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Interview mit Kai Kreuzer und Thomas Eichstädt-Engelen

Eclipse SmartHome: „Unser Ziel ist eine Beta-Version von openHAB 2.0 noch in diesem Jahr“

Moritz Hoffmann

Bei openHAB handelt es sich um eine quelloffene Plattform zur Heimautomatisierung, deren Kern seit 2013 im Eclipse-SmartHome-Projekt fortentwickelt wird. Vor kurzem wurde nun mit IFTTT eine neue Integration vorgestellt, mit der einfache Wenn-Dann-Regeln für eine Verknüpfung von sozialen Medien und Nachrichtendiensten mit Home Devices festgelegt werden können. Im Interview berichten Kai Kreuzer (Gründer openHAB) und Thomas Eichstädt-Engelen (innoQ, openHAB) über den aktuellen Stand von openHAB, über die neuesten Erweiterungen und über die Zukunft des Projekts.

JAXenter: Was ist der aktuelle Stand in der Parallelentwicklung von openHAB und Eclipse SmartHome?

Kai Kreuzer: Für openHAB 1 ist die Weiterentwicklung der Kernkomponenten, also der Runtime und des Designers, mehr oder weniger eingefroren. Dort werden nur noch kritische Bugs gefixt. Die Entwicklung neuer Features findet bei Eclipse SmartHome statt und fließt insofern dann auch bei openHAB 2 ein. Nichtsdestotrotz ist bei openHAB 1 noch viel Entwicklungsaktivität an den Bindings, Actions und Persistenzdiensten zu verzeichnen. Für diese Add-ons gibt es eine Kompatibilitätsschicht. Damit kann man openHAB-1-Bindings auch in der openHAB-2-Runtime verwenden. Das ist der angestrebte Migrationspfad.

Thomas Eichstädt-Engelen: OpenHAB 1.7 haben wir Ende Mai 2015 veröffentlicht.  Wir planen für die 1.x-Runtime nur noch ein weiteres Release. Das heißt, die Version 1.8 wird das letzte openHAB-1-Release sein, vorausgesetzt, der Großteil der 1.x-Add-ons funktioniert über den Kompatibilitätsmodus. Eine Version 1.9 gibt es dann nicht mehr, die Nutzer werden stattdessen auf openHAB 2 umziehen.

JAXenter: Wofür ist openHAB heute schon effektiv und zuverlässig einzusetzen, und wo gibt es noch Schwierigkeiten?

Thomas Eichstädt-Engelen: Die Plattform wird von einigen tausend Leuten weltweit genutzt, um ihre Heimautomatisierungsprojekte damit zu lösen. OpenHAB 1 ist nicht dazu gedacht, dass kommerzielle Lösungen darauf aufbauen. Vielmehr haben wir es mit DIY-Nutzern zu tun, die in der Lage sind, eine solche Plattform aufzusetzen. Für diese Leute läuft die Plattform zuverlässig, für mich auch. Es gibt zwar immer mal wieder kleine Hickups, das liegt aber auch zum Teil an den sehr speziellen Setups. Man kann sich vorstellen, dass es bei mehr als 160 Add-ons, davon mehr als 120 Bindings, die wir im Moment haben, einfach Kombinationen gibt, bei denen das System instabil werden kann. Die individuellen Fehler sind dann im Einzelnen zum Teil nicht oder nur sehr schwer nachzuverfolgen.

JAXenter: Wie ist das Verhältnis zu dieser Community? 

Thomas Eichstädt-Engelen: Feedback kommt sehr viel, die Mailing-Liste ist sehr aktiv. Wir nutzen als Kommunikationskanal eine Google-Group, in der Benutzer Fragen stellen können und aus der Community heraus Antworten bekommen. Und wenn dort festgestellt wird, dass irgendwo ein Fehler vorliegt, dann werden GitHub-Issues erstellt und von dort aus die weitere Fehler-Analyse gestartet.

JAXenter: Auch die klassische Konfiguration von openHAB verläuft über Wenn-Dann-Regeln. Was ist der Unterschied zur nun erfolgten Integration von IFTTT?

Kai Kreuzer: Die jetzigen Regeln in openHAB würde ich nicht auf einfache Wenn-Dann-Regeln reduzieren, denn man hat damit ein sehr komplexes Scripting-Framework an der Hand, um auch sehr individuelle und komplexe Logiken umsetzen zu können. Was IFTTT anbietet, ist ein sehr einfach gestaltetes graphisches UI, um einfachste Wenn-Dann-Beziehungen herzustellen. Dabei hat man keine Möglichkeiten, Dinge zu verketten oder größere Verzweigungsbäume aufzubauen.

Die wesentliche Funktionalität, die IFTTT für openHAB bringt, ist die Integration von vielen weiteren Webdiensten, die in IFTTT als Channel bereit stehen. Das können E-Mail-Provider sein, Twitter oder sonstige Dienste, die bisher über openHAB-Bindings noch nicht abgedeckt sind. Mit der Integration kann man einfache IFTTT-Regeln festlegen, so dass externe Trigger genutzt werden, um bei openHAB etwas anzusteuern. Dabei hat man als openHAB-Nutzer immer die Möglichkeit, weitere komplexe Logiken in den internen openHAB-Regeln abzulegen. Man kann die beiden Welten also sehr effizient miteinander verbinden.

JAXenter: Welche Vorteile haben Nutzer vom neuen Feature my.openHAB? Hattet Ihr dabei einen speziellen Nutzertyp im Auge?

Thomas Eichstädt-Engelen: Der Vorteil ist folgender: Beim bisherigen Zugriff von unterwegs auf dein Heimnetz musstest du einen DynDNS-Dienst nutzen und eine Port-Weiterleitung auf deinen lokalen Server einrichten, also ein Loch in Deine Firewall bohren. Bei my.openHAB muss man das nicht mehr. my.openHAB sorgt in erster Linie dafür, dass der Rückweg vom Internet in das Heim sicher gewährleistet wird.

Das Feature ist auch nicht wirklich neu, sondern existiert schon seit gut einem Jahr. Allerdings wurde es bisher nur als Closed Beta angeboten. Das haben wir nun geändert, so dass man auch ohne Einladungsverfahren Zugang erhält. Es handelt sich dabei um eine Plattform, die wir jetzt ebenfalls dafür nutzen, einen Internet-Anlaufpunkt für IFTTT zu haben. IFTTT braucht my.openHAB, um zu funktionieren.

Kai Kreuzer: Zu der Frage der Nutzertypen: Im Prinzip ist das Feature für alle openHAB-Nutzer interessant, weil es für jeden relevant ist, von unterwegs auf sein System zu kommen. Wir hatten also keine spezielle Zielgruppe im Auge, sondern haben ihn für alle openHAB-Nutzer gestaltet. Neben dem erwähnten Remote-Zugriff gibt es noch weitere sehr sinnvolle Features:

Zum einen ist da die Integration von nativen Push-Nachrichten in die nativen Apps für Android und iOS, so dass man sich aus seinen eigenen Regeln heraus Benachrichtigungen schicken kann, die auf dem Smartphone landen und dort auch in einem Log mitgespeichert werden. Damit hat man eine sehr gute Verzahnung zwischen der openHAB-App und seiner Instanz zuhause.

Weiterhin gibt es die Möglichkeit, my.openHAB als Persistenzdienst zu konfigurieren, so dass im Web-Portal von my.openHAB der aktuellen Zustand der Items angezeigt wird und auch ein Eventlog einzusehen ist. Dabei kann sich jeder Nutzer explizit aussuchen, welche Informationen dort verfügbar sein sollen, und nur diese werden überhaupt von der lokalen Instanz übertragen.

Thomas Eichstädt-Engelen: Wichtig ist an dieser Stelle zu sagen, was ich zuletzt während eines Vortrags beim JavaForum in Stuttgart diskutiert habe. Dort wurde die Frage gestellt, wie denn das von uns gerne propagierte „Intranet of Things“ und ein Cloud-Dienst zusammenpassen, auf den Daten übertragen werden. Die Antwort hat Kai gerade gegeben. Der entscheidende Unterschied ist, dass man selbst entscheiden kann, welche Daten von der Instanz an my.openHAB übermittelt werden, damit sie solchen Diensten wie IFTTT zur Verfügung stehen.

Für openHAB gibt es ja schon Persistenzdienste, die feingranular konfiguriert werden können. In der Konfiguration sagst du ganz explizit, was wohin geht und was nicht. Das kann eine einzige Lampe sein, auch wenn du im ganzen Haus 200 Lampen installiert hast. Denn vielleicht möchtest du genau diese über IFTTT steuern. Das kann auch eine Farblampe in deinem Wohnzimmer sein, die dir einen Anschluss an deine Jawbone-UP-erlaubt, so dass du dir dort deinen Fitnessstatus anzeigen lassen kannst. Aber ganz wichtig: Der Rest bleibt privat. Und das ist der Unterschied zu allen anderen Systemen, die wir bisher kennen. Denn bei denen entscheidet eben der Hersteller, welche Daten verschickt werden. Hier entscheiden das die Nutzer.

JAXenter: Für openHAB 2.0 sind bereits mehrere Alpha-Versionen erschienen, wie ist der aktuelle Entwicklungsstand?

Kai Kreuzer: Der Stand ist zum Teil daran abzulesen, was in Eclipse SmartHome schon vorhanden ist. Das bedeutet, dass mindestens alles da ist, was auch in openHAB 1 zur Verfügung steht. Ein wesentlicher Punkt, der stabilisiert werden muss, ist die Kompatibilitätsschicht. Da steht vor allem das Testen der existierenden 1.x-Add-ons aus, damit die breite Nutzerbasis wirklich auf die Runtime 2.0 migrieren kann. Das Ganze geht aber voran. Es gibt schon eine lange Liste von Bindings, die problemlos funktionieren. Da es aber 160 Add-ons gibt, liegt noch einige Arbeit vor uns, d.h. insbesondere vor der Community. Das Ziel ist, im Laufe dieses Jahres eine Beta-Version von openHAB 2.0 zu veröffentlichen

Thomas Eichstädt-Engelen: Wir wollen an dieser Stelle auch nochmal explizit dazu aufrufen, sich zu beteiligen. Wir sind uns darüber bewusst, dass im ganzen System – insbesondere gilt das für openHAB 1 – die Community ganz klar aus Privat- bzw. Individualentwicklern besteht. Da sind wir auf den guten Willen aller angewiesen. Bei über 160 Add-ons kann man sich leicht vorstellen, dass wir die Hardware für einen Test schlicht nicht selbst zu Hause haben können. Und da wäre es wirklich toll, wenn uns noch mehr Leute unterstützen würden. Das Ausprobieren besteht letztlich nur darin, sich eine openHAB-2-Runtime aufzusetzen, also: Download – Entpacken – Läuft. Dann nimmt man sich das Add-on aus der 1er-Laufzeitumgebung, packt es in die 2er-Laufzeitumgebung, prüft, ob alles funktioniert und erweitert die Kompatibilitätsliste. Das ist also eigentlich sehr einfach.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

 

Kai Kreuzer arbeitet als Developer Evangelist im Connected-Home-Bereich der Deutschen Telekom AG. Er ist Project-Lead des Eclipse-SmartHome-Projekts und gründete 2010 das Open-Source-Projekt openHAB, um damit alle Aspekte rund um sein Haus zu automatisieren.

Thomas Eichstädt-Engelen arbeitet als Senior Consultant bei innoQ Deutschland, wo er sich mit Entwicklung und Training im Eclipse-, RCP- und OSGi-Umfeld beschäftigt. Seine Freizeit bestimmt die Weiterentwicklung der Integrationsplattform openHAB, wo er seit 2010 aktiver Committer ist.

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Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann hat an der Goethe Universität Soziologie sowie Buch- und Medienpraxis studiert. Er lebt seit acht Jahren in Frankfurt am Main und arbeitet in der Redaktion von Software und Support Media.
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