diskussionen sehr wichtig für das Ökosystem. Persönlich würde ich Mike Milinkovichs Meinung teilen, dass ein Umstieg auf einen neue Plattform nie ganz reibungslos verlaufen kann (siehe: http://mmilinkov.wordpress.com/2012/09/10/juno-performance/). Klar muss auch sein, dass das Plattform-Team nicht einfach auf umfangreiche Tests verzichtet hat, sondern im Rahmen seiner zeitlichen Möglichkeiten für eine stabile Plattform bestmöglich gearbeitet hat. Fehlende Ressourcen des Plattform-Teams sind aber tatsächlich gerade ein akutes Problem, für das mittelfristig Lösungen gefunden werden müssen.

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Hartmut Schlosser
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