Interview mit Wayne Beaton

Eclipse Photon im Fokus: Was ist neu, was kommt danach?

Dominik Mohilo, Gabriela Motroc

Wayne Beaton

Der Release Train „Eclipse Photon“ versammelt in diesem Jahr 85 Projekte zu einer koordinierten Veröffentlichung. Wir haben mit Wayne Beaton, Director of Open Source Projects bei der Eclipse Foundation, darüber gesprochen, was es Neues gibt und welche spannenden Entwicklungen nach Photon nun anstehen.

JAXenter: Hallo Wayne! Was ist das Besondere am diesjährigen Simultan-Release Eclipse Photon?

Wayne Beaton: Was Eclipse Photon ausmacht, ist der Fokus auf Stabilisierung und eine bessere Benutzerfreundlichkeit, von der viele der Funktionalitäten profitieren. Zu den wichtigeren neuen Features gehören ein überarbeitetes Dark Theme, die Unterstützung der Sprachneuerungen in Java, Verbesserungen im Look and Feel sowie in vielen Dialogfeldern, Voreinstellungen usw.  Es gibt nun die Möglichkeit, Testordner in Java-Projekten anzulegen, außerdem wurde der Support von PHP 7 erweitert. Eine umfassende Liste der Neuerungen findet sich im New and Noteworthy.

Im letzten Jahr konzentrierte sich das Eclipse Oxygen Release vor allem auf die Unterstützung neuer Java 9 Features wie Modularität. Zwar gab es in diesem Jahr ebenfalls neue Java-Versionen, diese brachten aber nicht das selbe Maß an Sprachneuerungen mit sich, sodass sich das Team auf die Bereitstellung neuer Features sowie auf Performance-Verbesserungen konzentrieren konnte.

Eclipse Photon markiert auch die anhaltende Unterstützung des Language Server Protocol (LSP) durch die Eclipse-Community. Ein hervorragendes Beispiel dafür ist das Eclipse-Corrosion-Projekt – eine Rust IDE, die im diesjährigen Photon Release zum ersten Mal dabei ist. Das Projekt zeigt, wie schnell neue Sprach-IDEs mit der LSP-for-Eclipse-(LSP4E-)Technologie erstellt werden können.

Andererseits markiert Photon auch das Ende einer Ära, da die Community auf ein dreimonatiges Release-Modell umsteigt. Im Juni 2018 kommt die letzte der jährlichen Simultanveröffentlichungen. Zukünftig werden wir vierteljährlich releasen.

JAXenter: Im letzten Jahr haben sich 83 Open-Source-Projekte am Simultan-Release beteiligt. In Eclipse Photon sind es 85. Wer sind die Newcomer?

Wayne Beaton: Es gibt eigentlich mehr als zwei Newcomer. Einige Projekte sind in diesem Jahr nicht mehr dabei. So haben die Projektteams von Eclipse Sphinx und Eclipse Orion entschieden, dass der Simultan-Release-Zyklus nicht mehr gut zu ihrem Entwicklungsplan und ihrer Zielgruppe passt. Leider sind die Teams hinter Eclipse Subversive (der SVN Team Provider) und Eclipse EGerrit nicht mehr aktiv und mussten aussteigen. Dies wird also unser erstes Release seit sehr langer Zeit sein, das keine SVN-Unterstützung „Out of the box“ enthält. Allerdings kann die SVN-Unterstützung weiterhin über den Eclipse Marketplace hinzugefügt werden.

Hinzugekommen sind hingegen die Projekte Eclipse aCute (C#- und .NET-Core-Entwicklungstools), Eclipse Corrosion (Rust-Entwicklungstools), Eclipse RedDeer (SWT/GUI Testing) und Eclipse TM4E (Unterstützung für TextMate-Grammatiken). Die Projekte Eclipse Collections, EclipseLink (Java Persistence) und Eclipse Yasson (JSON Binding) sind ebenfalls mit dabei; diese Projekte bieten Frameworks und Bibliotheken, die Java-Entwickler in ihre eigenen Produkte integrieren können.

JAXenter: Was war die größte Herausforderung bei der Veröffentlichung von Eclipse Photon?

Wayne Beaton: Jedes Jahr besteht eine der größten Herausforderungen einfach darin, dass alle Projektteams aktiv in den Prozess eingebunden werden. Wir haben einige Kontrollpunkte im Prozess, die in erster Linie darauf ausgerichtet sind, sicherzustellen, dass die Projektteams die Kommunikationskanäle nutzen und Teil der laufenden Diskussion über das Release sind. An jedem Checkpoint gibt es immer ein, zwei Projektteams, denen wir nachjagen müssen, um sicherzustellen, dass sie in den Prozess eingebunden sind. Es geht darum, Überraschungen zu vermeiden – eigentlich ist die ganze Idee, das Release so langweilig wie möglich zu gestalten.

Die Koordination zwischen den einzelnen Projekten ist ein zentraler Aspekt. Da wir Projekte für Meilenstein-Builds zusammenführen, werden etwaige Integrations-Probleme von etlichen verschiedenen Projektteams identifiziert. Gemeinsam wird dann daran gearbeitet, die Probleme zu beheben.

JAXenter: Wird die Unterstützung für Java 11 nach dem gleichen Muster per Hotfix in die Java Development Tools (JDT) einfließen, wie das bereits bei Java 10 der Fall war?

Wayne Beaton: Die Release-Frequenz wird sich nach der Veröffentlichung von Eclipse Photon verändern. Anstelle von jährlichen Releases wird es alle drei Monate zum Quartalsende ein Simultan-Release geben. Oberflächlich betrachtet ist das eher eine kleine Änderung, insbesondere wenn man bedenkt, dass wir bereits seit einer ganzen Weile sogenannte Update Releases anbieten. Für die Nutzer hat dies aber nun einen gewaltigen Vorteil, denn sie müssen ihre Lieblings-IDE nicht mehr jedes Jahr aufs Neue herunterladen, sondern bekommen ganz gemütlich ein Update in jedem Quartal.

Besonders interessant ist nun, wie die Projektteams ihre Arbeitsweise mit dieser Änderung umstellen werden. Bislang hat etwa das Team der Java Development Tools (JDT) die Update Releases lediglich für Bugfixes genutzt. Neue Features und die Unterstützung neuer Sprachversionen kamen immer erst mit dem großen Simultaneous Release im Juni. Ab sofort können neue Features aber  – und dazu zählt die Unterstützung neuer Java-Versionen – auch in den restlichen drei Releases pro Jahr umgesetzt werden. Natürlich geht es auch hierbei um das richtige Timing. Es kann also passieren, dass Patch Releases nötig werden, wenn sich die Zeitpunkte der Veröffentlichung nicht überschneiden. Aber die längste Zeit, die man nun auf die native Unterstützung einer neuen Java-Version warten muss, sollte nicht länger als drei Monate betragen.

JAXenter: Es gibt bislang keine Informationen zum Namen des nächsten Simultaneous Release. Ab wann können Vorschläge dafür eingereicht werden?

Wayne Beaton: Wie bereits erwähnt, wird die Release-Frequenz von einem jährlichen Release auf ein Release alle drei Monate umgestellt. Durch diese Änderung verliert das Juni-Release ein wenig von seiner Signifikanz, weshalb wir uns entschieden haben, keine „richtigen“ Namen mehr zu vergeben. Stattdessen wird Eclipse ein datumsbasiertes Namensschema erhalten, bspw. Eclipse 2019-06 (YYYY-MM).

Etwas, das einigen Mitgliedern der Community aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass wir zwar Releases mit einem Namen versehen, aber nicht wirklich das benennen, was wir eigentlich veröffentlichen. Wir haben ein Eclipse Photon Repository, Eclipse Photon Packages und sogar das Eclipse Photon Simultaneous Release, aber anders als das Simultaneous Release hat das Ding, das wir produzieren, gar keinen Namen. Für die Community wird die Namensfrage eine interessante Aufgabe, besonders im Hinblick darauf, dass wir nun mehrere Simultaneous Releases haben werden.

Die Eclipse Science und PolarSys Working Groups haben übrigens auch ein jährliches Simultaneous Release, und auch die ganze Arbeit, die derzeit rund um Jakarta EE geleistet wird, wird mit Sicherheit in einer gewissen Form ein wie auch immer geartetes Simultaneous Release nach sich ziehen.

JAXenter: Das Jahr 2018 ist bereits zur Hälfte vorüber, aber dennoch stehen für die kommenden sechs Monate sicherlich noch spannende Dinge an. Kannst du uns einen kleinen Ausblick auf die kommenden Ereignisse geben?

Wayne Beaton: Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Verschmelzung der Runtime Eclipse OpenJ9 mit der Eclipse IDE. Die ersten Tests haben bei der Nutzung der Eclipse IDE in Verbindung mit OpenJ9 signifikante Verbesserungen in der Startgeschwindigkeit, der generellen Performance und der Speichernutzung ergeben. Unter den besten Umständen gibt OpenJ9 sogar Arbeitsspeicher zurück an das Betriebssystem, was gerade bei einer langanhaltenden Nutzung der Eclipse IDE interessant ist. Auch die manuelle Installation einer Runtime durch den Nutzer vor der Nutzung der Entwicklungsumgebung würde bei der Verknüpfung von OpenJ9 mit der Eclipse IDE wegfallen. Wer sich das Ganze einmal ansehen möchte, kann sich Eclipse OpenJ9 bei AdoptOpenJDK besorgen.

Aufregend ist zudem nach wie vor der Umzug der Java-EE-Spezifikation zur Eclipse Foundation unter dem Banner von Jakarta EE. So wird ein Ort für die Community-getriebene Kollaboration und offene Innovation für die Cloud geschaffen.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Interview!

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Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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