Das Winter-DemoCamp in Frankfurt

Eclipse mit einer Prise Weihnachten

Sophie Hollmann, Frederic Ebelshäuser

Echte Eclipse-Enthusiasten lassen sich auch von einem heraufziehenden Sturm nicht aufhalten: Trotz Unwetterwarnung fanden sich etwa 35 Teilnehmer zum Frankfurter Winter-DemoCamp ein. Belohnt wurden sie mit fünf spannenden Vorträgen über Tools und Technologien aus dem Eclipse-Umfeld. Und natürlich mit der traditionell guten Verköstigung, für die die Eclipse DemoCamps berühmt sind.

Ein Framework für skalierbare Web-Anwendungen

Nach der Begrüßung durch Manuel Bork von Yatta begann der Abend ein wenig weihnachtlich verspielt: Mit der Demo einer Xmas Present App stimmte Martin Lehmann, Accso – Accelerated Solutions GmbH, passend zum ersten Advent schon einmal auf Weihnachten ein. So erfuhren die Teilnehmer nicht nur mehr über das Play Framework, sondern konnten auch gleich ein paar Ideen einpacken, wie sich Geschenkeinkäufe per App organisieren lassen. Anhand der Geschenke-App zeigte Martin Lehmann, wie sich einfache Webanwendungen mit Play spielend entwickeln lassen. Gleichzeitig erlaubt das Framework auch die Entwicklung komplexer Anwendungen.

Das Framework Play hat sich das Motto „We are reactive“ auf die Fahnen geschrieben – responsive, resilient, elastic und message driven. Seine Stärken spielt es ganz im Zeichen des „Reactive Manifesto“ aus. So gewinnen Webanwendungen mit Play an Performance, Skalierbarkeit und Verfügbarkeit. Seit Version 2 basiert Play auf Scala und nicht länger auf Java, doch der Vortrag machte auch deutlich, dass niemand zwingend neue Spielregeln lernen muss. Die Java APIs von Play und Akka funktionieren weiterhin problemlos.

Gizmos and Gadgets – Eclipse Plug-ins, die man kennen sollte

Olaf Gunkel, Yatta Solutions GmbH, hatte eine bunte Auswahl von kleinen, teils unbekannten, aber nützlichen Plug-ins für einen besseren Workflow im Gepäck:

Cut Copy Paste Plus erweitert das Eclipse-Clipboard. Das Plug-in zeichnet ausgeschnittenen oder kopierten Text auf, ganz wie bei einer Zwischenablage. Man kann jedoch selbst festlegen, wie viele Einträge maximal im Speicher bleiben sollen. So gehen bereits gesammelte Werte nicht mehr verloren. Außerdem lässt sich schnell durch die zurückliegenden Einträge navigieren, und auch die Shortcuts kann jeder so anpassen, wie es beliebt.

JadClipse liefert eine nahtlose Integration des Java Decompilers Jad. Das Plug-in ersetzt den Class File Viewer und zeigt statt einer knappen API-Übersicht die dekompilierte Klasse. So gewinnt man einen Einblick in die Funktionsweise von Bibliotheken, wenn man den Source Code mal nicht zur Hand hat.

JDT Postfix completion bewahrt den Entwickler vor dem lästigen Zurückspringen an den Zeilenanfang. Ein bereits verwendeter Ausdruck lässt sich einfach als Template wiederverwenden. Und das spart Tastenanschläge.

RegexUtil hilft dabei, reguläre Ausrücke schneller zu entwerfen und zu testen. Das Plug-in bietet Syntax Highlighting für reguläre Ausrücke, hilfreiche Tooltips für einzelne Teile des regulären Ausdrucks und eine eingebaute Fehlererkennung. Durch eine Kopierfunktion kann der reguläre Ausdruck automatisch in einen Java String umgewandelt werden – das lästige Escapen (beispielsweise von Backslashes) entfällt.

Der ZipEditor macht es möglich, Zip-Archive direkt in Eclipse aufzurufen und wie gewöhnliche Ordner zu behandeln. Dateien lassen sich so innerhalb des Archivs bearbeiten. Danach wird das Archiv direkt aktualisiert. Eclipse zu verlassen ist nicht mehr nötig.

Profiles for Eclipse ermöglicht das Teilen von kompletten Eclipse Setups. Wie das funktioniert, zeigte Olaf Gunkel auch gleich anhand eines praktischen Beispiels: Wer sich den Aufwand sparen möchte, jedes Plug-in einzeln herunterzuladen und auszuprobieren, kann alle Gizmos und Gadgets aus dem Vortrag gesammelt in einem Profil herunterladen.

MyEclipse, Webclipse und Secure Delivery Center

Emanuel Darlea zeigte nicht nur die Entwicklungsumgebung MyEclipse, sondern stellte gleich drei Tools aus dem Hause Genuitec vor. Das kostenfreie Eclipse Plug-in Webclipse hat einen JavaScript Debugger im Gepäck. RESTful Webservices lassen sich leicht visualisieren und testen, für Teams bringt das Plug-in außerdem Slack Interation und Gerrit Workflow gleich mit.

Mit MyEclipse und SDC (Secure Delivery Center) stellte Emanuel Darlea zwei Lösungen für das Enterprise Umfeld vor. Bei beiden lautet der Fokus deshalb auch: Zeit sparen. MyEclipse ist eine eigene Entwicklungsumgebung, die auf Eclipse aufsetzt und unterschiedliche Technologien aus dem Umfeld Java EE und Webdevelopment gleich mitliefert. Beispiele sind Spring, Maven und REST. Das SDC ist ein Provisioning-System für Unternehmen inklusive einer privaten Cloud. Setups können durch Administratoren erstellt, verwaltet und verteilet werden.

Eclipse Scout: Das neue Java Web-Framework

Olaf Lenz, BSI Business Systems Integration AG, lieferte zunächst einen Überblick über die Geschichte von Eclipse Scout und zeigte so, wie sich das Framework über die Jahre den sich immer veränderten Bedingungen anpassen konnte. Auch nach sechzehn Jahren beweist Scout demnach seine Anpassungsfähigkeit. Mit dem Neon Release wird das Frontend durch HTML5, CSS3 und JavaScript-Integration komplett individualisierbar. Das beinhaltet sowohl das Styling einzelner Komponenten als auch globale Anpassungen. Auch im Hinblick auf Responsive Design gibt es Neuerungen. Das Neon Release beinhaltet Multi-Device-Support. Scout-Client-Anwendungen lassen sich also zugleich auf dem Desktop, im Browser und auf mobilen Geräten ausführen.

Bessere Performance für die Eclipse IDE

Auf die IDE warten? Nicht mit Karsten Thoms, itemis. „Hands on“ führte er zum Abschluss des DemoCamps vor, wie Eclipse windschnittiger wird. Angefangen bei grundlegenden Aspekten wie zu schwacher Hardware über die Optimierung des Betriebssystems und Konfigurationsmöglichkeiten in der IDE selbst bis hin zum Fine-Tuning der eclipse.ini und zur Rekonstruktion großer Projekte. „Wartezeit kostet“, sagt Thoms. Dabei geht es ihm aber nicht nur um das Aufsummieren verschwendeter Minuten. Ebenso verwies er auf die versteckten Kosten, nämlich auf die unweigerliche Frustration der Entwickler. Wer wartet schon gern minutenlang, bis die IDE endlich startet?

Nur ein paar Beispiele dafür, wie man eine bessere Performance aus Eclipse herauskitzelt:

  • In bessere Hardware investieren (CPU, RAM, SSD)
  • Den Virenscanner konfigurieren und Indizierungsdienste ausschließen (z.B. den Workspace, .p2 oder .m2)
  • Große Projekte aufteilen

Für den Fall, dass alles nicht hilft, empfiehlt Thoms die Neuinstallation eines frischen Workspace mit Hilfe von Oomph oder Profiles for Eclipse.

Eine einfache und schnelle Komplettlösung konnte allerdings auch Thoms nicht anbieten. Welche Maßnahmen für den einzelnen Entwickler auf einem bestimmten System sinnvoll sind, muss also jeder selbst entscheiden. Das Fazit: Kleinvieh macht auch Mist, und zwar viel.

Für Interessierte haben wir untenstehend das Video und die Folien von Karsten Thoms‘ Vortrag zur Verfügung gestellt. Wer also interessante Tipps für die Optimierung seiner Eclipse IDE bekommen möchte, bekommt hier wertvolle Informationen.

Gemeinsam ging es im Anschluss trotz Wind und Regen in den nahen Pub, wo es dann noch richtig gemütlich wurde. Bis in den späten Abend diskutierten Teilnehmer und Speaker lebhaft weiter. Genau, wie man es von der Eclipse Community kennt.

Geschrieben von
Sophie Hollmann
Sophie Hollmann
Sophie Hollmann ist Technische Redakteurin und bei Yatta mit der umfassenden Dokumentation von Yatta Profiles for Eclipse betraut. Die Spezialistin in Sachen strukturierter Text ist für die knackige Aufbereitung wichtiger Informationen zuständig. Die vielen verschiedenen Informationen und technischen Daten in ihrem Kopf hält sie in der Freizeit mit Cellospielen und Radtouren unter Kontrolle.
Frederic Ebelshäuser
Frederic Ebelshäuser
Frederic Ebelshäuser ist Projektleiter und Software-Engineer bei Yatta. Er entwickelte E-Commerce-Lösungen als Consultant in verschiedenen Bereichen. Heute kümmert sich Frederic als Projektleiter um Eclipse-Integrationen von Yatta, darunter auch die Entwicklung der Profiles for Eclipse. Außerdem engagiert er sich als Speaker mit Vorträgen in der Eclipse-Community. Frederic begeistert sich für kulturelle Erlebnisreisen und frühstückt am liebsten in Barcelona.
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