Kolumne: Lagebericht Eclipse-IDE

Eclipse Usability: Mit diesen Tricks wird Eclipse Oxygen benutzerfreundlich

Simon Scholz, Lars Vogel

Eclipse hat in Sachen Usability nicht gerade den besten Ruf. Zu Recht? In dieser Folge der Kolumne Lagebericht Eclipse-IDE zeigen Simon Scholz und Lars Vogel, wie die Benutzerfreundlichkeit in Eclipse Oxygen verbessert wird.

Open-Source-Projekte sind nicht unbedingt für ihr hohes Maß an Nutzerfreundlichkeit bekannt. Die gängige Meinung ist, dass der Feinschliff eines firmeninternen Teams fehlt, um sie schlussendlich wirklich rund zu machen. Allerdings kann man auch bei kommerziellen Produkten ins Zweifeln kommen. Wie sich Windows 10 beispielsweise in den Einstellungen immer mal wieder auf sein uraltes UI zurückschaltet, kann nicht wirklich als feingeschliffen durchgehen. Auch ein gutes Beispiel ist die verwirrende Anzahl der <em>Settings</em>-Einträge in Android Studio, die nicht gerade auf ein klares Konzept hinweisen. Trotzdem hat die Eclipse IDE in Sachen Usability einen schlechten Ruf. Im Rahmen des Platform-Projekts versuchen wir, eine bessere Basis zu schaffen.

Eclipse Usability

Ein sehr altes Problem von Eclipse wurde nun endlich adressiert. Benutzer hatten bis dato keine einfache Möglichkeit zu sehen, ob die von ihnen verwendete Version veraltet war und inzwischen eine neuere veröffentlicht wurde. Es bestand die Gefahr, dass unwissentlich mit veralteter Software gearbeitet wurde. Natürlich ist es schön, wenn die Benutzer mit einer alten Version noch gut arbeiten können. Es ist aber auch schade, wenn sie nicht von den Verbesserungen und Neuerungen der aktuellen Releases profitieren. Die pragmatische Lösung der Problematik ist die Integration des Releasedatums in den Splash Screen (Abb. 1).

Abb. 1: So könnte der Splash Screen für Eclipse Oxygen aussehen

Im Bereich Theming sind für Eclipse Oxygen bereits einige Verbesserungen umgesetzt worden. Farbfehler wurden unter Windows und Mac entfernt und die Pop-ups unter Linux im hellen Theme aufgewertet. Zudem eine große Anzahl von Kleinigkeiten, die hoffentlich die Benutzung von Eclipse ab der nächsten Version einfach netter machen. Auch am Eclipse Dark Theme wird konstant geschraubt, um die Arbeit mit der Entwicklungsumgebung so angenehm wie möglich zu machen.

Filter, Filter an der Wand

IDE-Benutzer, die nicht mit einem trivialen Set-up unterwegs sind, benötigen Filter, um die korrekten Daten auszuwählen. Leider hat die Eclipse IDE diese Option bislang nicht immer angeboten. In Eclipse 4.7 wurden bzw. werden gerade die entsprechenden Stellen nachgerüstet, z. B. beim Clean Dialog oder beim Erstellen eines neuen Features. Stefan Winkler aus Kiel arbeitet zurzeit an einem Filter für den Projekt-Explorer. Ein solcher würde unserer Meinung nach das größte Problem in Sachen Usability in Eclipse lösen, nämlich das effiziente Finden von Dateien und Projekten. Eclipse erlaubt vom Design her das Öffnen von sehr vielen Projekten, macht es dann aber schwer, in diesen Projekten Dateien zu öffnen. Natürlich gibt es Lösungen wie Open Type oder Open Resource, aber ein Filter im Projekt-Explorer wäre eine große Erleichterung. Im Jahr 2012 hat Lars dazu schon einmal den Projekt-Explorer gepatcht. Toll, wenn es hier bald eine Standardlösung gibt.

Wissen, wo man hingehört und was man tut

An dieser Stelle sind wir einmal ganz ehrlich: Ein paar Dinge in Eclipse 4.6 sind einfach nur peinlich. Was bitte machen beispielsweise die Menüeinträge Switch Workspace und Restart unter dem Eintrag Print? Das ist auf keinen Fall der logische Platz für diese Einträge. Zum Glück haben wir das in Version 4.7 gefixt. Zusätzlich sind auch noch ein paar wenig genutzte Menüeinträge aus dem Hauptmenü herausgenommen worden. Damit sollte das Menü in Eclipse künftig intuitiver nutzbar sein.

OK und Cancel beziehungsweise Cancel und OK, je nachdem, welche Plattform man benutzt: So kennt man die Eclipse-Dialoge (Abb. 2). Besonders benutzerorientiert ist diese Vorgehensweise allerdings nicht. Die Lehre der Usability besagt, dass Buttons beschreibende Texte haben sollen, sodass der Benutzer nicht immer den Text des Dialogs lesen muss, um zu wissen, was zu tun ist. Deshalb ist das Eclipse-Team aktuell dabei, die Buttons aktionsorientiert zu beschriften, um eine bessere User Experience zu ermöglichen (Abb. 3).

Abb. 2: Der alte Speicherdialog in Eclipse

Abb. 3: Der neue Speicherdialog mit aktionsorientierten Buttons

Eine Überarbeitung könnten die Perspektiven in Eclipse eigentlich auch vertragen. Was macht zum Beispiel die Mylyn Task View in der Standard-Java-Perspektive? Oder warum ist die Java-Debug-Perspektive so konfiguriert, dass man sie gar nicht benutzen kann oder sollte? Warum schreiben die Java Development Tools (JDT) die ganze Zeit //TODO-Statements in meinen Sourcecode, die ich dann wieder manuell löschen muss? Sicherlich auch wichtige Themen, aber hier scheiden sich leicht die Geister und Änderungen sind schwieriger. Aber wir hoffen, dass mit der Zeit auch hier Fortschritte gemacht werden können. Noch ist allerdings nichts Konkretes zu berichten.

Fazit

Verbesserungen der Usability sind keine Killerfeatures. Natürlich braucht man auch echte Erweiterungen oder Weiterentwicklungen. Und davon haben wir ja in den letzten Ausgaben dieser Kolumne viel berichtet. Usability Improvements sind aber genau die Kleinigkeiten, die bei einigen Entwicklern das ausschlaggebende Argument für die Verwendung einer IDE sind. Diese Kleinigkeiten sollen die Verwendung der Eclipse IDE, eventuell sogar unterbewusst, angenehmer gestalten. Insbesondere das Filterfeature ist nach Meinung der Autoren heutzutage ein Must-have, und der Rest gehört einfach zum guten Open-Source-Design dazu.

Geschrieben von
Simon Scholz
Simon Scholz ist Eclipse Platform und e4 Committer. Er entwickelt auch am PDE, und Eclipse Gradle Tooling mit und nutzt seine langjährige Eclipse-RCP- und Plug-in-Erfahrung für Kundenimplementierungen, Eclipse-RCP-Workshops und Schulungen. Zudem hält er regelmäßig Vorträge auf Softwarekonferenzen bzgl. verschiedener Eclipse-Technologien.
Lars Vogel
Lars Vogel
Lars Vogel ist Geschäftsführer der vogella GmbH, die Kunden im Bereich Eclipse, Android und anderen Themen unterstützt. Als Project-Management-Committee-Mitglied, Eclipse-Projektleiter und Committer hilft er dem Eclipse-Projekt. E-Mail: lars.vogel@vogella.com
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