Interview mit Pascal Rapicault

EasyEclipse: Erste Version mit Eclipse Luna

Redaktion JAXenter
EasyEclipse

Seit Anfang März wirbt EasyEclipse, eine kommerzielle Java-IDE und Weiterentwicklung von Eclipse, auf Kickstarter um Geldzusagen (wir berichteten). Wir hatten Gelegenheit, Pascal Rapicault, dem Initiator dieser Kampagne, einige Fragen zu diesem Projekt zu stellen, das man noch gut einen Monat auf der Crowdfunding-Plattform unterstützen kann.

JAXenter: Zunächst mal: Wie hängt das Projekt auf Kickstarter mit der Webseite http://www.easyeclipse.org zusammen? 

Pascal Rapicault: Ganz einfach, ich bin der neue Eigentümer von EasyEclipse.org. EasyEclipse.com ist die logische Fortsetzung von EasyEclipse.org, da es sich auf der gleichen Mission befindet: hervorragende Eclipse Distributionen zu erstellen und der Open Source Community wieder zur Verfügung zu stellen. Die Herangehensweise unterscheidet sich aber. Sie ist kommerziell statt Open Source, da sich die Eclipse-Landschaft inzwischen stark verändert hat. Damals im Jahr 2005, als EasyEclipse von dem Team der Firma nexb geschrieben wurde (www.nexb.com) befand sich die Eclipse IDE in einer Boomphase und wurde von großen Firmen unterstützt. Eclipse Packages gab es aber nicht, und passende Plug-ins zu finden war schwierig. Damals gab es andere Probleme. Heute befinden wir uns in einer anderen Lage, und an die Eclipse IDE und die Plug-ins heranzukommen ist heutzutage einfach. Das eigentliche Problem ist es, die Investitionen in Eclipse bei einer wachsenden Anzahl von unzufriedenen Nutzern aufrechtzuerhalten. Das ist nicht zuletzt auch der Grund, warum wir uns für den kommerziellen Weg entschieden haben.

Pascal Rapicault Pascal Rapicault bezeichnet sich selbst als „Eclipse-Oldtimer“. Seit 2002, als er zum Eclipse-Platform-Team bei IBM stieß, ist er Contributer. Seitdem hat war er an Equinox (OSGi), PDE, p2, m2e, tycho als Entwickler, Evangelist oder Projektleiter beteiligt. Seine Eclipse-Leidenschaft und –Erfahrung stellt er mittlerweile als Berater bei Rapicorp zur Verfügung (http://www.rapicorp.com). Bild: P. Rapicault

JAXenter: Als die Idee zu einer Crowdfunding-Kampagne erstmals auf der EclipseCon Europe 2013 diskutiert wurde, hatte ich den Eindruck, dass es die sinnvollste und intuitivste Alternative zu dem gegenwärtigen Open Source-Modell ist, vor allem wenn man den Erfolg von Kickstarter, Indiegogo, usw. bedenkt und zumal viele der Anwesenden auch sagten, dass sie bereit seien, für eine gute IDE lieber zahlen als zu ihr beitragen würden. Deshalb war ich auch überrascht, dass die Idee zunächst verworfen wurde. Wann nahm die Idee für diese EasyEclipse-Kampagne konkrete Gestalt an?

Rapicault: Ich habe die Idee einer Crowdfunding-Kampagne das erste Mal mit einigen engen Freunden im Sommer 2013 diskutiert. Ich hatte bereits darüber nachgedacht, wie man Eclipse wieder einen neuen Impuls versetzen könne, aber der entscheidende Punkt war die Ankündigung des Google Android Toolings (Android Studio, Anm. d. Red.). Weil ich aber noch anderweitig beschäftigt war, unternahm ich nichts bis zum September, wo ich mir dann eine Woche freinahm, um einen Prototyp zu entwickeln und um zu schauen, ob Crowdfunding der richtige Weg ist. Seit diesem Zeitpunkt bin ich damit beschäftigt, die Idee auszuarbeiten, mit Leuten zu diskutieren und die Vorbereitungsarbeit zu machen.

JAXenter: Das Ziel der Finanzierung sind 120.000 Kanadische Dollar. Wie lange werden Sie mit diesen Mitteln in der Lage sein, EasyEclipse weiterzuentwickeln und aufrechtzuerhalten?

Rapicault: Also, als erstes muss man wissen, dass nicht der gesamte Betrag auf meinem Konto landet. Ungefähr zehn Prozent gehen an Kickstarter und PayPal, dann noch einmal 25 Prozent an die Entwicklung von Open Source. Was davon übrigbleibt, geht dann in die eigentliche Finanzierung des Projekts mit ein, d. h. die Integration und die neuen Features. Ich hoffe, dass wir mit dem Geld ungefähr ein Jahr auskommen.

Ich hoffe, dass wir mit dem Geld ungefähr ein Jahr auskommen.

JAXenter: Und wenn die Kampagne das Ziel verfehlt, wird dann einfach überhaupt nichts passieren?  Oder haben Sie irgendwelche Alternativen parat?

Rapicault: Bis jetzt sind alle unsere Gedanken und unsere Energie in die eigentliche Kampagne geflossen, ohne an einen Plan B oder irgendwelche sicheren Alternativen zu denken. Was feststeht, ist: Wenn wir es nicht schaffen, können wir sagen, dass wir unser Bestes gegeben haben und dass es zumindest versucht haben. 

JAXenter: Auf Ihrer Kickstarter-Seite heißt es: „Wir planen mit der Open Source Community zusammenzuarbeiten um die Probleme an der Wurzel anzugehen, statt nur unsere eigenen Vorstellungen umzusetzen?“ Was meinen Sie damit? Ich meine, Sie sind definitiv der Produktmanager, der der gegenwärtigen Eclipse IDE fehlt, aber das heißt doch auch, dass Bugfixes letztlich von Ihrem Team gemanagt werden, oder?

Rapicault: Es bedeutet, dass, wenn es einen Bug oder ein fehlendes Feature in einem Plug-in gibt, das EasyEclipse nutzt (man beachte, dass dies ein Projekt der Eclipse Foundation sein kann oder eines, das sonstwo gehostet wird), wir nicht die Absicht haben, das Projekt zu forken. Wir werden mit der Community zusammenarbeiten, die das Plug-in entwickelt, um die Änderungen direkt im Projekt zu machen. Das bedeutet, dass entweder wir die Code-Änderungen machen und sie mit ihnen gemeinsam integrieren. Oder wir bezahlen jemanden aus dem Projekt dafür, dass er die Arbeit erledigt.

Die Fehler, die vorrangig behoben werden, sind diejenigen, von denen unsere Nutzer unmittelbar profitieren. Bugfixing ist jedoch nicht genug. Wir wollen weiterhin erneuern, und einiges davon soll in der OSS durchgeführt werden. Zum Beispiel können Sie einige der Ideen, die ich für Google Summer of Code vorgelegt habe, einsehen. 

JAXenter: Sneak Peek: Wie wird das Look and Feel der neuen IDE sein? Eclipse-ähnlich oder verfolgen Sie einen völlig neuen Ansatz?

Rapicault: Es wird eine Weiterentwicklung von Eclipse. Das UI wird weniger überladen sein: weniger Inhalt in Kontextmenüs – bei mir zum Beispiel hat das Menü nicht auf den Bildschirm gepasst –, weniger Schaltflächen in der Symbolleiste, so dass der Benutzer nicht überfordert ist und mehr vertikalen Raum fürs Codieren hat.

Konkreter: Wenn Sie Eclipse zum ersten Mal öffnen, werden Sie aufgefordert, Ihre IDE einzurichten. Sie wählen Ihr SCM und Ihr Build-System – und irgendwann dann mehr, wenn sich EasyEclipse weiterentwickelt hat. Und Ihre IDE ist bereit.

Wenn Sie das Git-Plug-in installiert haben, enthält die Startleiste ein Git-Symbol, mit dem Sie Aktionen wie clone repo oder commit auslösen können.

Es wird natürlich mehr geben als das, was zunächst sichtbar ist – all die präferierten Einstellungen, die die IDE leichter bedienbar machen.  

Es wird eine Weiterentwicklung von Eclipse. Das UI wird weniger überladen sein.

JAXenter: Wird EasyEclipse Funktionen von IntelliJ IDEA oder NetBeans übernehmen? 

Rapicault: Wenn EasyEclipse eine IDE sein möchte, die diesen Namen auch verdient, wird sie mit ähnlichen Features wie diese beiden IDEs ausgestattet sein müssen. Ich schiele aber auch auf Texteditoren – Sublime, Textmate etc. –, da eine Menge Leute ihre IDEs gegen diese eintauschen, und auch Cloud-IDEs: Eclipse Orion, Microsoft Monaco etc.

JAXenter: Wird die Preisgestaltung ähnlich wie bei den größten Konkurrenten da draußen? 

Rapicault: Ich bin nicht gut darin, solche unternehmerische Entscheidungen zu treffen. Wir haben uns angesehen, was die Konkurrenz macht und diskutiert, wo wir zu passen wollen, aber es ist zu früh, um dazu etwas sagen. Lassen Sie uns zunächst sehen, was aus der Kickstarter-Kampagne wird.

JAXenter: Vorausgesetzt, die Finanzierung ist erfolgreich, wie bald wird EasyEclipse verfügbar sein? Wie ausgereift ist die Technik? 

Rapicault: Zum jetzigen Zeitpunkt ist die erste vollständige Version für Dezember 2014 geplant. Doch für alle Benutzer mit Zugriff auf die Betaversionen hoffe ich, wir werden in der Lage sein, eine erste Version mit dem Luna-Release (im Juni 2014, Anm. d. Red.) zu bieten. Diese wird natürlich minimalistisch sein, aber eine erste Möglichkeit, um mit meinen Nutzern ins Gespräch zu kommen.

Die erste vollständige Version ist für Dezember 2014 geplant.

JAXenter: Stellen Sie sich vor, die Kampagne wird ein so großer Erfolg, dass Sie nicht nur eine Java-IDE, sondern auch Plug-ins für andere Technologie bieten können. Welche Technologien sind dann als nächstes auf Ihrer Prioritätenliste? 

Rapicault: EasyEclipse wird nutzergetrieben sein, wir müssten also abwarten. Aber wenn ich raten müsste, würde ich sagen: Spring und Tomcat, denn das sind sehr beliebte Technologien. Ich habe auch eine Liste der wichtigsten Werkzeuge für Java-Entwickler – Codequalität, Testabdeckung usw. – und weitere Goodies, die ich gerne zur Verfügung stellen würde.

JAXenter: Wie ist bislang die Reaktion der Eclipse-Community auf  EasyEclipse gewesen? 

Rapicault: Es hat alle möglichen Reaktionen gegeben, vom einen Extrem bis ins andere. Manche sind wirklich begeistert, können nachvollziehen, worauf es bei der Finanzierung der IDE ankommt. Sie unterstützen die Sache voll und ganz, weil sie der Ansicht sind, dass ein neuer Player, dessen Wertbeitrag so stark vom Open-Source-Ökosystem abhängt, zu einer allgemeinen Verbesserungen der Open-Source-Komponenten führen wird.

Andere hingegen wollen keine kommerzielle Version der Eclipse-IDE, schlagen aber keine praktikable Alternative vor. Das ist traurig.

Aber die größte Schwierigkeit ist es, die Millionen von Eclipse-Nutzern zu erreichen und ihnen zu erklären, dass es zu wenige Verantwortliche für die Software gibt, auf die sie so stark angewiesen sind. Und dass sich einige Dinge ändern müssen.  

JAX 2014Die Klagen über Eclipse nehmen zu: zu groß, zu langsam, zu schwergewichtig, zu überladen etc. Auf dem Eclipse Day der JAX 2014 zeigt Martin Lippert anhand von Livedemos, wie die Entwicklung mit der Eclipse-IDE wieder Spaß machen kann: http://jax.de/2014/special-days/eclipse-day

Das Interview wurde in englischer Sprache geführt und zuerst auf jaxenter.com veröffentlicht. Deutsche Übersetzung: Selim Baykara, Diana Kupfer. 

Featurebild: Screenshot von: http://www.kickstarter.com/projects/283096083/easyeclipse-for-java


Geschrieben von
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: