Eclipse RAP wird umbenannt: Es lebe die Remote Application Platform

Hartmut Schlosser

Vor sechs Jahren sah die IT-Welt anders aus. Beispielsweise war Ajax noch in aller Munde als neues, modernes Prinzip der Webentwicklung – und wussten Sie, dass so auch das „A“ in die JAX-Konferenz kam: die Konferenz für Java, Ajax and more? Und spannend war es damals auch, Eclipse-RCP-Anwendung zu „ajaxifizieren“, sprich als Webanwendungen verfügbar zu machen. Das entsprechende Framework dazu war Eclipse RAP, die Rich Ajax Platform, die schnell das Interesse der Community weckte. Nun ist Ajax längst Allgemeingut geworden und nicht mehr das allein seligmachende Heilmittel für die moderne Webentwicklung. Und so hat sich konsequenterweise auch das RAP-Projekt weiterentwickelt hin zu einer allgemeinen Plattform, um Anwendungen auf einem Remote Server zu betreiben. Dieser Entwicklung Rechnung tragend soll RAP nun auch einen neuen Namen erhalten: Das EclipseSource-Team hat einen Vorschlag eingereicht, um die Rich Ajax Platform in „Remote Application Platform“ umzubenennen.

Vor sechs Jahren, zur Gründung des RAP-Projektes, war die Namensähnlichkeit zwischen „Rich Ajax Platform“ und der „Rich Client
Platform“ ein bewusst gewähltes Stilmittel, schreibt RAP-Committer Ralf Sternberg auf der Mailingliste. Damals sollte RAP eine Ergänzung zu RCP darstellen – nicht mehr und nicht weniger. Mittlerweile aber hat sich der Fokus hin zu leichtgewichtigeren Anwendungen verschoben, und auch die mobile Revolution hat ihre Spuren hinterlassen: alternative, nicht unbedingt Ajax-basierte Client-Implementierungen, wie sie für Smartphones und Tablets typisch sind, können durch ein neues, offeneres RAP-Protokoll unterstützt werden.

Diese Öffnung des RAP-Projekes hatte sich bereits im zurückliegenden Juno-Release angekündigt, in dem das offene JSON-Protokoll eingeführt wurde, mit dem der RAP-Server mit den Clients kommuniziert. Ralf Sternberg hatte damals im JAXenter-Interview davon berichtet:

Dieses Protokoll ermöglicht es, beliebige Clients für RAP zu entwickeln, das müssen nicht unbedingt Web-Clients sein. Damit wird aus RAP eine Platform für Remote Applications mit austauschbaren Clients. Ralf Sternberg

Mittlerweile, genauer seit RAP 2.0 M2, ist mit dem Protokoll auch die bidirektionale Kommunikation möglich: Nun spricht auch der Client mit dem Server über das JSON-basierte Protokoll. Außerdem verspricht ein neues Client API, die Arbeit mit alternativen Clients zu verbessern.

Wie intensiv EclipseSource die mobile Welt im Auge behält, zeigt sich auch in Projekten wie Tabris, das Sie vielleicht noch unter dem Namen „RAP mobile“ kennen: eine Plattform zur Entwicklung mobiler Anwendungen für verschiedene Zielplattformen wie iOS und Android. Apps werden einmal in Java bzw. SWT programmiert und können über native Clients auf verschiedenen Mobile-Plattformen betrieben werden.

Der neue Name „Remote Application Platform“ für das RAP-Projekt ist geschickt gewählt: Einerseits beschreibt er die Fokus-Verschiebung der Plattform ziemlich genau. Andererseits behält er die selben Anfangsbuchstaben bei, sodass keine Änderungen an Logos, Namespaces, Webseiten, etc. nötig werden. Auf der Mailingliste wurde der Vorschlag denn auch mit großem Wohlwollen aufgenommen. Die von Wayne Beaton geforderte Restructuring Review (PDF) liegt nun vor und wartet auf das Approval durch die Eclipse-Community.

Die Namensänderung soll mit dem Release von RAP 2.0 vollzogen werden, das für Februar 2013 vorgesehen ist. Mit dieser Version soll dann auch das neue RAP-Protokoll abgeschlossen werden, sodass die Namensänderung in „Remote Application Platform“ inhaltlich voll gestützt wird.

Aus „Rich Ajax Platform“ wird „Remote Application Platform.“ Wie die meisten RAP-Committer sagt auch JAXenter: +1, good choice!

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Hartmut Schlosser
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