Auf dem Eclipse Day der JAX 2016

Wo es steht, wohin es geht: Eclipse-Standortbestimmung auf der JAX 2016

Dominik Mohilo, Hartmut Schlosser

© Shutterstock/Skreidzeleu

Die Eclipse-Plattform bildet die Grundlage für eine riesige Bandbreite verschiedener Projekte. Für den Eclipse Day der diesjährigen JAX bedeutete dies erneut sechs vielfältige Sessions von Lars Vogel, Jonas Helming, Dr. Jan Köhnlein, Tom Schindl, Dirk Fauth und Simon Scholz. Dennoch hatten die Talks einen gemeinsamen Nenner: Die Zukunft mit Eclipse, von Eclipse und um Eclipse herum.

Mit Stil zum Ziel

Den Start des Eclipse Days läutete Lars Vogel von der vogella GmbH ein. Der Projektleiter des Projektes Eclipse Platform UI berichtete nicht nur über den aktuellen Stand der Dinge, was dieses spezielle Projekt angeht, sondern gab den Zuhörern auch einen Ausblick, was sie im nächsten großen Update von Eclipse im Juni erwarten wird.

JAX 2016 | Mainz - Donnerstag

Lars Vogel demonstriert neue Funktionen von Eclipse.

Lars Vogel verstand es, das Publikum mit kleinen Anekdoten bei Laune zu halten und erntete etwa mit der Demonstration der neuen Zoomfunktion in Eclipse freundliche Lacher, als er zugeben musste, dass der Befehl CTRL + 0, mit dem sich der Zoomlevel wieder normalisiert, nicht für das kommende Update implementiert wurde. Andere Funktionen, wie der Full-Screen-Modus, stylebare Links, an das jeweilige Theme anpassbare Scrollbars und der neue Smart Import Wizard wurden mit Begeisterung aufgenommen.

Nach dem Vortrag fanden sich zahlreiche Zuhörer noch für persönliche Fragen am Rednerpult zusammen, sodass Lars uns erst etwa eine halbe Stunde nach Ende seines Talks für ein Interview zur Verfügung stand.

Eine unabhängigere Zukunft

Vermischen Sie nie ihren Code mit Framework Dependencies. Das ist die ultimative Katastrophe.

Wer mit JavaFX arbeitet und Eclipse nutzt, dem wird e(fx)clipse kein Fremdwort sein. Das Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, JavaFX für die Entwicklungsumgebung verfügbar zu machen und erweitert Eclipse um die Integration von JavaFX-spezifischen CSS-Properties.

In seiner Session zeigte Projektleiter Tom Schindl, wie sich e4-Applikationen ohne SWT ausführen lassen. Mit den kommenden Updates von Eclipse soll außerdem Java 9 unterstützt werden, die Verwendung von OSGi optional werden und durch die Unterstützung von Jigsaw die Nutzung von NetBeans und IntelliJ IDEA ermöglicht werden.

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Tom Schindl verheiratet Eclipse mit JavaFX

 Die ersten Schritte…

Die Funktionsvielfalt von Eclipse ist gigantisch und die Möglichkeiten für Programmierer nahezu unbegrenzt. Klar, dass dies dafür sorgt, dass man leicht den Überblick verlieren kann. Projekte wie Oomph und der überarbeitete Welcome Screen, den Lars Vogel bereits in seiner Session vorgestellt hatte, können hilfreich sein. Auch die diversen Packages, die auf der Seite der Eclipse Foundation zu finden sind, sind für Neueinsteiger ein guter Anhaltspunkt, welches Produkt für die jeweiligen Ansprüche das richtige ist.

Jonas Helming gibt Tipps zum Durchstarten mit Eclipse.

Jonas Helming gibt Tipps zum Durchstarten mit Eclipse.

In seiner Session stellte Jonas Helming, Projektleiter der Eclipse EMF Client Platform und des EMFStore-Projektes, Eclipse und das Ökosystem der Entwicklungsumgebung vor. Für Einsteiger in das Eclipse-Universum zeigte er die Zusammenhänge und die Abhängigkeiten von einzelnen Features und Projekten und verschaffte den Zuhörern eine Übersicht über die Funktionsweise der IDE.

Bereits vor seiner Session haben wir die Gelegenheit für ein Interview genutzt. Hier gibt Jonas auch eine Einschätzung ab, wie es momentan um die Entwicklungsgeschwindigkeit an der Eclipse-Plattform bestellt ist – und wie sich Eclipse im Vergleich zu seinen Konkurrenten IntelliJ IDEA und NetBeans schlägt.

Die Geburt einer DSL

Die vierte Session des Eclipse Days widmete sich ganz der Software-Modellierung. Dr. Jan Köhnlein, Experte für domänenspezifische Sprachen und CEO von TypeFox, zeigte nach einer kurzen Vorstellung des Frameworks Eclipse Xtext, wie man seine eigene DSL erstellt. Als Beispiel führte er vor, wie eine Sprache für ein IoT-Projekt aussehen könnte, bei dem es darum geht, die Heizung und das Fenster zu steuern.

device Heating is OFF, ON
device Window is CLOSED, OPEN

when Heating.ON then Window.CLOSED
when Window.OPEN then Heating.OFF

Es gibt durchaus religiös anmutende Konflikte zwischen Eclipse-Usern und Nutern von IntelliJ IDEA.

Mit jeder Zeile Code nahm die Komplexität der DSL zu, ohne die Anwendbarkeit deutlich zu erschweren. So dauerte es nicht lange, bis eine umfangreiche Steuerung des hypothetischen Smart-Homes erstellt war, basierend auf der programmiertechnischen Grammatik von Xtext. Anschließend zeigte Dr. Köhnlein den Zuschauern noch, wie man DSL-Editoren für Eclipse, IntelliJ IDEA und das Web erstellt und sich einen Code Generator zur Ausführung der jeweiligen DSL zusammenbastelt.

Witzig: Während seiner Session gelang es unserem Speaker, die IntelliJ IDEA direkt aus Eclipse heraus zu starten – ein Unterfangen, das andersherum undenkbar wäre. Ein weiterer Beweis dafür, dass Eclipse ein vielschichtiges und vielseitiges Werkzeug ist.

Aus Alt mach Neu

Wer Eclipse sagt, muss auch RCP sagen – denn nach wie vor ist Nutzung von Eclipse nicht als IDE, sondern als Runtime-Plattform für eigene Rich-Client-Applikationen sehr beliebt. Viele dieser Anwendungen haben indes ein Problem: Sie wurden noch mit der alten Plattform-Version 3.x gebaut, die nicht mehr weiter unterstützt wird.

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Dirk Fauth: Der Weg von Eclipse 3 nach Eclipse 4

Wie man solche 3.x-RCP-Anwendungen auf das aktuelle Plattform-Level 4.x heben kann, ist deshalb für viele ein sehr relevante Thema – dem sich Dirk Fauth (Robert Bosch GmbH) in seinem Talk auf der JAX annahm. Von wichtigen Helfer-Tools bis zu konkreten Code-Veränderungen exerzierte er eine Migration beispielhaft durch. Wer die Einzelheiten nachvollziehen möchte, dem sei der Artikel zum Talk ans Herz gelegt: „So portieren Sie Eclipse-3-Anwendungen auf Eclipse 4.

Das Fazit von Dirk Fauth:

Da das neue Programmiermodell in Eclipse 4 mit all seinen Features zu deutlich schlankerem, testbarem und besser wartbarem Code führt, ist jedem anzuraten, sobald wie möglich alte Anwendungen umzustellen.

Von Maven und Gradle

Zum Abschluss des Eclipse Days präsentierte Simon Scholz von der vogella GmbH Buildship. Seit 2014 existiert das Gradle Tooling für Eclipse bereits und seit der ersten Version hat sich einiges getan, bspw. die Unterstützung von Task-Gruppierungen nach „Group“-Attributen.

Doch auch die Zukunft hat einiges in petto für das Gradle Tooling in Eclipse. Buildship wird das erste Tool sein, das vom neuen Composite-Build-API profitieren wird. Sobald es implementiert ist, wird Buildship automatisch externe Abhängigkeiten durch projektinterne Abhängigkeiten ersetzen.

Neben der Vorstellung von Features, hat Simon Scholz auch Tipps und Tricks anhand von Live-Beispielen gezeigt und einen umfangreichen Vergleich mit Maven angestellt.

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Simon Scholz präsentiert das neue Gradle Tooling in Eclipse

Ende gut,…

…alles gut. So jedenfalls lassen sich die Tweets von Simon Scholz und Dirk Fauth lesen, die – genau wie wir – den Eclipse Day sehr genossen haben. Neue Bekanntschaften wurden geschlossen und alte Freundschaften erneuert, und ganz nebenbei viel gelernt.

Aufmacherbild: man standing on the mountain during a solar eclipse von Shutterstock / Urheberrecht: Skreidzeleu

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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