Eclipse Helios: Die Enterprise-Plattform Riena 2.0.0 - JAXenter


Neuauflage der Plattform für Multi-Tier Client/Server-Anwendungen

Eclipse Helios: Die Enterprise-Plattform Riena 2.0.0

Die Eclipse-Enterprise-Applikationsplattform Riena ist zum zweiten Mal im jährlichen Eclipse-Release-Zug vertreten. Wir sprachen mit Jürgen Wiesmaier, Geschäftsführer der Frankfurter compeople ag und langjähriger Eclipse-Experte, über die Vorzüge des Riena-Frameworks und die Neuerungen in der gerade erschienenen Helios-Version Riena 2.0.0.

JAXenter: Hallo Herr Wiesmaier. Das Riena-Projekt ist Teil des Eclipse Release Trains 2010 „Helios“. Um was geht es bei Riena?

Jürgen Wiesmaier: Eclipse Riena ist eines der großen Runtime-Projekte innerhalb der Eclipse Community. Riena stellt eine Plattform für die Entwicklung von Client/Server-Applikationen bereit, die auf der Eclipse Rich Client Plattform (RCP) und Equinox basiert. Den Kern von Riena bilden OSGi-basierte Remote Services. Mit ihnen können Entwickler schnell und einfach Multi-Tier Client/Server-Applikationen erstellen.

Riena zeichnet sich insbesondere durch ein UI-Navigationskonzept aus, das sich vor allem für die Realisierung von komplexen Geschäftsanwendungen mit Fokus auf Benutzerfreundlichkeit eignet. Riena wird bereits als Plattform für Innen- und Außendienstsysteme in verschiedenen Projekten im Finanzdienstleistungssektor eingesetzt.

JAXenter: Welche Komponenten stehen zur Verfügung?

Jürgen Wiesmaier: Mit Riena erhält die Anwendung und deren Entwicklung einen RCP-kompatiblen Rahmen mit einigen Kerneigenschaften, die auf den Einsatz im Offline- und Online-Betrieb zugeschnitten sind:

Erstens: Ein Interaktionskonzept mit vorgegebenen Prinzipien wie zum Beispiel visuell autonome Module als zentrale Orientierungspunkte, einem Navigationsbereich mit den baumartig angeordneten Modulen für Geschäftsprozesse sowie eine fachlich begründete Prozesssteuerung mit Unterstützung für den weniger Geübten und den Spezialisten.

Zweitens: Ein zentrales Look and Feel, das Variationen des optischen Charakters der gesamten Anwendung in den Bereichen Schriftart, Farbe und Anordnung erlaubt. Ein Theming, das diese Merkmale fachlich zusammenfasst und steuert.

Und drittens: Remote Services als Ergänzung zu den lokalen OSGi-Services, die über die gleiche Schnittstelle – und daher ohne Änderung der Anwendungssoftware auf einem Client oder einem Server – betrieben werden können.

Weitere technische Unterstützung für Systemdesign und Programmierung bieten die sogenannten Ridgets, die den Zugriff auf Dialogelemente vereinfachen und die Trennung von View und Controller fördern, wie es das MVC-Architekturmuster fordert. In Zusammenarbeit mit dem Eclipse-Projekt RAP ist es so leichter möglich, eine Online-Anwendung auf Basis der Smart-Client-Technologie für den Betrieb in einem Webbrowser bereit zu stellen. Eine wichtige Rolle für die Realisierung eines verteilten Systems spielen die Object Transactions, mit deren Hilfe eine Benutzereingabe und als Folge davon die Änderung an Geschäftsobjekten innerhalb der Gesamtanwendung zwischen Client und Server kontrolliert werden kann. Durch den Einsatz von Dependency Injection fördert Riena die Entkopplung von fachlichen Einheiten untereinander und ihre leichtere Testbarkeit.

JAXenter: Wer ist an der Entwicklung von Riena beteiligt?

Jürgen Wiesmaier: Die compeople AG hat das Projekt in der Eclipse Foundation initiiert und hat auch die Projektleitung inne. An der Entwicklung von Eclipse Riena sind neun Committer sowie weitere sieben sogenannte Contributor der compeople AG beteiligt. Darüber hinaus tragen neben einem Committer von der Firma Innoopract mehrere freiberufliche Committer und Contributor zur ständigen Verbesserung von Riena bei.

JAXenter: Was ist neu an der Helios-Version von Riena?

Jürgen Wiesmaier: Zu den Neuheiten von Eclipse Riena 2.0 zählen u.a. Werkzeuge zur weiteren Vereinfachung der Anwendungsentwicklung sowie die Unterstützung automatisierter Anwendungstests und betrieblicher Integrationstests. Entwickler können jetzt mit Hilfe der neuen Werkzeuge die verschiedenen Strukturelemente ihrer Applikation besser überblicken und kontrollieren und auf diese Weise komplexe Applikationen noch schneller realisieren.

Gleichzeitig lassen sich durch die neuen Werkzeuge Fehlermöglichkeiten, die beim Zusammenfügen oder Ändern größerer Anwendungen auftreten, deutlich reduzieren.

Die Unterstützung automatisierter Anwendungstests mit Eclipse Riena 2.0 ermöglicht es Entwicklern des Weiteren, ihre für den Workflow und die Dialogkontrolle verantwortlichen Strukturelemente „Controller“ in einem automatisiert ablaufenden Regressionstest zu überprüfen. Die Anwendungstests laufen direkt unter der Oberfläche der Anwendung und decken alle nicht-graphischen Facetten der Dialoge und Abläufe ab. Darüber hinaus lässt sich im Rahmen der Unterstützung betrieblicher Integrationstests die Erreichbarkeit aller Remote Services vom Client aus auf einfache Art und Weise testen, ohne dass die dahinterliegende Funktionalität auf dem Server aufgerufen wird.

Mit der Version 2.0 wurden gleichzeitig einzelne Bereiche von Eclipse Riena optimiert. Hierzu zählen z.B. eine durchgängig einheitliche Bezeichnung der Programmier-Schnittstellen, deren klarer Zuschnitt auf ihre jeweilige Aufgabe und eine umfassende, technische Dokumentation der Schnittstellen. Darüber hinaus können Riena-Nutzer jetzt für Markierungen von Pflicht- und Ausgabefeldern sowie von Fehlerkennungen eigene visuelle Elemente entwickeln und einsetzen. Gleichzeitig wurde in Kooperation mit dem Projekt Eclipse RAP die Unterstützung von Web-Browser-Oberflächen verbessert.

JAXenter: Können Sie ein Beispiel beschreiben, wo und wie Riena bereits produktiv eingesetzt wird?

Jürgen Wiesmaier: Eclipse Riena wird in mehreren unterschiedlichen Projekten erfolgreich als Entwicklungsplattform eingesetzt, vor allem im Bereich der Außendienstanwendungen für den Finanzdiensteleistungssektor. Daneben nutzen andere Open Source Frameworks Eclipse Riena, wie beispielsweise redView.

Die compeople AG setzt Eclipse Riena als Basis ihrer kommerziellen compeople Smart Client Plattform ein.

JAXenter: Welche Entwicklungen in Riena sind für den nächsten Release-Zyklus Indigo geplant?

Jürgen Wiesmaier: Hier sind u.a. die Integration in Eclipse e4 sowie Qualitätssteigerungen hinsichtlich Speicherverbrauch und Prozessorzeit und ein Ausbau der Toolbox geplant.

JAXenter: Vielen Dank für diese Informationen!

Jürgen Wiesmaier ist Vorstand der compeople AG. Der studierte Informatiker beschäftigt sich seit 1992 mit der Realisierung innovativer IT-Systeme und war für namhafte Firmen im In- und Ausland tätig. Als Vorstand der compeople AG berät er auch das Management der compeople-Kunden bei der Bewertung neuer Technologien und beim Treffen strategische IT-Entscheidungen.

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