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Im Gespräch mit Steffen Pingel

Eclipse Mylyn in Indigo: Mit neuer Struktur zum Top-Level-Projekt

Das Eclipse-Mylyn-Projekt hat in der Indigo-Version eine Umstrukturierung erfahren und ist zum Top-Level-Projekt aufgestiegen. Was Mylyn 3.6 zu bieten hat und welche Neuerungen in den Eclipse-Marketplace-Client eingeflossen sind, klären wir mit Mylyn-Committer Steffen Pingel.

JAXenter: Hallo Steffen. Mylyn wurde für Indigo komplett umstrukturiert. Weshalb dieser Schritt und wie sieht die neue Projektstruktur aus?

Steffen Pingel: Angefangen hat Mylyn vor sieben Jahren als eine Idee auf einem Whiteboard der Universitat von British Columbia. 2006 wurden die ersten Versionen (damals noch mit dem Namen Mylar) unter dem Eclipse-Technology-Projekt veröffentlicht. Seitdem sind pro Jahr mehrere Releases erschien und Mylyn hat sich als Tools-Projekt weiterentwickelt. Um dem stetig wachsenden Ecosystem, das sich um das Projekt gebildet hat, gerecht zu werden, und Mylyn für Beteiligung und weitere Themen rund um ALM zu öffnen, war die Promotion zum Top-Level-Projekt der konsequente Schritt. Der Quellcode wurde entsprechend der bestehenden APIs und Frameworks auf sechs Unterprojekte aufgeteilt, die Schlüsselkomponenten des Application Lifecycle abdecken: Context, Docs, Builds, Tasks, Reviews und Versions. Desweiteren gibt es einen Incubator, in dem experimentelle Komponenten entwickelt werden, und wir erwarten, dass in der nahen Zukunft weitere Projekte dazu kommen werden.

JAXenter: In Indigo ist Mylyn in der Version 3.6.0 verteten. Welche neuen Features wurden umgesetzt?

Pingel: Eine beliebte neue Komponente, die aus einem Summer-of-Code-Projekt hervorgegangen ist, ist ein Konnektor für Hudson/Jenkins, der in einer zentralen Builds-Ansicht den Status von ausgewählten Build-Jobs präsentiert. Details zu einem Build lassen sich in einem Editor anzeigen, von dem aus fehlgeschlagene Tests lokal gestartet werden können. Außerdem kann man im Editor auf die Ausgabe des Build und die erzeugten Artefakte zugreifen oder mit wenigen Klicks ein Task erzeugen.

Eine weite erwähnenswerte Neuerung ist die automatische Erzeugung von Task-Kontexten. Wenn eine Task, die ein Stack Trace beinhaltet, zum ersten Mal aktiviert wird, erzeugt Mylyn einen Kontext, der die Elemente aus dem Stack Trace enthält, um die schnelle Fehleranalyse zu unterstützen. Ein weiteres, sehr praktisches neues Feature ist ein Widget zur Anzeige der aktiven Task, den man damit immer im Blick behalten kann, was ein schnelles Wechseln zwischen Tasks ermöglicht.

Wie in jedem Release haben wir die Benutzbarkeit weiter verbessert. In der Task-Liste sind neue Filter hinzugekommen, um die Anzahl der Änderungsbenachrichtigungen einfacher kontrollieren zu können. Im Task-Editor wird ein Bild des Besitzers einer Task angezeigt, um eine schnelle Zuordnung zu ermöglichen. Der Bugzilla-Konnektor unterstützt nun Bugzilla 4.0 und die Anzeige von privaten Kommentaren, und im Trac-Konnektor ist Unterstützung für Zertifikatauthentifizierung hinzugekommen.

Eine Übersicht der zahlreichen weiteren Detailverbesserungen findet sich im New and Noteworthy.

JAXenter: Auch der Marketplace Client wurde in Indigo überarbeitet. Was hat sich hier getan?

Pingel: Der von der Eclipse Foundation gesponserte und von Tasktop entwickelte Marketplace Client ermöglicht die direkte Installation von Erweiterungen, so genannten Solutions, aus Eclipse heraus. Mit dem Indigo Release ist es jetzt möglich, Solutions direkt aus dem Browser per Drag und Drop vom Eclipse Marketplace auf die IDE zu ziehen, um eine Installation zu initiieren. Oft gewünscht wurde auch eine Möglichkeit, Solutions mit anderen Benutzern auszutauschen. Selektierte Solutions lassen sich daher jetzt ganz einfach per Twitter oder E-Mail verschicken. Außerdem wurde die Liste von Katalogen erweitert, die nun direkt in einer Leiste auswählbar sind. Zu den einzelnen Solutions werden Tags angezeigt, über die sich themenverwandte Solutions mit einem Klick finden lassen.

JAXenter: Was sind aus deiner Sicht die weiteren Highlights in Eclipse Indigo?

Pingel: In diesem Jahr sind über zehn Projekte zum Release Train hinzugekommen. Das zeigt, dass sich Eclipse stetig weiterentwickelt und sein Spektrum vergrößert. Unter den neuen Projekten haben zwei mein Interesse besonders geweckt: m2e, das Maven nahtlos mit Eclipse integriert, und WindowBuilder, ein Werkzeug zur grafischen Erstellung von Benutzeroberflächen. Um diese tollen Werkzeuge Java-Entwicklern möglichst einfach zugänglich zu machen, haben wir beide Projekte für Indigo in das populäre Java Package aufgenommen. Bald ausprobieren möchte ich auch Jubula, das erst seit kurzem Eclipse-Projekt ist und große Erleichterung beim Testen von grafischen Benutzeroberflächen verspricht. Last but not least möchte ich natürlich auch EGit erwähnen, das mit Indigo die Version 1.0 erreicht und in Verbindung mit der entsprechenden Mylyn-Integration beim täglichen Arbeiten mit Git für mich unverzichtbar geworden ist.

JAXenter: Welche Entwicklungen stehen für Mylyn im kommenden Eclipse Juno Release an?

Pingel: In den nächsten Wochen stehen erst einmal die vollständige Migration des Quellcodes zu Git und kleinere Aufräumarbeiten an, um jegliche zyklische Abhängigkeit zwischen Unterprojekten aufzulösen. Für Juno planen wir, zum einen die Entwicklung der neuen Frameworks weiter voranzutreiben, damit Builds und Code-Reviews genauso einfach handhabbar werden wie Tasks. Zum anderen wollen wir die Integration mit dem Tasks-Framework weiter verbessern. Bereits jetzt lassen sich Builds und Commits auf einfache Weise mit Tasks verlinken, aber viele Benutzer wünschen sich noch umfangreichere Funktionalität, um Änderungen zu verfolgen. Das zu ermöglichen wird sicher ein wichtiges Thema für das nächste Release sein.

JAXenter: Vielen Dank für das Gespräch!

Steffen Pingel ist Softwareentwickler bei Tasktop Technologies im wunderschönen Vancouver. Er arbeitet an Werkzeugen, welche es Entwickler ermöglichen, fokussiert und produktiv zu bleiben. Während seines Informatikstudiums an der Universität Stuttgart wurde er 2006 Committer im Eclipse-Mylyn-Projekt. Seit Kurzem ist er auch im Eclipse-p2-Projekt engagiert. Steffen Pingel ist fasziniert von der Qualität und Erweiterbarkeit der Eclipse-Plattform, die ihn kontinuierlich zu Verbesserungen des Mylyn Frameworks inspirieren.

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