Vienna Calling, o-oo-ooh!

Eclipse Mars: IoT, e(fx)clipse und 3 Mythen über die Eclipse Foundation

Tam Hanna

Florian Pirchner eröffnet das Eclipse DemoCamp Wien

Zur Feier des Eclipse Mars Release Trains finden 2015 Eclipse DemoCamps in aller Welt statt. In kurzen Demos werden unterschiedliche Eclipse-Themen und –Projekte beleuchtet. Wir begleiten die Events auf JAXenter in einer kleinen Serie: Dieses Mal schalten wir nach Wien zu unserem Korrespondenten Tam Hanna.

Das in Zusammenarbeit mit der österreichischen IT-Personalagentur AgentEx abgehaltene Eclipse DemoCamp fand am 19. Juni in einem Wiener Coworking-Space statt. Zur Eröffnung trat Benjamin Cabé von der Eclipse Foundation auf. Benjamin nutzte seinen Talk, um mit häufigen Vorurteilen gegenüber seinem Arbeitgeber aufzuräumen: Der wichtigste Kritikpunkt betrifft die immer noch weit verbreitete Gleichsetzung von Eclipse und IBM. Die Foundation sieht sich vielmehr als Anbieter von Services für Open-Source-Projekte – selbst die Nutzung von Java ist keine Voraussetzung. Mit Working Groups möchte man in Zukunft zudem in die Welt der Kollaboration vordringen: Die Gruppen sollen Unternehmen und Wissenschaftlern bei der Etablierung neuer  Standards helfen.

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Benjamin Cabé: Drei Mythen über die Eclipse Foundation

Ein Kessel Buntes

Tom Schindl stellte in seinem Surprise-Talk seinen neuen Editor „Compensator“ vor. Das aus Eclipse-Komponenten zusammengesetzte Projekt realisiert eine Art Notepad++. Compensator ist unter anderem deshalb interessant, weil es die Realisierung eigener Mini-IDEs demonstriert. Wer sich bisher mit Visual Studio Core herumschlug, konnte hier die eine oder andere Idee mitnehmen. Zudem ist das Tool ob seines einfachen Aufbaus – ein Teil der Benutzerschnittstelle basiert auf CSS – auch eine ideale Basis für eigene Custom IDEs.

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Tom Schindl: e(fx)clipse Compensator

Als Nächstes folgte eine Präsentation des in Österreich entwickelten JVx-Frameworks. Im Rahmen einer Livecoding-Session wurde die Generierung von Applikationen per WYSIWYG-Editor demonstriert. Das als Basis dienende Eclipse JDT wurde ebenfalls erwähnt: der AST-Parser genoss besondere Aufmerksamkeit.

Die Quintessenz der ersten Vortragsreihe ist, dass die Eclipse-Foundation zum Frontalangriff auf Microsofts Visual Studio Core bläst. Wer eine hauseigene IDE realisieren möchte, kann die benötigten Komponenten aus den diversen Eclipse-Produkten extrahieren – dank der vergleichsweise liberalen Eclipse Public License geht dies im Großen und Ganzen ohne rechtliche Querelen.

Modelle im Review

Philip Langer befasste sich mit der Bewertung von Modellen: Das Errichten einer Feedbackschleife ist schon allein aus dem Grund schwierig, weil Git und Co. mit Modellen nur wenig anzufangen wissen. Das Fehlen der von Quellcode bekannten Vergleichswerkzeuge erschwert die Durchführung von Reviews. Im Eclipse Modeling Framework gibt es mit EMF Compare ein Vergleichswerkzeug, das zwei Versionen von Objektbäumen anhand von Matchingheuristiken miteinander korreliert. Die daraus erzeugten Diffs lassen sich in etwa wie Diffs in normalem Quellcode weiterverwenden. In der Theorie behebt dies die oben genannten Hindernisse, was die Realisierung eines Feedbackprozesses auf Modellebene erleichtert.

Laut der praktischen Erfahrung des Autors scheiterten viele Deployments von EMF Compare daran, dass Entwickler das als Framework vorgesehene Produkt ohne große Adaptierungen an die individuelle Situation einsetzen. EMF Compare ist auf die Erkennung von Unterschieden auf Objektebene spezialisiert: Das genaue Anzeigen und die Übertragung sollte vor dem Einsatz an die Bedürfnisse und die Entwicklungsumgebung der Nutzer angepasst werden.

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Philip Langer: EMF Compare

 

Als Beispiel für eine erfolgreiche Integration erwähnte Philip Langer die Erweiterung von Papyrus: Im Rahmen einer praktischen Vorstellung wurde die Konflikterkennung und das Merging von Änderungen präsentiert. Wer das Projekt selbst testen möchte, findet unter http://collaborative-modeling.org weitere Informationen zum Thema und zur dahinterstehenden Industrieorganisation.

Intelligente Dinge

Es steht außer Frage, dass das Internet of Things für die Eclipse Foundation eine immer wichtigere Rolle spielt. Auf der Eclipse DemoCamp Vienna sollte das Thema in drei Vorträgen Erscheinung finden. Der Talk von Florian Pirchner zum Thema OSGi wurde aus Zeitgründen auf die Vorführung einer IoT-Dampfmaschine reduziert.

Florian Pirchners IoT Dampfmaschine

Als Erstes begann der von der Eröffnung bekannte Benjamin Cabé mit einem Überblick der diversen IoT-Angebote aus dem Hause Eclipse. Erwähnung verdient Kura, eine Verwaltungssoftware, die das Management eines Gateways für das Internet of Things wesentlich erleichtert. Neben Features zur Auflistung der mit dem Server verbundenen Geräte gibt es auch Funktionen, die bei der Verwaltung von OSGi-Bundles behilflich sind. Ein als „Web UI“ bezeichnetes Feature hilft bei der Realisierung von Steuerungsapplikationen, die das Gateway als Kommunikationswerkzeug einspannen. Dank des Einsatzes von JavaScript lassen sich diese auch auf Smartphones ohne Probleme ausführen.

IT Security Summit 2019

Hands-on workshop – Hansel & Gretel do TLS

mit Marcus Boiton (Synchromedia Limited)

Sichere Logins sind doch ganz einfach!

mit Arne Blankerts (thePHP.cc)

Werner Keil begann seinen Vortrag mit einer Analyse der für die Einheitenbeschreibung zuständigen JSR 363: Die Nutzung von dimensionierten Variablen ist spätestens nach dem Absturz des Mars Climate Orbiter eine höchst sinnvolle Maßnahme. Nach einem kurzen Exkurs in die Welt des Altenheims der Zukunft – die Beobachtung des Aufenthaltsort der Bewohner wird hier durch Sensoren überwacht, um Pflegekräfte zu entlasten – befasste sich Keil mit den Problemen der Integration von JSR 363 in das Smart-Home-Projekt.

Zu guter Letzt wendete sich Keil dem leidigen Thema von Java und Embedded zu: Dass eine JVM auf einem Achtbitter eher schlecht als recht läuft, folgt aus der Logik. Auf einem X86-Board wie dem Edison sieht die Situation indes völlig anders aus: Das Ausführen kleinerer Java-Snippets funktionierte während des Vortrags problemlos.

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Intels Edison bringt Java in das Internet of Things

Aus der VR China stammt ein als ESP8266 bezeichnetes Modul, das Microcontrollern den Zugriff auf per WLAN erreichbare Ressourcen erleichtert. Der sehr preiswerte integrierte Schaltkreis – im nicht für seine geringen Preise bekannten Verkaufsautomaten des Wiener Hackerspaces MetaLab kostet er 8 Euro – dürfte die Welt des IoT massiv aufmischen (siehe Abbildung).

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Dieser IS macht den Arduino Yun arbeitslos

 Alles für die Community

Das Eclipse DemoCamp Vienna überraschte die Teilnehmer mit einer neuen Talkaufteilung: Die Sprecher sprachen je 20 Minuten, danach gab es 10 Minuten Diskussionszeit und eine zehnminütige Pause zum „Socialising“. Dies wirkte sich positiv auf die Kommunikation zwischen den Sprechern und den Teilnehmern aus. Eine Beer Lounge sorgte im bierverliebten Wien für zusätzliche Interaktion zwischen den Teilnehmern.

Daheimgebliebene können dank einer Zusammenarbeit mit dem bekannten österreichischen YouTube-Channel debclub.tv auf Videomitschnitte aller Talks zurückgreifen.

Fazit

Ein Besuch bei einem Eclipse DemoCamp ist wie ein wohlgezielter Hieb in eine Pinata: Man weiß im Voraus nie, was einen unter’m Strich erwartet. Die Wiener Ausgabe des etablierten Formats bot Entwicklern einen Überblick diverser Buzz-Themen: Nach dem gut achtstündigen Event ist man für eine Runde Buzzword-Bingo bestens gerüstet.

Wer die Eclipse Foundation bisher nur als Anbieter einer IDE kennt, sollte schleunigst umdenken: Im Schatten der mächtigen Entwicklungsumgebung gedeihen dutzende andere Projekte, die Entwicklern das Leben immens erleichtern können – wenn man sie denn kennt.

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Geschrieben von
Tam Hanna
Tam Hanna
Tam Hanna befasst sich seit der Zeit des Palm IIIc mit der Programmierung und Anwendung von Handcomputern. Er entwickelt Programme für diverse Plattformen, betreibt Onlinenewsdienste zum Thema und steht unter tamhan@tamoggemon.com für Fragen, Trainings und Vorträge gern zur Verfügung.
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1 Kommentar auf "Eclipse Mars: IoT, e(fx)clipse und 3 Mythen über die Eclipse Foundation"

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René Jahn
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