Kolumne: Lagebericht Eclipse-IDE

Das sind die Pläne für die Java-Development-Tools in Eclipse 4.7

Simon Scholz, Lars Vogel

Seit Eclipse 4.6 Anfang Juni veröffentlicht wurde, können sich die Nutzer an der Schnelligkeit und Leichtgewichtigkeit der IDE erfreuen. Aber beim Eclipse-Projekt ruht man sich natürlich nicht aus: Diesmal geben wir einen ganz kurzen Überblick über die Keyfeatures von Eclipse 4.6 und blicken anschließend darauf, was die Eclipse-Plattform für Version 4.7 in Planung hat.

Über die Verbesserungen der Eclipse-Plattform haben wir und viele andere schon sehr viel berichtet. Unser persönliches Highlight für Neon ist es zu sehen, wie viele Entwickler sich an diesem aktiv beteiligt haben und damit halfen, Eclipse um viele neue Dinge zu bereichern. Es ist so schnell und stabil wie noch nie. Wie schnell die Eclipse-IDE nun startet, zeigt ein animiertes Gif in einem Tweet von Patrik Suzzi, einem neuen Eclipse Committer.

Viele Usabilityfeatures erleichtern und beschleunigen das Arbeiten mit Eclipse. So gibt es nicht nur neue Tastaturkürzel, wie etwa STRG + + zum Vergrößern von Texten, sondern auch an vielen Stellen neue Buttons und Links, um schneller ans Ziel zu kommen. Auch hier freuen wir uns immer über Feedback von Nutzern, die selbst am besten wissen, wo es für sie beim Arbeiten mit der IDE hakt.

Das Java Tooling verfügt nun über die schon häufiger erwähnte Subword-Vervollständigung, sodass nun auch Matches innerhalb des content assist proposals möglich sind, um die gewünschte Methode schneller finden zu können. Des Weiteren gibt es einige neue Quickfixes, die weitere Automatismen bereitstellen, um das Schreiben von Java-Code zu vereinfachen und zu beschleunigen. Abbildung 1 zeigt beispielsweise eine neue Option, mit der man einfach einen Konstruktor einer Klasse schreiben und auf simplem Wege alle Parameter als Felder deklarieren kann.

Abb. 1: Einfach alle Parameter als Felder deklarieren

Abb. 1: Einfach alle Parameter als Felder deklarieren

Wenn es auch in den letzten Jahren eher ruhig um das Projekt Eclipse Mylyn, mit seinem taskfokussierten Ansatz geworden ist, hat sich unter der Schirmherrschaft des Mylyn-Docs-Projekts doch ein sehr guter Toolsupport für das Schreiben von textuellen Beschreibungen gesammelt.

Wir freuen uns persönlich auch über den guten Toolsupport von AsciiDoc, der es kurz vor dem Release von Eclipse 4.5 noch in die Neon-Update-Site geschafft hat. Damit kann man in der Eclipse-IDE seine Dokumentation relativ einfach in dieser populären Variante anlegen. Insbesondere wenn es um das Schreiben von Dokumentation und somit längeren Texten geht, ist auch das neue Feature Text Wrap hilfreich, um das horizontale Scrollen vermeiden zu können.

Erstmalig hat Eclipse auch einen soliden JSON-Editor an Bord. Der existierende CSS-Editor wurde standardmäßig auf CSS 3.0 umgestellt, sodass er nun auch den aktuellen Standard unterstützt. Das JavaScript-Tooling wurde auch generalüberholt und bietet jetzt Unterstützung für die aktuellste JavaScript-Spezifikation. Weitere Verbesserungen im Bereich HTML-Editor – mehr Codevervollständigung, besseres Syntax-Hightlighting – sind schon für 4.6.1 geplant.

Inzwischen gibt es auch ein solides Docker-Tooling für die Eclipse-IDE, mit dem sich Docker-Container laden und verwalten lassen. Das Tooling stellt eine eigene Eclipse-Perspektive mit vielen Ansichten zur Verwaltung und Konfiguration von einzelnen Docker-Images bereit. Wer das Tooling einmal ausprobieren möchte, sollte sich an den ausführlichen User Guide des Toolings halten.

Pläne für die Java-Development-Tools in Eclipse 4.7

Auch für Eclipse 4.7 hat das Team wieder ambitionierte Pläne: Im Bereich Java-Development-Tools (JDT) wird vorrangig am Java-9-Support und an der Unterstützung von JUnit 5 gearbeitet. Postfix Completion wird es wahrscheinlich leider nicht in die Eclipse 4.7 JDT schaffen, da das JDT-Team keine ausreichenden Kapazitäten hat. Stefan Xenos von Google arbeitet unterdessen weiter an dem neuen Java-Cache und plant diesen relativ früh in der Entwicklungszeit der neuen Eclipse-Version zu mergen, um genug Zeit zum Testen zu haben. Zur Erinnerung: Wenn der neue Cache schließlich aktiv ist, ist zu erwarten, dass typische Java-Operationen wie Open Type ca. zwei- bis zehnmal so schnell werden.

Ähnliche Performancearbeiten finden in der Hintergrundverarbeitung von Eclipse statt. Geplant ist es, einen Monitor zu entwickeln, der Fehlermeldungen generiert, wenn Eclipse-Erweiterungen nicht auf den Abbruch durch den Benutzer reagieren. Während in der Vergangenheit Operationen standardmäßig im Vordergrund liefen und der Benutzer explizit einstellen musste, wenn diese im Hintergrund laufen sollten, hat das Plattformteam nun den Standard geändert. Generell propagiert das Plattformteam, dass man das UI nicht blockieren soll. In vielen Dialogen findet man aber noch eine solche Option. Diese sollen entfernt werden, denn die Operation sollte immer im Hintergrund laufen. Auch die Ausführung und das Abbrechen von Jobs sollen in Eclipse 4.7 schneller werden. Damit werden blockierende Operationen, die in anderen IDEs wie Android Studio den Normalfall darstellen, in Eclipse 4.7 hoffentlich verschwinden oder sehr selten werden.

Neue Programmiersprachen und ein aufgeräumtes SWT

Eclipse ist eine Integrationsplattform für verschiedene Tools. Entwickler von Red Hat (Mickael Istria und Sopot Cela) haben sich daher vorgenommen, den Editorsupport für neue Sprachen stark zu vereinfachen. Statt einen neuen Editor entwickeln zu müssen, kann der für 4.7 geplante Code- und Texteditor einfach mit Erweiterungen versehen werden. Die Unterstützung einer neuen Sprache mit Syntax-Highlighting und Codevervollständigung ist dann fast trivial, und der Benutzer braucht keine externen Texteditoren wie Notepad++ oder Sublime. Wir erwarten, dass gerade diese Entwicklung dem Eclipse-Ökosystem neuen Schwung geben wird.

Im SW-Toolkit wird heftig aufgeräumt. Wahrscheinlich wird die Unterstützung der alten Unix-Systeme (HPUX, AIX Solaris) aufgegeben. Zusätzlich wird der Support von veralteten GTK-Versionen aufgegeben, und das neue Minimum wird GTK 2.14 sein. SWT wurde auf Java 8 aktualisiert, und es ist zu erwarten, dass sich die Lambda-Unterstützung in SWT verbessert. Im Styling sind auch Verbesserungen zu erwarten, so arbeitet der Hamburger Entwickler Conrad Groth am Styling der Windows-Buttons und dem Styling der Tabellenheader. Beides wird benötigt, um endgültig ein solides Dark Theme in Eclipse anbieten zu können.

Stabilität, Usability und verbessertes Styling

Natürlich arbeitet das Team von Eclipse auch weiterhin daran, Bugs zu fixen. Die aktuellen Arbeiten betreffen unter anderem die Usability und die Verbesserung des Stylings in der Eclipse-IDE. Hieran arbeiten primär Patrik Suzzi und Lars Vogel, bislang wurde etwa die hässliche Toolbar von Windows verschönert. Dieser Fix für 4.7 wurde auch auf 4.6 portiert, sodass Eclipse-Benutzer unter Windows bereits mit Version 4.6.1 davon profitieren werden (Abb. 2).

Abb. 2: Die häßlich gestylte Toolbar von Windows wurde verschönert; dieser Fix für 4.7 wurde auch auf 4.6 portiert

Abb. 2: Die häßlich gestylte Toolbar von Windows wurde verschönert; dieser Fix für 4.7 wurde auch auf 4.6 portiert

Patrik arbeitet zudem daran, Pop-ups zu zentrieren und zu vereinheitlichen, bzw. überall Wildcards automatisch zu unterstützen. Das Team entfernt zusätzlich selten genutzte Menüeinträge, wenn man die Funktionalität auch anderes erreichen kann und verbessert Standardeinstellungen. Es ist z. B. geplant, das die Problems-Ansicht standardmäßig nicht mehr alle Fehler und Warnungen im Workspace anzeigt, sondern nur die des aktuell ausgewählten Projekts. Beim Kunden konnten wir häufig beobachten, wie die alte Einstellung für Verwirrung gesorgt hat. Nutzer können Bilder, wie .png– oder .gif-Dateien, nun auch direkt in Eclipse öffnen. Sie müssen dafür nicht mehr auf ein externes Tool zurückgreifen. Verbesserte Usability und besseres Styling sind zugegebenermaßen nicht für jeden kritisch, machen aber das Arbeiten mit Eclipse einfach netter.

Ausblick

Seit Eclipse 4.5 ist die Entwicklungsumgebung, je nach Szenario, im Vergleich mit anderen IDEs mindestens ebenbürtig, in vielen Fällen sogar signifikant weiter, was Performance und Stabilität angeht. Mit Version 4.6 zieht die IDE in kritischen Bereichen nach, wie der JavaScript-Unterstützung. Für Eclipse 4.7 ist nun geplant, den Vorteil gegenüber anderen Lösungen weiter auszubauen: Auf der Liste steht, Eclipse schneller, stabiler, schöner, leichtgewichtiger und einfacher erweiterbar zu machen. Benutzer können sich also schon jetzt freuen.

Geschrieben von
Simon Scholz
Simon Scholz ist Eclipse Platform und e4 Committer. Er entwickelt auch am PDE, und Eclipse Gradle Tooling mit und nutzt seine langjährige Eclipse-RCP- und Plug-in-Erfahrung für Kundenimplementierungen, Eclipse-RCP-Workshops und Schulungen. Zudem hält er regelmäßig Vorträge auf Softwarekonferenzen bzgl. verschiedener Eclipse-Technologien.
Lars Vogel
Lars Vogel
Lars Vogel ist Geschäftsführer der vogella GmbH, die Kunden im Bereich Eclipse, Android und anderen Themen unterstützt. Als Project-Management-Committee-Mitglied, Eclipse-Projektleiter und Committer hilft er dem Eclipse-Projekt. E-Mail: lars.vogel@vogella.com
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1 Kommentar auf "Das sind die Pläne für die Java-Development-Tools in Eclipse 4.7"

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Naja
Gast

„Damit werden blockierende Operationen, die in anderen IDEs wie Android Studio den Normalfall darstellen, in Eclipse 4.7 hoffentlich verschwinden oder sehr selten werden.“

Das ist nun doch ein ziemlich pauschalisierendes Statement und entspricht nicht meinen Erfahrungen mit AS.